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14. Januar 2012
REINLESEN
Benjo Maso beschreibt die Geschichte des Radsports packend, aber auch nüchtern. Fesselnd, aber auch sachlich. Chronologisch, aber konzentriert auf das Wesentliche und stets ohne Scheu, auch die weniger schönen Seiten des Sports in den Blick zu nehmen. "Der Schweiß der Götter", so heißt sein Buch, beginnt da, wo auch das Fahrrad selbst seinen Siegeszug antrat und sich in der Welt verbreitete: im 19. Jahrhundert. Schon lange vor der ersten Austragung der Tour der France im Jahr 1903 maßen sich mutige Männer und radelten um Geld und Anerkennung. Aber natürlich war es die Tour selbst, die dem Radsport und seinen Protagonisten dann zu einer so nie zuvor gesehenen Popularität verhalf. Millionen begeisterten sich für die alljährliche Rundfahrt im Juli und standen an der Strecke – zu einer Zeit, als es noch kein Fernsehen gab und kein Radio. Zeitungen, vor allem Sportblätter, berichteten damals nicht nur über Veranstaltungen wie die Tour, sondern organisierten sie auch gleich selbst. Die Medien und der Radsport gingen auf diese Weise schon früh eine Allianz ein, von der beide Seiten profitierten – wobei die sogenannte journalistische Unabhängigkeit schon damals keine große Rolle spielte. Die Tour-Fahrer der ersten Jahrzehnte nahmen ungeheure Strapazen auf sich, radelten mehrere 100 Kilometer auf Strecken, die noch nicht oder nur schlecht asphaltiert waren. Sie waren "Strafgefangene der Landstraße", Helden ihrer Zeit. Weil es schon damals um viel Geld und Renommee ging, waren auch Betrügereien und Manipulationen gang und gäbe – bei der Tour wie bei anderen großen Rundfahrten. Maso, ein angesehener Soziologe aus den Niederlanden, widmet seine letzten beiden Kapitel daher auch dem Doping. Der Betrug mit Medikamenten und im Sport verbotenen Mitteln geht allen Anstrengungen zum Trotz weiter, glaubt Maso – zumindest an der Spitze. Trotzdem begeistert er sich wie Millionen andere auch künftig für den Radsport – in dem Bewusstsein, dass nichts besser wird, wenn man wegschaut, und in der Überzeugung, dass man aus der Geschichte ja vielleicht auch etwas lernen kann.
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Autor: Andreas Strepenick
