Deutscher Doppelsieg

Skispringer Richard Freitag gewinnt vor Andreas Wellinger in Titisee-Neustadt

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

So, 10. Dezember 2017 um 18:51 Uhr

Skispringen

Sensationeller deutscher Doppelsieg beim Einzel-Weltcup der Skispringer in Titisee-Neustadt: Richard Freitag kann den Wettkampf vor Andreas Wellinger für sich entscheiden.

Es war eine Hängepartie am Sonntag, die Zuschauer mussten mehr als anderthalb Stunden warten, bis mit dem ersten und an diesem Abend einzigen Durchgang tatsächlich begonnen werden konnte beim Einzel-Weltcup in Titisee-Neustadt. Erst um 17.04 wurde das auf 15.30 Uhr angesetzte Springen tatsächlich gestartet, und kaum war Constantin Schmid aus Oberaudorf als erster von sieben Vertretern des Deutschen Ski-Verbands (DSV) über den Bakken der Hochfirstschanze gegangen, musste die Jury schon wieder unterbrechen. Mal kam der Wind von vorn, mal von hinten, mal kam gar keiner.

Doch das Warten lohnte sich für mehrere tausend Fans im Schmiedsbachtal, es lohnte sich über die Maßen: 18.08 Uhr war es, als die deutsche Nationalhymne einem von Wind und Wetter durchwirbelten Weltcup-Wochenende einen goldenen Schlusspunkt aufsetzte: Richard Freitag von der SG Nickelhütte Aue hatte seinen phänomenalen Sprung auf 145 Meter, drei Meter unter dem Schanzenrekord des Slowenen Domen Prevc, mit einer Mühelosigkeit durchgezogen, die ein paar tausend offene Münder zurückließ. Freitag landete im Jubel all derer, die ausgeharrt hatten. Er stand den weitesten Sprung des gesamten Wochenendes, bleibt damit Weltcup-Spitzenreiter und setzt den bislang erfolgreichsten Saisonstart seiner Karriere mit einer Vehemenz fort, die kühne Hoffnungen auch für die Vierschanzentournee weckt, die in gut zwei Wochen in Oberstdorf beginnt. Unmittelbar hinter Freitag landete Andreas Wellinger vom SC Ruhpolding auf Rang zwei, auch ihn hatten die zum Schluss günstigen Bedingungen auf 139,5 Meter getragen. Dritter wurde der Norweger Daniel André Tande mit 135,5 Metern. Youngster Schmid jubelte über Rang acht, der Breitnauer Stephan Leyhe wurde Sechzehnter.

Der deutsche Doppelsieg versöhnte die Zuschauer

Der deutsche Doppelsieg versöhnte all diejenigen, denen Kälte, Regen, Sturm, Wind und Schnee gehörig zugesetzt hatten den ganzen Nachmittag über. Der Schwarzwald muss sich ja immer wieder einmal anhören, es gebe dort oben keinen echten Winter mehr. "Euch zeige ich es jetzt", sagte sich das landschaftlich so reizvolle Mittelgebirge im tiefen Südwesten der Republik - und suchte sich für seine Demonstration der Stärke ausgerechnet das Weltcup-Wochenende in Titisee-Neustadt aus. Schnee, Regen, Sturm, Windböen, die sich blitzschnell drehten, dann wieder für Augenblicke Sonne, die die tief verschneiten Höhen glitzern ließ, eisige Kälte im Schanzenkessel des Schmiedsbachtals, Schnee und Eis auch auf den Straßen: Da war diesmal wirklich alles dabei. "Der Veranstalter hier wird nicht vom Wetterglück verfolgt", hatte Werner Schuster, der Bundestrainer der deutschen Skispringer, schon am Freitag gesagt, als die Qualifikation für den Einzel-Weltcup am Sonntag abgebrochen und auf den Samstag verschoben worden musste.

Da lief dann alles erstaunlich glatt bei der Quali und dem Teamwettkampf im Anschluss. Doch der Sonntag entwickelte sich abermals zur Hängepartie. Erst sagten die Veranstalter den für 14.30 Uhr geplanten Probedurchgang ab. Der Wind hätte ihnen in diesem Augenblick keine Probleme gemacht, aber der Neuschnee, mit dem Frau Holle auch an diesem Tag nicht geizte, musste erst vom Aufsprunghügel und vom Schanzenauslauf entfernt werden. Am Startzeitpunkt für den Einzelwettkampf - 15.30 Uhr - hielten der Internationale Ski-Verband (FIS) und das Organisationskomitee zu diesem Zeitpunkt noch fest. Dann wurde die Startzeit für den Weltcup auf 15.50 Uhr verschoben - und dann abermals auf 16.30 Uhr. Sturmböen vereitelten Sprünge, und Regen prasselte auf die Zuschauer nieder, die trotzdem tapfer ausharrten. Die neue Flutlichtanlage ermöglichte es, den Zeitpunkt immer tiefer in die Winternacht hinein zu verschieben. Gegen halb fünf Uhr ließ immerhin der Regen nach, und der Poker ging weiter. Neue Startzeit: 17 Uhr. Vier Minuten später war es dann soweit - und eine Stunde danach das nächste deutsche Wintermärchen perfekt.

Nächstes Wochenende geht’s weiter mit den Weltcups im Hochschwarzwald

Was unterm Strich bleibt, ist darüber hinaus ein perfekter Teamwettkampf vor 5000 begeisterten Fans am Samstag im Schmiedsbachtal und ein gelungenes Flutlicht-Debüt. Das Teamspringen hatten die Norweger vor den Polen für sich entschieden. Das Quartett des Deutschen Ski-Verbands (DSV) schaffte es mit Markus Eisenbichler, Karl Geiger, Wellinger und Freitag auf Platz drei.

Bereits am kommenden Wochenende geht es weiter mit den Weltcups im Hochschwarzwald: Dann werden - bei hoffentlich besseren Bedingungen - die weltbesten Skispringerinnen zu Gast in Hinterzarten sein. Der Doppel-Weltcup beginnt am Freitag, 15. Dezember, um 18 Uhr mit der Qualifikation. Am Samstag, 16. Dezember, um 12.30 Uhr starten die Frauen zum ersten Mal in der Geschichte ihres Sports auf der Adlerschanze in einen Team-Wettbewerb. Am Sonntag um 15.30 Uhr steht dann noch ein Einzelspringen an. Katharina Althaus aus Oberstdorf, die Doppelsiegerin beim Weltcup-Auftakt im norwegischen Lillehammer vor einer Woche, hat auch in Hinterzarten beste Chancen, ihre Erfolgsserie fortzusetzen. "Es ist immer cool, vor heimischem Publikum zu springen", sagt Althaus. Aber auch die Schwarzwälderin Svenja Würth vom SV Baiersbronn wird auf ihrer Heimatschanze alles geben. "Ich habe Hinterzarten sehr vermisst", erklärt Würth: "Ich finde es toll, dass der Weltcup wieder vor der eigenen Haustür stattfindet." Tickets für Hinterzarten sind noch erhältlich, die Eintrittspreise moderat.

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