Trainer Scheuer: "Wir waren mehr als ebenbürtig"

Eyüp Ertan

Von Eyüp Ertan

Mo, 03. Dezember 2018

SC Freiburg

Die Erstliga-Fußballerinnen des SC Freiburg verlieren aber in der Schlusssekunde gegen die Bayern / Der Sportclub hadert mit Entscheidungen der Schiedsrichterin.

FREIBURG. Gegen den Tabellenzweiten aus München mussten sich die Erstliga-Fußballerinnen des SC Freiburg erst in der 93. Minute geschlagen geben. Das Team vom scheidenden Trainer Jens Scheuer zeigte gegen die Bayern eine Leistung, die mindestens einen Punkt verdient gehabt hätte.

Die Reaktionen im Möslestadion hätten beim Abpfiff nicht unterschiedlicher ausfallen können. Auf der einen Seite die Bayern, die auf dem vom Dauerregen durchnässten Rasen tanzten und jubelten. Auf der anderen Seite traurige Gesichter, sichtlich geknickt waren die Spielerinnen des SC Freiburg nach dem Spielende. 1:2 hatte das Team von Trainer Jens Scheuer verloren, die erste Partie nach dem Bekanntwerden des Trainerwechsels zum Saisonende hin. An Brisanz hatte das Spiel ohnehin gewonnen: Scheuer wird mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht, will sich selbst dazu aber nicht äußern.

Seine Spielerinnen ließen sich von all dem Trubel nichts anmerken; sie lieferten eine klasse Partie ab und verpassten am Ende die Belohnung. "Ich war traurig für die Mannschaft", sagte Scheuer nach dem Abpfiff. "Ich bin unglaublich stolz und fasziniert, wie wir heute Fußball gespielt haben. Wir waren mehr als ebenbürtig, ich sehe uns fast als die bessere Mannschaft", fügte der Freiburger Coach hinzu. In der Tat: 1531 Zuschauer hatten eine ansehnliche Leistung des Sportclubs gesehen, die Freiburgerinnen kämpften, kombinierten und wuchsen alle ein wenig über sich hinaus.

Ansehnlich war auch der Führungstreffer: Aus knapp 40 Metern hatte Sharon Beck einen Freistoß aus halbrechter Position mit Hilfe der Latten-Unterkante gesetzt – der Jubel im Stadion war groß (17.). Postwendend ebbte aber die gute Stimmung ab, als die Münchnerinnen, ebenfalls durch einen Standard, mit dem Treffer von Kathrin Hendrich egalisierten (19.). Chancen bot der erste Durchgang keine weiteren.

FC Bayern-Coach Thomas Wörle, der nach neun Jahren zum Saisonende hin in München aufhören wird, freute sich sehr über den Sieg gegen den Sportclub. "Wir haben vergangenes Jahr gegen Freiburg kein einziges Spiel gewonnen, wir haben uns vorgenommen als Sieger vom Platz zu gehen – wir wollten diese Rechnung, die wir offen hatten, begleichen. Das haben wir geschafft", sagte er nach der Partie. Zugegebenermaßen: Etwas Glück hatten die Bayern vor ihrem Lucky Punch in der Schlusssekunde durch die eingewechselte US-Amerikanerin Gina Lewandowski schon (93.). Schiedsrichterin Nadine Westerhoff hatte im zweiten Durchgang gleich zwei Mal zu Ungunsten des SC entschieden. Clara Schöne hatte nach Wiederanpfiff den Führungstreffer für die Gastgeberinnen geschossen – Westerhoff gab den Treffer wegen eines vermeintlichen Stürmerinnenfouls nicht. Wohl eine Fehlentscheidung. Auch beim Versuch von Klara Bühl (79.) hätte der Sportclub durchaus einen Strafstoß zugesprochen bekommen können; Von hinten war die 17-Jährige umgegrätscht worden, hatte aber versucht, weiter zu spielen. "Unsere Mannschaft hat das richtig gut gemacht, es ist unverdient, dass wir in der Schlusssekunde verloren haben", sagte SC-Managerin Birgit Bauer nach dem Spiel. "Es tut mir wahnsinnig Leid für die Mannschaft – schade."

Wohlwollenden Applaus spendete das Publikum nach dem Schlusspfiff; bei den Freiburgerinnen ist laut Scheuer nun erst einmal "Wunden lecken" angesagt. Viel Zeit bleibt dabei nicht: Bereits am Mittwoch gastiert der SC in Bremen, am Sonntag wird im Heimspiel die Rückrunde eröffnet – es wartet das Derby gegen Sand. Der Ortenauer Erstligist besiegte am Sonntag Werder Bremen vor 217 Zuschauern mit 2:0 (2:0). Die Tore für Sand erzielten Dina Blagojevic (33.) und Sylvia Arnold (37.). "Total glücklich" zeigte sich Trainer Sascha Glass – auch deshalb, weil sich die Ortenauerinnen mit dem Sieg weiter von der Abstiegszone entfernt haben.

Der SC spielte mit: Nuding – van Lunteren, Schöne, Knaak, Lahr – Gwinn, Minge, Naomoto (86. Hegenauer), Starke – Bühl, Beck (74. Lotzen).