Nur Simon Gutmann strahlt in Graz

Erhard Goller

Von Erhard Goller

Mo, 30. Juli 2018

Mountainbike

Breitnauer Sprinter rast im Sprint-Weltcup auf Rang neun / Cross-Countryfahrer Luca Schwarzbauer bei U23-EM auf Rang 15.

MOUNTAINBIKE. Der Breitnauer Simon Gutmann sorgte beim Sprint-Doppelwochenende in Graz im Weltcup-Wettbewerb als Neunter für das beste deutsche Resultat. Heiko Hog sprintete auf den 13. Platz. Luca Schwarzbauer vom Kirchzartener Lexware-Team hat bei der U23-Europameisterschaft im Cross-Country Rang 15 belegt und war damit bester Deutscher. Enttäuschend verlief das Einzelrennen der EM am Sonntag für Max Brandl, seine Teamkollegen David List und Lars Hemmerling mussten sogar aufgeben.

Die Europameisterschaft endete für die beiden Breitnauer Sprinter am Freitag mit einer leichten Enttäuschung. Simon Gutmann und Heiko Hog (beide Freiburger Pilsner-Merida) schieden bei der Europameisterschaft bereits im Achtelfinale aus. Simon Gutmann war eigentlich auf einem guten Weg ins Viertelfinale. Er fuhr in seinem Lauf an zweiter Stelle, als er an einer aufwärts zu bewältigenden Treppe nicht zurecht kam und etliche Konkurrenten vorbeiziehen lassen musste. "Ich dachte, ich halte die Position, aber ich bin das einfach zu schlecht gefahren", befand der Breitnauer selbstkritisch, der im EM-Endklassement den 26. Platz belegte.

Sein Teamkollege Heiko Hog kam – hinter Landsmann Horvath – als Zweiter aus der ersten Kurve, doch auch hier war es Jay Bytebier, der in der nächsten Kurve innen durchstechen konnte. "Er war da einfach aggressiver und hat mehr gewagt, kommentierte Heiko Hog, der 28. wurde, sichtlich enttäuscht seinen Auftritt.

Einen Tag später machten es zumindest Hog und Gutmann deutlich besser, obschon die Konkurrenz beim Sprintweltcup sogar besser besetzt war. Der Deutsche Meister Simon Gegenheimer zum Beispiel war am Samstag auch am Start. Das Layout des Kurses war anders und die Startphase überhaupt nicht entscheidend. Es ging über zwei 570 Meter lange Runden, in denen ein knapp 200 Meter langer Anstieg und die Zielgeraden genügend Überholmöglichkeiten boten. Simon Gutman überraschte bereits in der Qualifikation, als er in diesem Weltcuprennen die drittbeste Zeit ablieferte. Begeistert machte man im Lager seines Teams Screenshots, schließlich hatte er dabei auch Welt- und Europameister Perrin Ganier hinter sich gelassen. Klug steuerte Gutmann auch durchs Achtelfinale. In der nächsten Runde hatte er es mit Titouan Perrin Ganier und mit dem Spanier Gomez zu tun. Zuerst lag er allerdings an dritter Stelle hinter Perrin Ganier und dem Österreicher Elias Thanninger. Den konnte er im zweiten Anstieg überholen, wurde dann aber von Lopez passiert. Auf der Zielgeraden fehlte Gutmann die intuitiv richtige Linie. In der Mitte gab es zwischen Perrin Ganier und Alejandro Lopez kein Durchkommen, obschon Gutmann die höhere Geschwindigkeit hatte.

"Schade, ich hätte außen vorbei sollen, dann hätte es gereicht", befand der Breitnauer im Ziel. Trotzdem hatte er sich ein wenig für die Enttäuschung von der EM am Vortag rehabilitiert. "Ich habe ein einigermaßen gutes Rennen zustande gebracht", so Gutmann, der tags zuvor noch so sehr an sich gezweifelt hatte. Am Ende verbuchte er als Neunter und bester Deutscher sein bisher wohl wertvollstes internationales Resultat.

Auch Teamkollege Heiko Hog, der Quali-Siebter war, blieb im Viertelfinale hängen. Im fehlte die Explosivität, um in den Positionskämpfen dagegenhalten zu können. "Ich hätte schon in der ersten Runde am Berg das Tempo durchziehen sollen, das war ein Fehler", so der Breitnauer, den man aufgrund der starken Quali aber auf Platz 13 führte. Es war nicht die Europameisterschaft der Lexware-Biker. Die Bedingungen am nördlichen Ortsrand von Graz waren extrem. Temperaturen von über 30 Grad und Windstille forderten bei vielen Fahrern Tribut. Der 4,2 Kilometer lange Kurs tat sein Übriges mit steilen Anstiege auf einem Untergrund, der nicht rollte und das Vorwärtskommen zusätzlich erschwerte. Luca Schwarzbauer erwischte einen guten Start und lag nach einer Runde an zwölfter Stelle.

Max Brandl enttäuscht bei extremer Hitze

Bald riss er sein Trikot weit auf, um seinem Körper Kühlung zu verschaffen. Zwei Runden vor Schluss war er an 13. Stelle unterwegs. Schwarzbauer war schon Zwölfter, als er in einer technischen Passage unsanft auf seinen Sattel knallte. Die Sitzgelegenheit gab nach und rutschte im Sattelrohr nach unten. Schwarzbauer reparierte das Malheur, doch er verlor drei Positionen. "Das mit dem Sattel war schade, aber ich habe immerhin noch Rang 15 zurückholen können." Schwarzbauer hatte schließlich genau vier Minuten Rückstand auf den Franzosen Joshua Dubau (1:25:23), der 19 Sekunden vor dem Schweizer Filippo Colombo und 43 Sekunden vor dem Niederländer Milan Vader EM-Gold gewann. Max Brandl kämpfte erfolglos mit der Hitze und hatte sich weit mehr erhofft als Rang 30 (+7:18). Die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. "Schon krass, wie man in drei Tagen abstürzen kann", befand der Freiburger. Brandls Plan ging nur bis zur zweiten Runde auf. Da lag er an sechster Stelle. "Das war so, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber dann war es so brutal heiß, echt abartig", erklärte der Deutsche U23-Meister. "In der zweiten und dritten Runde habe ich meine Linien nicht mehr getroffen, am Ende hatte ich Krämpfe in den Händen und in den Beinen."

Teamkollege David List musste von Bundestrainer Peter Schaupp aus dem Rennen genommen werden. Der Friedrichshafener war von Position 33 bereits aus den Top 40 zurückgefallen. "David ist Schlangenlinien gefahren, das war zu gefährlich", erklärte Schaupp. Auch Lexware-Junior Lars Hemmerling konnte sein EM-Rennen nicht beenden und schied in Graz enttäuscht mit Rückenproblemen aus.