Alfred Metzler aus Wolfach

Ein Meister auf vielen Ebenen

Wolfgang Künstle

Von Wolfgang Künstle

Fr, 11. März 2011

Regio-Fußball

Menschen und Sport: Der ehemalige Fußballer Alfred Metzler arbeitet als Lehrer und verzaubert auch mal sein Publikum.

FUSSBALL. "Ich habe stets versucht, die Zeit mit Dingen zu füllen, die mir Spaß gemacht haben. Außerdem habe ich eine tolle Familie und bin gesund", sagt Manfred Metzler. Seinem 60. Geburtstag sieht er dennoch – oder gerade deshalb – mit gemischten Gefühlen entgegen: "Früher waren Sechzigjährige steinalt für mich. Es ist eine seltsame Schwelle", überlegt der gebürtige Wolfacher. "Man macht sich Gedanken, weiß, dass man irgendwann in Rente gehen wird, fragt sich, was danach kommt." Sein Geburtstagsfest Ende April ist bereits weitgehend geplant. "Es wird so werden wie mein Leben", sagt Metzler. Kleiner Kreis, ein bisschen Zauberei, ein bisschen Musik. "Keine Riesensause."

Vielleicht passiert auch noch etwas Überraschendes, auch dies wäre keine Überraschung. Ungewöhnlich war schon mancher Weg, der sein Leben gekreuzt hat. Seine erste Liebe galt dem Fußball. Mit acht Jahren hat er sich in Wolfach dem Fußballernachwuchs angeschlossen. Wieso? "Sonst gab’s nix", stellt Metzler lapidar fest.

"Mein erstes

Handgeld waren 5000 Mark."

Alfred Metzler
Nach den Jugendklassen und einem Jahr in der ersten Mannschaft wechselte Metzler zum FC 08 Villingen, wo er in der damals zweithöchsten Deutschen Klasse, der Regionalliga, seinen ersten Lizenzspielervertrag unterschreiben durfte. "Mein erstes Handgeld waren 5000 Mark", erinnert er sich. "Davon habe ich mein erstes Auto gekauft – einen nagelneuen Fiat 500", erinnert sich Metzler schmunzelnd. "Damit war ich die Sensation in Wolfach."

Nach vier Jahren im Schwarzwald wechselte Metzler zum Offenburger FV, zwei Jahre später zum FC Freiburg, mit dem er in die Zweite Liga aufstieg. Mit dem Einkommen als Vollprofi finanzierte er sein Studium an der Pädagogischen Hochschule. Denn ihm war klar, dass der Fußball keine wirkliche Perspektive darstellen würde. Der VfB Stuttgart war an Metzler als Vorstopper interessiert, entschied sich aber letztlich gegen ihn – und für Karl-Heinz Förster. "Ich war mit einssechsundsiebzig leider ein bisschen zu klein." Daher entschied er sich am Ende seines Studiums für das Lehramt.

Ein schwerer Schicksalsschlag am 24. Januar 1984 beeinflusste Metzlers Leben nachhaltig. Karl-Heinz "Kalla" Bente, OFV-Trainer und ehemaliger Bundesligaspieler, verstarb bei einem Verkehrsunfall in der Nähe von Bahlingen. "Er war Vater, Bruder, Freund und Trainer gleichzeitig", so Metzler. Es war für ihn eine Ehrensache, als aktiver Fußballer aufzuhören und den OFV in der Oberliga als Trainer zu übernehmen, "um das Amt in Kallas Sinne weiterzuführen", wie er sagt. Die Deutsche Amateurmeisterschaft, die er noch im gleichen Jahr errang, war Metzlers größter Erfolg als Trainer.

Auch privat stellten sich in jenem Jahr Veränderungen ein: Metzler heiratete, begann zu malen, präsentierte seine Werke in mehreren Ausstellungen. Später lernte er das Gitarrespielen, bis heute schreibt er Fußballkolumnen für eine Tageszeitung.

Sein Hauptberuf als Lehrer erfüllt ihn ebenfalls mit großer Zufriedenheit. "Wenn du einen Draht kriegst zu den Schülern, dann kommst du auch mit den Schwierigsten zurecht", hat er erfahren. "Wenn nicht, gehst du kaputt dabei." Heute unterrichtet Metzler eine Vielzahl an Fächern an der Graf-Heinrich-Schule in Hausach, so kann er viel Zeit mit "seiner" Klasse verbringen. Hier, im beschaulichen Kinzigtal, sei die Arbeit als Lehrer noch etwas leichter: "Das ist noch eine Insel, denn die meisten Schüler haben Perspektive."

Es war 1999, Weihnachten, im Palazzo Colombino in Freiburg, als sein Leben erneut eine unerwartete Wendung nahm: Metzler saß im Varieté, als ihm ein Tischzauberer mit seiner Kunst völlig den Kopf verdrehte. "Es war ein Trick mit einem ganz banalen Gummi", erinnert sich Metzler. Völlig fasziniert kaufte er sich gleich ein Buch mit Zaubertricks. "Es war einfach der Wunderfitz, mehr nicht." Doch trainiert in Disziplin, Geduld und Ausdauer ließ ihn die Kunst nicht mehr los. Anfangs sei er belächelt worden. "Bei meinem ersten Auftritt war ich auch grausam schlecht – aber unheimlich mutig." Metzler, von Natur aus ein ruhiger, eher zurückhaltender Mensch, stand plötzlich vor einigen Dutzend Leuten, die versuchten, hinter sein Geheimnis zu kommen. "Du schlüpfst in eine Rolle. Wenn du da vorne stehst, das bist du nicht mehr selbst."

In zahllosen Stunden vor dem Spiegel wurde gearbeitet, an jeder Bewegung akribisch geschliffen. "Natürlich hat mir mein Bekanntheitsgrad aus Sportlerzeiten geholfen, mit der Zauberei Fuß zu fassen und Aufträge zu bekommen", sagt Metzler. Sein neues Tun sprach sich rum, plötzlich hatte er 80 Auftritte im Jahr.

"Du schlüpfst in eine

Rolle. Wenn du da vorne stehst, das bist du

nicht mehr selbst."

Manfred Metzler
Zu seinen Kunden gehören Firmen, renommierte Hotels, natürlich auch private Auftraggeber für Geburtstage und ähnliche Anlässe. Auftritte mit Kindern wie kürzlich bei der Lahrer Stadtmeisterschaft in der Mauerfeldhalle sind für ihn eher ungewöhnlich. Die große Bühne mit ebensolchem Spektakel ist nicht seine Welt. Am Liebsten verblüfft er die Leute mit Münzen, Karten, kleinen Bällen und ähnlich alltäglichen Accessoires. Wie zufällig findet er drei große, schwere Münzen in der Tasche, nur wenige Augenblicke später kratzt sich sein Gegenüber ratlos hinterm Ohr, doch die Geheimnisse der Tricks – sie sollen geheim bleiben. Äußerlich völlig gleichgültig zeigt doch sein schelmischer Blick, dass ihm sein Tun offensichtlich Spaß bereitet. Schnell packt Metzler die Münzen wieder ein. "Ob ich nach meiner Lehrerzeit immer noch zaubere, weiß ich nicht. Man weiß ja nie, was noch alles kommt."