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08. Februar 2010 00:04 Uhr

0:0 gegen Schalke

SC Freiburg: Kleiner Schritt mit großer Wirkung?

Auch kleine Schritte können aus der Krise führen, das weiß man in Freiburg. Der Sportclub ringt Schalke 04 vor heimischem Publikum einen Punkt ab. Erstmals seit dem 12. Dezember kassierte der SC keinen Gegentreffer.

  1. 0:0 – der SC Freiburg und Schalke 04 trennten sich unentschieden. Foto: ddp

FREIBURG. Nein, gewonnen hat der SC Freiburg wieder nicht. Seit sieben Spielen schon entbehren die Spieler dieses Glücksgefühls, was bei einem Blick auf die Tabelle, wo der Sportclub als 15. und damit Viertletzter geführt wird, zu leicht nervösen Reaktionen führen kann. Seit Samstagnachmittag dürfte man davon aber an der Dreisam ein gutes Stück abgekommen sein. "Dieses Spiel war sehr wichtig für unser Selbstvertrauen", sagte Robin Dutt nach den torlosen 90 Minuten gegen den FC Schalke 04. Erstmals seit dem 12. Dezember vergangenen Jahres (0:0 gegen Köln) musste der Sportclub keinen Gegentreffer hinnehmen, was den wieder einmal glänzend disponierten Ömer Toprak zu der Aussage verleitete, nun mit Mut die nächsten Aufgaben angehen zu können. Am kommenden Sonntag geht es zur Eintracht nach Frankfurt.

Auch kleine Schritte können aus der Krise führen, das weiß man in Freiburg. Umso mehr, als die Leistung des Aufsteigers über weite Strecken der bis zum Schluss abwechslungsreichen und spannenden Partie eine ansprechende gewesen ist. Lange hat man die Mannschaft nicht mehr derart schnell und inspiriert spielen gesehen wie in der ersten Halbzeit. Mit kurzen und langen Pässen, überraschenden Rochaden und viel, viel Laufarbeit wurde den Gästen aus dem Westen der Aufenthalt im Badischen vergällt. Und wer weiß, wie die Sache gelaufen wäre, hätten Cédric Makiadi (31.) mit einem Schuss von der Strafraumgrenze und Mo Idrissou (41.) ins Netz getroffen. Der Kopfball des Kameruners nach einem Freistoß von Julian Schuster touchierte aber lediglich den Querbalken. Gleichwohl: Auch Kevin Kuranyi hatte zuvor per Kopf den Freiburger Torpfosten anvisiert und damit untermauert, dass sich die größtenteils jungen Hüpfer von Felix Magath nicht so mir nichts, Dir nichts aus dem Titelrennen zu verabschieden gedachten.

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Ums Haar wäre den Schalkern in Freiburg nämlich ein großer Schritt geglückt. Doch irgendwie hatten der ansonsten gute Schiedsrichter Drees und seine Assistenten in der 47. Minute nicht den richtigen Durchblick. Angesichts der vielen guten Chancen seiner Mannschaft im zweiten Durchgang hielt es Coach Magath zwar müßig darüber zu diskutieren, was Fernsehbilder eindeutig bewiesen: dass der Kopfball des Brasilianers Marcelo Bordon an die Unterkante der Latte und von dort hinter der Freiburger Torlinie gelandet war. So etwas geschehe halt, sagte Magath lapidar, solange Amateure über Profis bestimmten. Womit er die Funktionärsriege des Welt-Fußballverbandes (Fifa) meinte, die sich noch immer Torkameras oder dem Chip im Ball verweigert. Kollege Robin Dutt wollte dem nicht widersprechen. Der Freiburger Trainer hatte erst vor einer Woche eine ganz ähnliche Szene in Leverkusen erlebt, als dem Sportclub ein möglicher Treffer vorenthalten worden war (siehe auch "Eckstoß"). Als Kontrast zu seinem Übungsleiter fand Kevin Kuranyi vor der Abfahrt des Schalker Busses wesentlich harschere Worte: "Der Schiri hat uns den Sieg geklaut."

Indirekt verborgen ist darin ein Lob an die Freiburger. Tatsächlich agierten die Gäste nach dem Pausentee wesentlich agiler und zielstrebiger. Die Hereinnahme des Peruaners Jefferson Farfan hatte ihr Spiel deutlich belebt. Bordons nicht gegebenen Treffer hätte es nämlich gar nicht bedurft, weil die Schalker auch so vier, fünf beste Einschussmöglichkeiten hatten. Doch der alles erlösende Schuss gelang den an diesem Tag in weiß spielenden "Königsblauen" nicht. Magath war deshalb unzufrieden, den "nötigen Biss" hat er vermisst.

Spielerisch lief bei den Breisgauern in der zweiten Hälfte nicht mehr allzu viel zusammen. Abstimmungsprobleme häuften sich, Unkonzentriertheiten kamen dazu. Und da Kapitän Heiko Butscher und Julian Schuster nicht ihren allerbesten Tag erwischt hatten, Papiss Cissé dazu ein bisschen die Luft ausging, mag bei dem einen oder anderen Zuschauer schon ein bisschen das Bibbern begonnen haben. Nicht unbedingt der Kälte wegen. Dennoch: Die unbändige Leidenschaft der Dutt-Elf blieb ungebrochen.

Fast wären die nimmermüden Breisgauer noch belohnt worden. Zwei Nadelstiche konnten sie noch setzen. Zuerst traf jedoch der freistehende Cha (80.) den Ball nicht richtig, zuguterletzt konnte der eingewechselte Stefan Reisinger (89.) zur Gaudi der Tribüne zwar Bordon nach allen Regeln der Kunst ausspielen, doch legte er sich danach im Überschwang der Gefühle den Ball viel zu weit vor. Chance vertan.

Trotz der Nullnummer trat Simon Pouplin zufrieden die Heimfahrt an. Die Mannschaftsleistung habe ihm gut gefallen, gab der SC-Keeper zu Protokoll, der die Partie in Frankfurt nun positiv zu gestalten gedenkt. Mit einem Punkt wolle man sich dort nicht zufrieden geben. Die Zeit sei jetzt reif für einen Sieg. Damit aus einem kleinen, endlich wieder mal ein großer Schritt wird.

Freiburg: Pouplin, Williams, Toprak, Butscher, Bastians, Flum, Schuster (71. Banovic), Cha, Makiadi, Cissé (88. Reisinger), Idrissou. Schalke: Neuer, Rafinha, Höwedes, Bordon, Schmitz, Matip, Moritz (77. Ibraimi), Baumjohann (53. Farfan), Rakitic, Sanchez, Kuranyi. Schiedsrichter: Drees (Münster-Sarmsheim). Zuschauer: 24 000 (ausverkauft). Gelbe Karten: Williams / Baumjohann, Schmitz (2), Rakitic (2).

Autor: Michael Dörfler