Von Goldrausch bis zur Enttäuschung

dpa

Von dpa

Mo, 26. Februar 2018

Olympische Spiele

Das kleine Norwegen ist im Olympia-Hoch, bei den Großmächten USA, China und Russland fällt die Bilanz weniger euphorisch aus.

PYEONGCHANG (dpa/gg). Nicht überall gab es Komplimente für die olympischen Darbietungen der heimischen Wintersportler in Pyeongchang. Vor allem in den USA und in China wurde geklagt. Auch wenn sich die gesteckten Medaillen-Ziele nicht erfüllten, war Gastgeber Südkorea nicht unzufrieden.

Norwegen: Die Norweger (5,2 Millionen Einwohner) sind immer verrückt nach Wintersport – während Olympia jedoch noch viel mehr. Im Büro musste die Arbeit bei wichtigen Wettkämpfen warten. In der Osloer Innenstadt waren große Leinwände aufgebaut, vor denen die Leute auch bei Minusgraden stehenblieben. Zufriedener könnten sie kaum sein: Norwegen ist im Goldrausch, hat die beste je von einer Nation bei Winterspielen erreichte Medaillenbilanz (14/14/11), Marit Björgen ist die erfolgreichste Winter-Olympionikin. Während die norwegischen Langlauf-Staffeln Goldmedaillen abräumten, blieben die Loipen daheim so gut wie leer – weil alle vor dem Fernseher hockten. Der Fernsehsender TVNorge, der dem großen norwegischen Rundfunk die Übertragungsrechte weggeschnappt hatte, meldete Zuschauerrekorde.
USA: Die USA (323 Millionen Einwohner) sind nicht zufrieden: weder mit dem Abschneiden der Athleten noch mit der Resonanz daheim. Das Team blieb mit 23 Medaillen weit hinter dem internen Ziel (37) zurück. In den USA berichtete der Sender NBC 2400 Stunden. Dieser Rekord für Winterspiele konnte zweistellig sinkende Quoten im Vergleich zu 2014 in Sotschi aber nicht verhindern. Ein Grund dürfte neben den mäßigen Resultaten die Zeitverschiebung mit ungünstigen Sendezeiten für die USA gewesen sein. In anderen Sendern war von Pyeongchang wenig zu sehen, Präsident Donald Trump kommentierte kaum – insgesamt bleibt der Eindruck einer für die Sportnation USA recht verhaltenen Aufnahme.
Russland: Für die stolze Sportnation Russland (144 Millionen Einwohner) waren es Winterspiele zum Vergessen. Das Nationale Olympische Komitee wegen des Dopings in Sotschi 2014 gesperrt. Keine russische Fahne und Hymne. Neutrale Kleidung für die vom IOC handverlesenen Sportler, die Olympischen Athleten aus Russland (OAR). Die dann so unter Druck standen, dass sich auch die abgespeckten Medaillenhoffnungen nur selten erfüllten. Bis zwei Tage vor der Abschlussfeier musste Russland auf das erste Gold durch die Eiskunstläuferin Alina Sagitowa warten. Zudem gab’s zwei neue Dopingfälle.
Niederlande: Die Niederlande (17 Millionen Einwohner) waren dank der acht Siege der Eisschnellläufer im Oranje-Fieber. Olympia beschränkte sich für die meisten Niederländer vor allem auf die Rennen auf dem Eis. Täglich sahen zwei Millionen Menschen live im Fernsehen die Eisschnellläufer und Shorttracker. Das Interesse der Medien war gigantisch: Täglich gab’s stundenlange Live-Übertragungen in Radio und TV, abends Analysen und Talkshows. Auch die Zeitungen berichteten viel und feierten jede der acht Goldmedaillen mit einem extra Schuss orangener Farbe auf den Titelseiten.
Österreich: Für die Alpenrepublik (8,75 Millionen Einwohner) sind die Winterspiele naturgemäß ein extrem wichtiges Thema. Täglich berichtet zum Beispiel das Boulevardblatt "Kronen-Zeitung" in einem rund 20-seitigen Extra über die Spiele. Der ORF sendet ähnlich wie das deutsche Fernsehen ausführlichst. Die Erfolge der 105 Männer und Frauen des rot-weiß-roten Teams können sich aus Sicht der Skination mit 14 Medaillen sehen lassen. Nur die Wettbewerbe in Turin (2006) und Albertville (1992) verliefen erfolgreicher. Star ist der alpine Skirennläufer Marcel Hirscher, der zwei der fünf Goldmedaillen beisteuerte. Besonders gefeiert wurde der erste Platz der 26-jährigen Snowboarderin Anna Gasser.
China: Das chinesische Team enttäuschte die 1,38 Milliarden Einwohner des Landes. Vier Jahre vor den nächsten Winterspielen in Peking 2022 misslang in Pyeongchang die sportliche Generalprobe. Dabei war das Interesse so groß wie nie. Auch weil die Chinesen wegen des laufenden Neujahrsfestes viel Zeit hatten, am Fernseher die Spiele zu verfolgen. Die Hoffnungen, in den Wintersportarten endlich Fortschritte zu machen, erfüllten sich nicht. Es gab nur einmal Gold.
Süd/Nordkorea: Südkorea (51 Millionen Einwohner) hat mit 17 Medaillen, davon fünf aus Gold, sein Ziel erreicht. In Yun Sung-bin hat zum ersten Mal ein Asiate den Skeleton-Wettbewerb der Männer gewonnen. Im südkoreanischen Paradesport Shorttrack gab es dreimal Gold, einmal im Eisschnelllauf. Die beste Platzierung von Athleten aus Nordkorea (24 Millionen Einwohner) erreichte das Eiskunstlauf-Paar Ryom Tae-ok und Kim Ju-sik mit Platz 13. Das gesamtkoreanische Eishockey-Team, zu dem auch zwölf Nordkoreanerinnen zählten, verlor alle ihre fünf Spiele.