Ende gut, alles gut

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Sa, 24. Februar 2018

Olympische Spiele

Der Biathlet Benedikt Doll aus Breitnau gewinnt nach fünf Fehlschüssen noch Bronze mit der deutschen Staffel / Sensationeller Erfolg der Schweden.

PYEONGCHANG. Der Schwarzwälder Biathlet Benedikt Doll aus Breitnau hat bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea einen weiteren großen Erfolg in seiner Karriere erzielt. Mit Erik Lesser, Arnd Peiffer und Simon Schempp gewann der 27-Jährige Staffel-Bronze hinter Schweden und Norwegen – und das, obwohl er fünfmal verschossen hatte. Ende gut, alles gut: "Diese Spiele werden mir lebenslang in Erinnerung bleiben", sagte er der Badischen Zeitung.

Dunkle Wolken zogen am Freitag über die Bergkuppen der olympischen Region rund um Pyeongchang. Schon am Nachmittag verschwand die Gipfelsilhouette in einer grauen Suppe, und dann begann es auch noch zu schneien, während der Wind immer stärker wurde. Ein schlechtes Omen für den letzten Wettkampf der deutschen Biathleten Erik Lesser aus Frankenhain, Benedikt Doll von der Skizunft Breitnau, Arnd Peiffer vom WSV Clausthal-Zellerfeld und Simon Schempp von der Ski-Zunft Uhingen? Am Donnerstag hatte das deutsche Frauen-Team um Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier bei einem regelrechten Fehlschuss-Festival nur Rang acht erreicht und war weit unter seinen Möglichkeiten geblieben.

Am Freitagabend (Ortszeit) starteten nun die Männer in ihr olympisches Finale. Doll war mit 27 Jahren der Jüngste im Staffel-Quartett des Deutschen Ski-Verbands (DSV). Am Montag vergangener Woche hatte er bereits Einzel-Bronze im Verfolgungsrennen gewonnen – und durfte damit als erster Biathlet überhaupt in der Geschichte des Skiverbands Schwarzwalds ein olympisches Podest erklettern. Im vergangenen Jahr gewann er die Weltmeisterschaft im Sprint in Hochfilzen – sein bis dahin größter Erfolg.

Bei der Mixed-Staffel in Pyeongchang hatte Doll ausgesetzt und auf diese Weise anderthalb Wochen lang Gelegenheit gehabt, frische Kraft zu tanken, zu trainieren und sich zu konzentrieren auf die Entscheidung mit der Staffel. "Ich fühle mich fit und bin hochmotiviert", sagte er vor dem Wettkampf. "Wir haben große Konkurrenten", erinnerte er: "Wir werden auf jeden Fall eine gute Leistung zeigen und um die Medaillen kämpfen müssen."

Ersatzmann Roman Rees fiebert mit

Roman Rees, der zweite Schwarzwälder Biathlet bei den Spielen in Südkorea und auch diesmal wieder Ersatzmann im deutschen Team, fieberte natürlich mit: "Ich tippe darauf, dass Norwegen das Rennen machen wird", sagte der 24-jährige Hofsgrunder vom SV Schauinsland der BZ wenige Minuten vor dem Start: "Aber ich gehe fest davon aus, dass auch Deutschland eine Medaille holt."

Erik Lesser machte den Anfang, und er machte ihn gut. Liegend schoss er ebenso schnell wie fehlerfrei und ging als Führender in die zweite Runde. Beim Stehendschießen ging dem 29-Jährigen der zweite Schuss daneben, doch auch die Konkurrenten patzten. Lesser blieb also vorn und übergab nach 7,5 Kilometern mit 18,4 Sekunden Vorsprung auf die Slowaken und 23,8 Sekunden vor den Norwegern an Doll. Der Breitnauer traf liegend alles, was zu treffen war und lief zunächst ein ebenso einsames Rennen wie tags zuvor sein Vereinskollege von der Skizunft Breitnau, Kombinierer Fabian Rießle. Stehend ging es nun um alles für den Hochschwarzwälder. Doch dann versagten ihm die Nerven. Er verschoss einmal, zweimal, und auch im Nachladen ging nichts mehr. Fünfmal daneben. Doll schaute kurz in den dunklen Himmel über Pyeongchang, in seinen Augen schien Verzweiflung zu liegen. "Was ich da gedacht habe, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr", berichtete er später. Das DSV-Quartett fiel auf Rang fünf zurück. Nun führten Tschechien, Schweden, Österreich und Norwegen den Wettkampf an.

Mit 37,2 Sekunden Rückstand legte Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer los. Liegend machte er seine Sache gut und verkürzte auf 17,9 Sekunden. War Deutschland wieder im Rennen um die Medaillen? Im Stehendschießen glänzte Peiffer ebenfalls, doch nun enteilten die Norweger mit ihrem Spitzenmann Johannes Thingnes Bö, dicht gefolgt von Schweden. Diese beiden Staffeln kämpften nun um Gold. Peiffer übergab mit nur noch 13,7 Sekunden Rückstand an Schlussläufer Simon Schempp. Silber oder Bronze war zu dieser Zeit noch möglich. Schempp musste im Liegendschießen dreimal nachladen, traf dann aber, eine Strafrunde blieb ihm erspart. Im letzten Durchgang am Schießstand fiel die Entscheidung um die Podestplätze. Schempp verschoss gleich viermal und musste in die Strafrunde. Er sicherte dem DSV-Quartett aber trotzdem noch Bronze hinter Sensationssieger Schweden, das von dem deutschen Trainer Wolfgang Pichler gecoacht wird, und Norwegen.

"Ich hatte schon auf der Strecke viel investiert und Gas gegeben", berichtete Benedikt Doll nach dem Wettkampf. Der Wind am Schießstand sei stark gewesen, "und dann kam ein bisschen Nervosität hinzu". Er habe nicht mehr locker dagestanden: "So wurde es immer schwieriger, überhaupt noch zu treffen." Irgendwann habe er sich gesagt: "Warte nicht ewig. Dann riskierst Du eben eine Strafrunde." Tatsächlich musste er dort dann gleich zwei Runden drehen. Am Ende kehrt der Breitnauer aber mit zwei Bronzemedaillen zurück in den Schwarzwald.

Breitnauer Medaillenspiegel sieht ganz gut aus

Das sei "ein sehr, sehr schönes Ergebnis", so der 27-Jährige. "Das wird mir lebenslang in Erinnerung bleiben. Und überhaupt: Der Breitnauer Medaillenspiegel sieht ja ganz gut aus." Skispringer Stephan Leyhe gewann Silber mit der Staffel, und auch wenn er nach wie vor für seinen alten Heimatverein SC Willingen startet und damit für den Hessischen Skiverband, haben die Breitnauer ihn doch in ihr Herz geschlossen. Der Nordische Kombinierer Fabian Rießle holte Gold mit dem Team und Silber im Einzelwettkampf von der Großschanze.

Phänomenale Erfolge in der Summe, die nächsten Dienstag in dem kleinen Schwarzwalddorf mit seinen rund 1700 Einwohnern mit Sicherheit groß gefeiert werden.