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16. Oktober 2008 16:31 Uhr

Der Radsport in der Krise

ARD, ZDF und Deutschland-Tour – Radsport adieu

Keine öffentlich-rechtlichen Live-Bilder von der Tour de France, keine Deutschland-Tour: Für hart gesottene Radsportfans ist dieser Donnerstag ein schwarzer Tag. Für andere ist er eine logische Folge der jüngsten Dopingfälle.

  1. Foto: dpa

  2. Bernhard Kohl und Stefan Schumacher: Bei der Tour de France 2008 lachten sie noch. Foto: dpa

HAMBURG. ARD und ZDF haben nach den jüngsten Dopingfällen der Gerolsteiner-Radprofis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl die Reißleine gezogen und beenden die Live-Berichterstattung von der Tour de France.

"Der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle und der daraus gewonnenen Erkenntnisse erheblich reduziert. Damit ist auch der programmliche Wert stark gesunken", sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff nach einer Sitzung der Intendanten seiner Sendeanstalt in Köln. Das ZDF schloss sich – wie nicht anders erwartet – der Haltung an. "Wir werden die Tour nicht ohne die ARD übertragen", versicherte Chefredakteur Nikolaus Brender.

Über die rechtlichen Konsequenzen wollen ARD und ZDF mit der Europäischen Rundfunk Union (EBU) sprechen. Beide Sender wollen aber in Kurzberichten in ihren Nachrichten- und Sportsendungen weiter über die bedeutendste Radsport-Veranstaltung der Welt berichten. Der Sender Eurosport will dagegen auch weiter Live-Bilder von der "Großen Schleife" senden.

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Mit Kritik an der Entscheidung meldete sich – erwartungsgemäß – Ex-Profi Jan Ullrich zu Wort. "ARD und ZDF haben die fetten Jahre abgegrast. Jetzt, da der Radsport die Medien braucht, hören sie auf. Dabei wollen die Fans die Tour doch sehen", sagte der Tour-Sieger von 1997 der Bild-Zeitung (Freitagausgabe). Der gebürtige Rostocker hat Doping immer bestritten – glaubhaft wirkt das allerdings nie. Schließlich wurde er im Jahr 2002 wegen eines positiven Tests (amphetaminhaltiges Ecstasy) für sechs Monate gesperrt. Zudem wurden beim spanischen Doping-Arzt Fuentes gefundene Blutbeutel per DNA-Analyse Ullrich zugeordnet.

Als weitere Konsequenz aus der nicht abebbenden Doping-Welle wurde am Donnerstag die Deutschland-Tour für 2009 abgesagt. Zu diesem Schritt entschlossen sich die Gesellschafter der Deutschland-Tour GmbH, der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und die Upsolut Event GmbH. "Wir bedauern es, diese Entscheidung treffen zu müssen", sagte Kai Rapp, Geschäftsführer des Veranstalters. Aufgrund der aktuellen Entwicklung im Profi-Radsport sehe man sich aber nicht mehr in der Lage, die Veranstaltung erfolgreich zu vermarkten und damit zu finanzieren.

Unterdessen äußern auch Politiker immer lauter ihren Unmut. "Jetzt muss ein Stopp-Signal kommen. Irgendwann müssen wir Politiker die Schnauze voll haben", sagte der Stellvertretende Sportausschuss-Vorsitzende Peter Rauen (CDU). Der BDR signalisierte bereits Bereitschaft zur Kooperation, nachdem Politiker gefordert hatten, dem Verband die Mittel für 2009 zu sperren oder sogar zu streichen. "Der BDR wird selbstverständlich jede Frage beantworten und nutzt gerne die Gelegenheit, um mit sachdienlichen Informationen zu dienen", sagte Generalsekretär Martin Wolf. Verbandschef Rudolf Scharping soll am 12. November vor dem Sportausschuss des Bundestages zur Anti-Doping- Politik des BDR Stellung beziehen. Radprofi Linus Gerdemann warnte indes vor einer Streichung der Fördermittel, die "auch dem Nachwuchs auf die Füße fallen würde. Das wäre alles andere als sinnvoll."Der BDR erhält jährlich Steuergelder in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

Autor: dpa, bz