Verkantet in der Erfolgsspur

dpa

Von dpa

Fr, 16. Februar 2018

Olympische Spiele

Viktoria Rebensburg und Thomas Dreßen fahren am Medaillenerfolg knapp vorbei.

PYEONGCHANG (dpa). Der Super-Donnerstag wurde für die deutschen Alpinen nicht der erhoffte olympische Festtag: Thomas Dreßen belegte in der Abfahrt Rang fünf, Viktoria Rebensburg verpasste im Riesenslalom die Medaillen als Vierte. In den weiteren acht Rennen sind die Deutschen Außenseiter.

Thomas Dreßen wertete Olympia-Platz fünf in der Königsdisziplin als mutmachenden Erfolg, für Viktoria Rebensburg war das knapp verpasste Podium ihre bitterste Niederlage. Das deutsche Ski-Team ist am aussichtsreichsten Tag der Winterspiele von Pyeongchang gleich zweimal am anvisierten Edelmetall vorbeigefahren. Nach dem missglückten Super-Donnerstag haben die Alpinen die ersten medaillenlosen Winterspiele seit 2006 zu befürchten.

Nachdem sich Dreßens Medaillentraum in der Abfahrt zerschlagen hatte, schmerzte Rang vier von Sieganwärterin Rebensburg im Riesenslalom so richtig. Ein Fahrfehler kostete sie das Podium und den möglichen Sieg. Alpinchef Wolfgang Maier sprach von einer "großen Enttäuschung".

Zwölf Hundertstelsekunden fehlten Rebensburg zu ihrem dritten Podium bei Olympia nach Gold 2010 und Bronze 2014. "Es ist natürlich bitter", sagte die beste Riesenslalom-Fahrerin dieser Weltcup-Saison. Stattdessen ließen sich Siegerin Mikaela Shiffrin aus den USA, die zweitplatzierte Norwegerin Ragnhild Mowinckel und Federica Brignone aus Italien feiern. "Das hätte ich nicht unbedingt noch mal gebraucht", meinte Rebensburg, die auch bei der WM-Abfahrt 2017 Vierte geworden war.

"Das ist das Leben und meins wird trotzdem weitergehen", ergänzte sie und wollte ihren Patzer im ersten Lauf so schnell wie möglich abhaken. Rund fünf Zehntelsekunden habe das Malheur gekostet, meinte sie. Ohne diese Zeit wäre Rebensburg wohl mindestens Zweite geworden. Eine weitere ihrer oft gezeigten Aufholjagden im Finale – diesmal von Rang acht nach dem ersten Lauf auf Platz vier – reichte nicht.

"Mein Leben

wird weitergehen"

Die Vorfreude auf den Super-G am Samstag hielt sich entsprechend in Grenzen. Statt mit Medaillen-Schwung in die restlichen Spiele zu gehen, ist Rebensburg jetzt schon auf Wiedergutmachungsmission. "Das wird so ein bisserl eine Wundertüte", meinte die Olympiasiegerin von 2010 vor dem ersten Speed-Event. "Ich habe in den vergangenen Wochen nicht in der Disziplin trainiert, von daher muss man abwarten." In ihren nächsten Starts in Pyeongchang ist die Kreutherin nur Außenseiterin.

Vom Underdog zum Mitfavoriten hatte sich Dreßen entwickelt und war entsprechend selbstbewusst in die Abfahrt gegangen. Das verpasste Podest wurmte ihn zwar zunächst – dann aber fand der Senkrechtstarter schnell das Positive an seinem Rennen. "Ich habe wieder gezeigt, dass ich mich etabliert habe in der Weltspitze und werde alles daran setzen, dass ich da bleibe", betonte er. Gegen Sieger Aksel Lund Svindal, dessen norwegischen Landsmann Kjetil Jansrud und den drittplatzierten Schweizer Beat Feuz war Dreßen diesmal chancenlos.

"Im ersten Moment war ich schon enttäuscht, dass es für keine Medaille gereicht hat. Aber am Ende des Tages Fünfter zu sein, ist nicht so schlecht", räumte er ein. 0,78 Sekunden fehlten dem Olympia-Debütanten auf Gold. "Vor mir ist keiner jünger als ich, das sind alles erfahrene Läufer", erinnerte Dreßen. Zuletzt war von den deutschen Männern Markus Wasmeier als Abfahrts-Vierter bei Olympia 1992 ähnlich weit vorne.

Weil Andreas Sander auf Rang zehn auch ein gutes Resultat ablieferte, konnten die deutschen Speedfahrer schon vor dem Super-G am Freitag festhalten: Mission erfüllt, Perspektive sehr gut. "Auch wenn wir an einer Medaille vorbei gefahren sind muss man sehen, woher wir kommen", sagte Sportdirektor Maier.

Das Abfahrtsresultat konnte sich sehen lassen. Zum Vergleich: Österreichs Abfahrer erlebten zwei Tage nach Kombinations-Gold von Marcel Hirscher ein Debakel und kamen nicht unter die besten Sechs. Schlechter waren sie bei Winterspielen zuletzt 1960 in Squaw Valley.

Als Matthias Mayer vor vier Jahren in Sotschi Olympiasieger wurde, war kein einziger deutscher Abfahrer am Start. Die bislang letzte Medaille für die Männer holte Markus Wasmeier 1994 mit seinen beiden Goldenen bei den Winterspielen in Lillehammer. In der Königsdisziplin gab es seit 1992 nicht mal eine Platzierung in den Top 20 – nun rasten gleich zwei in die Top Ten. Josef Ferstl kam auf Rang 25.

"Gegen diese Leute zu verlieren, ist keine Schande", sagte Alpinchef Maier im Hinblick auf das Podium.