Eine Heimat für demente Menschen

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Mi, 02. April 2014

Staufen

Im Rundacker II in Staufen soll eine "Ambulante Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz" entstehen.

STAUFEN. Best Ager – Menschen im besten Alter: Das ist die Generation 60 plus, die mit üppiger Rente, viel Zeit und in guter Gesundheit das Leben noch lange genießen will. Doch was kommt dann? In einer Gesellschaft, die immer älter wird, kann das Problem der Pflege und der Versorgung alter Menschen besonders die nachwachsende Generation vor große Probleme stellen. Sie sucht nach anderen Möglichkeiten, für die kranken Eltern oder den kranken Partner da zu sein. Es gibt viele spannende Alternativen – eine davon wächst gerade in Staufen heran.

Es wird wohl das bunteste Stadtviertel in Staufen werden: Im Rundacker II stehen Eigenheime neben Mehrfamilienhäusern, werden junge Familien und ältere Menschen gemeinsam leben. In der Mitte des Quartiers entsteht ein Projekt, das von vielen Menschen mit großem Interesse beobachtet wird: GenerationenWohnen nennt sich der Versuch, junge und alte Menschen unter einem Dach unterzubringen, die im lebendigen Austausch miteinander leben werden.

Und in eins dieser Häuser soll eine besondere Wohngemeinschaft (WG) einziehen. Sie trägt den Titel "Ambulante Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz". Senioren, deren geistige Fähigkeiten nachlassen, sollen hier zusammen wohnen und leben – nicht wie in einem Pflegeheim, sondern in einer selbstverantworteten gemeinschaftlichen Form. Vorgestellt wurde die WG von Waltraud Kannen, der Leiterin der Sozialstation Südlicher Breisgau. "Das Motto lautet auch für Menschen mit Demenz: Wohlfühlen zuhause – mit uns", sagte sie den etwa 20 Interessenten, die mehr über das neue Projekt wissen wollten.

In der Planung ist ein Bereich von etwa 380 Quadratmeter in Haus 4 des GenerationenWohnens. Hier sollen acht Einzelzimmer zu je 14 Quadratmeter und zwei Doppelzimmer angeboten werden, dazu ein großer Küchen- und Wohnbereich sowie ein 300 Quadratmeter großer Garten. Die Bewohner werden rund um die Uhr von einer ausgebildeten Pflegekraft und anderem Personal betreut; möglich ist es auch, dass die Bewohner der WG Besuch von Kindern oder Bekannten empfangen, die im Gebäude übernachten können. Außerdem hofft Waltraud Kannen, dass das Projekt ins Quartier ausstrahlt und sich auch Anwohner für ehrenamtliche Betreuung oder Besuche gewinnen lassen. Sie rechnet mit einem Preis von rund 965 000 Euro für die Wohnung und die Einrichtung; die Senioren werden rund neun Euro Miete pro Quadratmeter aufbringen müssen.

Für die Bewohner hat ein Zusammenleben in einer WG nur Vorteile, berichtete Waltraud Kannen, die ähnliche Projekte in der Umgebung besucht hat. Sehr schnell seien positive Effekte zu spüren: Beruhigungsmittel könnten weggelassen werden, aggressives Verhalten gehe zurück, die Menschen mit Demenzerkrankung spürten, dass es ihnen in diesem Umfeld besser gehe. Ihnen werde natürlich ein geschützter Rahmen geboten, sagte sie weiter; dennoch werde man die Menschen nicht einschließen, und man werde darauf achten, dass sie sich vor allem im geschützten Garten frei bewegen können.

Ein sehr ambitioniertes Projekt, das aber nicht ohne Unterstützung wachsen kann: Die WG ist Teil des kommerziellen Projekts GenerationenWohnen der Firma gebawo in Freiburg. Jürgen Feldmaier stellte den Anwesenden den derzeitigen Stand der Bauarbeiten vor: Demnach war von vornherein ein Grundstück von 4357 Quadratmetern für dieses Vorhaben vorgesehen. Hier sollen vier Häuser in unterschiedlicher Höhe entstehen, mit Wohnungen zwischen 66 und 135 Quadratmeter. Inzwischen haben sich 14 Interessenten gefunden, die das Grundstück gekauft haben; nach zweijähriger Bauzeit will die Firma Ende 2016 die ersten Wohnungen für Mieter und Eigentümer bereitstellen. Das Projekt für Menschen mit Demenz ist in dieses Vorhaben integriert - allein: hier fehlt noch ein Investor oder eine Gruppe, der die knappe Million Euro zahlt und so das Projekt anschiebt. An Interessenten habe es nicht gefehlt - aber noch sei niemand bereit konkret gewesen, die hohe Summe aufzubringen, sagte Feldmaier. Er versprach eine Rendite von drei Prozent und keine Sorgen um Nachmieter: Die Sozialstation werde für die Belegung der WG sorgen.

Info: Am 5. April um 14.30 Uhr lädt die Firma gewoba zu einem Bauplatztreffen im neuen Baugebiet an der Wettelbrunner Straße ein.