Titisee-Neustadt

Windböen erzwingen Abbruch des Weltcup-Skispringens

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Sa, 09. Dezember 2017

Skispringen

Die Qualifikation für den Weltcup der Skispringer in Titisee-Neustadt soll an diesem Samstag nachgeholt werden.

TITISEE-NEUSTADT. Schnell drehende Winde und Böen haben die Qualifikation für den Einzel-Weltcup der Skispringer in Titisee-Neustadt am Freitag vereitelt. Sie soll unmittelbar vor dem Teamwettkampf an diesem Samstag nachgeholt werden. Da sollen die Bedingungen besser sein.

"Der Veranstalter hier wird nicht vom Wetterglück verfolgt", sagte Werner Schuster, der Bundestrainer der deutschen Skispringer, kurz nach dem Abbruch der auf 12 Uhr angesetzten Qualifikation. 66 Springer aus 17 Nationen sollten über den Bakken gehen, doch nach dem achten war schon wieder Schluss an der Hochfirstschanze im Schmiedsbachtal. Die Verantwortlichen geben sich aber gelassen. Die Qualifikation für den Einzel-Weltcup am Sonntag (15.30 Uhr) soll nun am Samstag um 14.30 Uhr gestartet werden – anderthalb Stunden vor dem Beginn des Teamwettbewerbs um 16 Uhr (beide Springen live in der ARD).

Für den Team-Weltcup am Samstag, den ersten Heimwettkampf der deutschen Weitenjäger im olympischen Winter, nominierte Schuster Markus Eisenbichler vom TSV Siegsdorf, Karl Geiger vom SC Oberstdorf, Andreas Wellinger vom SC Ruhpolding und als Schlussspringer Richard Freitag von der SG Nickelhütte Aue. Der einzige Schwarzwälder im siebenköpfigen Aufgebot des Deutschen Ski-Verbands (DSV), Stephan Leyhe aus Breitnau, darf am Samstag zwar in der Quali für das Einzelspringen starten. Beim Teamwettkampf im Anschluss muss der 25-Jährige aber zuschauen.

Ein Treffen mit alten Bekannten

Es kommt nicht oft vor, dass eine Wetterprognose so exakt eintrifft wie die für den Qualifikationstag am Freitag. Zunächst schneite es leicht. Dann machte der Himmel auf, eröffnete den Sonnenstrahlen einen Weg in den tief verschneiten Schwarzwald, und dann kamen die Windböen. Fünf bis sieben Meter seien vorhergesagt worden, diese Werte habe er dann auch auf der Anzeige gesehen, sagte DSV-Sprecher Ralph Eder der BZ. Die Böen allein seien aber noch nicht das ganz große Problem gewesen. "Schwierig wurde es auch deshalb, weil der Wind sich immer wieder sehr schnell gedreht hat." Eine verlässliche Prognose, wann genau ein Springer starten konnte, war daher kaum noch zu treffen. Der hervorragenden Stimmung im deutschen Team habe der Abbruch der Quali aber nichts anhaben können, berichtete Eder. "Alle sind gut drauf, lustig, gesund und munter." Am vergangenen Wochenende hatten Richard Freitag und Andreas Wellinger mit einem deutschen Doppelsieg im russischen Nischni Tagil überrascht, und diese Erfolgswelle soll das DSV-Team natürlich auch in Titisee-Neustadt tragen. Aber auch für den Samstag sind wechselnde Winde prognostiziert, und für den Sonntag wollte man noch keine verlässliche Prognose wagen. Es ist also gut möglich, dass der Wind die Weltelite dann wieder durcheinanderwirbelt.

Mit einem Satz im ZDF hatte Schuster in Nischni Tagil für Spekulationen gesorgt. Er erklärte, dass natürlich "auch die anderen Nationen Video haben und sich unsere Sprünge jetzt genau anschauen werden". Die Vermutung, das DSV-Team bringe neuerdings eine andere Technik auf die Schanze, mache irgendetwas besser oder habe gar einen geheimen Vorteil beim Material, verwiesen allerdings sowohl der Bundestrainer als auch DSV-Sprecher Eder ins Reich der Legende. "Die Jungs haben einfach viel und gut gearbeitet in der Vorbereitungsphase", sagte Eder. "Es gibt kein Geheimnis und keine Wunderwaffe." Es sei vielmehr Alltag, dass die Trainer aller Nationen im Anschluss an einen Wettkampf die Videoaufnahmen von den Flügen der Top-Springer analysierten. Der Heimweltcup im Schwarzwald ist immer auch ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Sven Hannawald, der Hinterzartener von einst und legendäre Vierfach-Sieger der Vierschanzentournee des Winters 2001/2002, erzählte, es sei "immer wieder schön, hierher zurückzukehren". Auch deshalb, "weil dann die alten Gefühle wieder hochkommen". Hannawald arbeitet den ganzen Winter über als Skisprung-Experte für Eurosport.

Auch Dieter Thoma lebt schon seit einigen Jahren nicht mehr im Schwarzwald, aber er kehrt immer wieder gern dorthin zurück. "Schön, wenn man nachhause kommt", sagte der Team-Olympiasieger des Jahres 1994 aus Hinterzarten: "Es ist meine Heimat, und ich besuche ja auch öfter meine Eltern hier." Thoma kommentiert als Experte für die ARD und er sprach den Organisatoren gleich einmal ein Kompliment aus: "Die Schanze ist super präpariert." Hannawald, Thoma und auch Bundestrainer Schuster hoffen nun, dass die Windbedingungen am Samstag und am Sonntag besser sein werden.

Informationen und Tickets auf http://www.weltcupskispringen.de