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28. November 2009
Ein justierbares Rathaus
Falls Hebungen länger anhalten sollten: Staufen untersucht Absicherung des Verwaltungsgebäudes
STAUFEN. Die umfassende statische Absicherung des historischen Rathauses gegen die Bodenhebungen kostet 3,1 Millionen Euro. Das nahm der Gemeinderat in seiner jüngsten öffentlichen Sitzung zur Kenntnis. Die Experten vom Karlsruher Büro für Baukonstruktionen gehen aber davon aus, dass eine solche Maßnahme nur nötig ist, sollten die jüngst angelaufenen Unternehmungen – Verpressen der Sondenschläuche und Abpumpen des Grundwassers – nicht erfolgreich sein.
Gewogen haben sie es nicht. Dennoch wissen die Fachleute inzwischen, was das Rathaus auf die Waage bringt: 3900 Tonnen. Sollte es zu einer Vollsanierung kommen, würde unter den bestehenden Keller des alten Gemäuers ein zweites Untergeschoss aus Stahlbeton kommen. "Wir würden dabei abschnittsweise vorgehen", sagte Markus Hauer vom Karlsruher Büro in der Gemeinderatssitzung, die in Wettelbrunn stattfand. Dieser neuerliche Keller hätte höhenjustierbare Auflagepunkte, die es zuließen, die auf das Gebäude einwirkenden Hebungen punktuell auszugleichen. "Technisch ist das machbar, aber die Kosten sind gigantisch", sagte Hauer. Der Keller wäre ihm zufolge auch nicht zu benutzen. Der Bauingenieur empfahl den Gemeinderäten, zunächst noch abzuwarten. Könnten die Hebungen bald gestoppt werden, sei das 3,1 Millionen Euro teure Projekt gar nicht mehr notwendig.Tatsächlich hatten Hauer und seine Mitarbeiter den Auftrag zur Ausarbeitung eines Sanierungskonzeptes für das Rathaus schon vor einem Jahr erhalten. Doch dann konzentrierte sich die Stadt auf die Erkundungsbohrung und die Entwicklung technischer Verfahren gegen die Hebungen selbst.Werbung
Die Stadtverwaltung verbreitete in der Gemeinderatssitzung bereits Optimismus. Die seit zwei Wochen andauernde Abdichtung der Erdwärmelöcher mit Zement zeitige die ersten Erfolge. "Der Zement bindet in der Tiefe gut ab, wir haben Grund zu zartem Optimismus", sagte Bürgermeister Michael Benitz. Auch das Abpumpen des Grundwassers sei erfolgreich. Benitz zufolge hat sich schon jetzt herausgestellt, dass das gesamte Sondenfeld über die Erkundungsbohrung erreicht werden kann. Die Bohrung eines zweiten Brunnens sei unnötig.
Dennoch gelte es, Pläne für Sanierungen in der Schublade liegen zu haben, sollten sie notwendig werden, weil die Hebungen "längerfristig" anhalten. Dazu gehört auch die Trennung des Rathauses vom Rathaus-Café, mit dem es sich noch eine Außenwand teilt. Diese Trennung ist mit 420 000 Euro vergleichsweise billig. Um Klarheit über die Struktur der gemeinsamen Wand von Rathaus und Rathaus-Café zu bekommen, beauftragte die Stadt jetzt ein Unternehmen mit einer Messung per Radar. Sie soll klären, welche Steine in der Wand stecken und ob Hohlräume vorkommen. Der Gemeinderat stimmte dem zu. Der Auftrag beläuft sich auf 6500 Euro.
Autor: Hans Christof Wagner
