Der Name des Meisters wird zur Musik

Hans Jürgen Kugler

Von Hans Jürgen Kugler

Mi, 31. Juli 2013

Staufen

Das Ensemble Lyriarte widmet sich auf der Staufener Musikwoche der Familie Bach.

STAUFEN. "Bach und seine(n) Söhne(n)" hat sich das renommierte Ensemble Lyriarte im Rahmen der 65. Staufener Musikwoche in der Aula des Faust-Gymnasiums gewidmet. Zu Beginn stellten die Musiker um den Violinisten Rüdiger Lotter und der Cembalistin Olga Watts die Sonate für Flöte, Violine und Basso continuo B-Dur des ältesten Bach-Sohnes Wilhelm Friedemann vor. Im anmutigen, gefühlvollen Largo harmonierte der warme, sensible Ton der Traversflöte (Anni Laflamme) mit dem weichen, samtigen Violinenklang. Im tänzerisch phrasierten Allegro legte Olga Watts ein solides und feinnerviges Fundament auf dem Cembalo – übrigens ein echtes Staufener Original aus der Clavierwerkstatt von Christoph Kern.

Das Cello (Pavel Serbin) überschritt mit durchaus eigenständigen Linien die Rolle als reines Continuo-Instrument. Axel Wolf an der Theorbe ergänzte mit zart-prägnantem Spiel den ausgewogenen, fein austarierten Ensembleklang, der allerdings unter der unzureichenden Akustik der Aula sich nicht adäquat entfalten konnte – zumindest nicht bis in die hinteren Reihen.

In Johann Christian Bachs Sonate III für zwei Violinen und Basso continuo in Es-Dur führten die beiden Geiger (Rüdiger Lotter und Shunske Sato) einen innigen Dialog, der in gewissermaßen brüderlicher Einigkeit stellenweise unisono geführt wurde. Rhythmisch prägnant, ja geradezu rustikal folgte ein akzentuiertes Minuetto. In der Französischen Suite c-Moll BWV 813 von Johann Sebastian Bach überraschte die in den übrigen Sätzen flott aufspielende Olga Watts mit der wunderbar sanft und geschmeidig dargebotenen Sarabande, die die Cembalistin gefühlvoll auslotete.

Gegensätze ziehen sich nicht nur an, sondern können sich auch höchst harmonisch ergänzen – solche Überlegungen mögen Bachs dritten Sohn Carl Philipp Emanuel geleitet haben, als er die Triosonate a-Moll "Sanguineus und Melancholicusi" für zwei Violinen und Basso continuo schrieb. Zunächst jedoch will noch keine rechte Harmonie aufkommen. Dem allzu innigen, schwelgenden Geigenschmelz des Melancholikers (Rüdiger Lotter) fährt der Sanguiniker (Shunske Sato) temperamentvoll, zuweilen barsch, dazwischen. Doch man lernt aufeinander zu hören. Spätestens im Adagio ergänzen sich die so unterschiedlichen Charaktere aufs Schönste. Der Melancholicus übernimmt schließlich die Motivik des Sanguinikers und leitet den fulminanten Schlusssatz gar mit einem feurigen, ungarisch angehauchten Thema ein.

Mit einer weiteren Sonate für Flöte, Violine und Basso continuo, diesmal von Carl Philipp Emanuel, demonstrierten die Musiker den außerordentlich harmonischen Zusammenklang der beiden Soloinstrumente.

Wie sein Vater, widerstand auch Johann Christian Bach nicht der Versuchung, die Notenfolge B-A-C-H als Grundlage einer chromatischen Fuge zu verwenden. Olga Watts demonstrierte in den zahlreichen stufenweisen Intervallschritten, dass der Name des Meisters selbst schon Musik ist.

Eine eher ungewöhnliche Solosonate für Cello – eigentlich für eine Viola la Gamba – von Johann Christian Bach zeugte mit fast schon romantisch zu nennenden Ausdrucksformen und sprunghafter Melodik virtuos von einer neuen musikalischen Entwicklung.

Das Quintett Nr. 1 D-Dur dürfte eines der Paradestücke der seinerzeit beliebten "Bach-Abel-Concerts" gewesen sein, mit denen Johann Christian Bach in London über einen Zeitraum von 17 Jahren mit dem Gambenvirtuosen Carl-Friedrich Abel erfolgreich die ersten Abonnementskonzerte begründete. Charakteristisch die zarten Pizzicati von Violine und Cello und das anmutige Flötenspiel im sanft bewegenden Andantino.

Im Allegro Assai stürzten sich die Violinen in ein temperamentvolles Duell, und auch sonst ließen zahlreiche Soloeinlagen den Musikern viel Freiraum für ihr ausdrucksvolles Spiel. Ein glanzvoller Abschluss eines durch und durch harmonischen Konzertabends.