Kino

"Star Wars – Die letzten Jedi": Spannende Variation alter Themen

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Di, 12. Dezember 2017 um 18:13 Uhr

Kino

"Star Wars – Die letzten Jedi" ist der achte Teil der wohl berühmtesten Weltraumsaga und kommt am Donnerstag in die Kinos. Unser Autor hat den Film vorab gesehen.

Noch nie war die Rebellion so schlecht ausgestattet. Zwar war die Technik schon immer eher auf der dunklen Seite der Macht, und Han Solo musste praktisch ohne Pause an seinem Falcon herumschrauben, um ihn auf Lichtgeschwindigkeit zu bringen – aber so düster wie diesmal sah es bisher noch nie aus. Beim finalen Angriff baumelt gar der Fuß von Rebellenpilot Poe Dameron (Oscar Isaac) im Freien, weil die Karosserie seines Raumschiffs nicht hält. Nachdem die Armeen der Ersten Ordnung vor zwei Jahren eine neue Trilogie im "Star Wars"-Imperium eröffneten, lief es nicht schlecht für die Nachfolger Darth Vaders: Die Rebellen sind auf dem Rückzug, die Sternenzerstörer werden größer und böser, und der Schurke Snoke (Andy Serkis) macht mit seinem Schüler Kylo Ren (Adam Driver) Jagd auf die verbliebenen Rebellenschiffe.



"Star Wars – Die letzten Jedi" ist der inzwischen achte Teil der wohl berühmtesten Weltraumsaga. Sein Vorgänger wurde 2015 sehnlichst erwartet: Mit Mark Hamill, Harrison Ford und Carrie Fisher hatten die Helden der ersten Filme aus den 70er und 80er Jahren zugesagt, Luke Skywalker, Han Solo und Leia Organa hatten ihr Comeback. Allerdings ein eher kurzes: Han Solo wurde nach einigen Sticheleien mit Prinzessin Leia von ihrem gemeinsamen Sohn umgebracht, und von Luke Skywalker bekamen die Fans nur eine pathetische Einstellung zu sehen – und mussten sich seitdem gedulden.

Klar ist die Spannung jetzt groß, umso größer, als die drei Trailer zum Film Fährten legten und Mark Hamill in Interviews das seinige dazutat: Luke sei düster geworden, sinniere vom Ende der Jedi-Ritter. Dazu kommen ungeklärte Familienverhältnisse: Rey (Daisy Ridley), die Heldin des letzten Films, hat eine geheimnisvolle Verbindung zur Macht – ist sie mit Luke verwandt? Oder mit dem Bösewicht Ren?

Nach außen gedrungen ist vor dem Filmstart fast nichts. Nur dass der Millennium Falcon wieder eine Rolle spielen wird, verriet eine Aufnahme von Google Earth, die das Raumschiff versteckt zwischen Lkw-Anhängern zeigte. Ansonsten war die Geheimniskrämerei perfekt.

Überhaupt gewinnen Filme, wenn sie nicht meinen, alles erklären zu müssen. So hatte schon Episode VII es geschafft, einen Teil der Atmosphäre der Originalteile einzufangen, die die (neueren) Episoden I bis III verloren hatten. Hinzu kam die Patina der alten Filme und eine Geschichte, die nicht viel Unerwartetes brachte, eingefleischten Fans tausend Verweise auf die Vorgänger lieferte, sich bewährter Rezepte bediente und gleichzeitig für kommende Filme neue Figuren einführte. Daran knüpft "Die letzten Jedi" nahtlos an. Nahezu jede zweite Einstellung meint man schon aus den alten Teilen zu kennen.

Pompös, aber nicht technisch überdreht

Rey, die einem einsiedlerischen Luke Skywalker auf seiner abgelegenen Insel begegnet und von ihm zur Jedi-Ritterin ausgebildet werden will, erinnert nur zu sehr an den jungen Skywalker, der zu Meister Yoda kommt. Und der mürrische alte Skywalker ist von seiner neuen Schülerin ungefähr so begeistert wie es sein alter Meister damals von ihm war. Während auf der Insel über die Macht philosophiert wird, tobt am anderen Ende des Universums eine Schlacht nach der anderen.

Und auch das erinnert an die alten Teile: Die Rebellen schlagen sich gegen die technisierte Übermacht tapfer, schleichen sich mit Witz, Mut und dem Willen zum Guten in fremde Sternenzerstörer, suchen Schwachstellen und ärgern den bösen General Hux (Domhnall Gleeson als strebsamer Nachfolger Peter Cushings). Kylo Ren wird währenddessen durch Erschütterungen der Macht verwirrt und kommuniziert über Galaxien hinweg mit Rey, mit der er auf mysteriöse Weise verbunden ist.

Das klingt alles altbekannt, das sieht auch oft so aus, dennoch ist es alles andere als langweilig. Die Variationen auf ein altes Thema spielt Regisseur Rian Johnson virtuos. Die Weltraumschlachten sind pompös, ohne dabei technisch überdreht zu wirken, und – was wohl der größte Verdienst ist – die Erwartungen der Zuschauer werden immer wieder in die Irre geführt. Trotz der im Grunde bekannten Geschichte gibt es stets Überraschungen, nicht bediente Erwartungen und neue Entwicklungen. Und zwischendrin: Klamauk, seien es die pinguinartigen Porgs oder tiefgreifende Unterhaltungen mit dem zotteligen Chewbacca oder dem piepsenden R2-D2. Das ist manchmal durchaus witzig, manchmal aber auch übertrieben unernst.

Die Charaktere, die für die neue Trilogie eingeführt wurden, zeigen, dass sie in Zukunft den Film auch alleine tragen können. Die Soldatenbande aus Finn (John Boyega), Poe und Rose (Kelly Marie Tran) sorgt für Action, während Rey und Kylo Ren für die spirituelle Seite zuständig sind. Noch werden die beiden großartig von Mark Hamill alias Luke Skywalker begleitet, aber man ahnt schon, dass sie bald auch alleine zurechtkommen werden.

Leia als weise Anführerin

Die Rebellentruppe wird weise und gerecht von Prinzessin Leia angeführt. Sie sollte ursprünglich im kommenden Film eine noch größere Rolle spielen. Da aber Schauspielerin Carrie Fisher im vergangenen Jahr verstorben ist, werden sich die Star-Wars-Macher etwas anderes einfallen lassen müssen. "Die letzten Jedi" führt noch einmal mit aller Deutlichkeit vor Augen, wie groß der Verlust für die Star Wars-Reihe ist.

Wenigstens konnte Leia noch einiges weitergeben, wofür die Rebellion doch steht: Während alle die Zerstörung eines feindlichen Schiffes feiern, trauert sie den eigenen Verlusten nach. Das kämpferische Ungestüm des Piloten Poe kontert sie mit Besonnenheit. "Es gibt Dinge, die man nicht dadurch lösen kann, dass man einfach in einen X-Wing springt" – leider, möchte man sagen.

"Star Wars – Die letzten Jedi" (Regie: Rian Johnson) kommt am Donnerstag in die Kinos. (Ab 12 Jahren)