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29. Oktober 2011
Eine neue Basis gelegt
Bündnis 90/Die Grünen gründen Ortsverband für Staufen und Münstertal.
STAUFEN/MÜNSTERTAL. Die Grünen in Staufen und Münstertal sind eine Partei fast ohne Basis, aber mit immer mehr Wählerstimmen von Wahl zu Wahl; sie sind eine Partei mit viel Vertrauensvorsprung, aber ohne Strukturen vor Ort. Und die rührigen Kommunalpolitiker, die in Staufen grüne Politik machen, sind in einer unabhängigen Umweltliste organisiert. Das sollte so nicht weitergehen: Und so wurde am Donnerstag ein Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen – Staufen/Münstertal gegründet.
Nicht zum ersten Mal. Denn Anfang der 80er Jahre, als die Partei und ihre Mitglieder noch jung waren, saß sogar eine grüne Vertreterin im Gemeinderat. Doch ein ominöser Streit um die Rechte des Ortsverbands in der Partei führte zur Auflösung – grüne Politik wird in Staufen seit 1989 von der ULS gemacht, der Umweltliste Staufen, die zurzeit mit vier Vertretern im Gemeinderat sitzt.In Münstertal blüht das grüne Pflänzchen noch mehr im Verborgenen – vor allem in der Agenda-Gruppe. Gerade mal sieben Einwohner der Gemeinde haben ein grünes Parteibuch in der Tasche. Doch über 700 Wähler und damit rund ein Viertel der Wahlberechtigten gaben bei der Landtagswahl den Grünen in Münstertal ihre Stimme – in Staufen waren es knapp 1500 Stimmen, fast 35 Prozent.
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Aber Wähler sind wankelmütig und müssen bei der Stange gehalten werden – zum Beispiel jetzt einen knappen Monat vor der schwierigen Volksabstimmung über Stuttgart 21. Diese Abstimmung soll zur ersten Bewährungsprobe werden für den neu gewählten Vorstand des Ortsvereins. Doch der musste erst einmal gewählt werden, und das nahm am Donnerstagabend einige Zeit in Anspruch. Denn weil bei den Grünen alles paritätisch läuft, mussten nicht nur drei Frauen und drei Männer gefunden werden, sondern auch noch je drei Einwohner aus den beiden beteiligten Gemeinden.
Das stellte sich im Fall von Münstertal als recht schwierig heraus, trotz der intensiven Vorbereitung durch Thomas Wiesler und Elmar Bernauer. Die beiden hatten zur Gründungsversammlung eingeladen, zu der rund 35 Interessierte kamen – aber bis zur Abstimmung keine zweite Frau aus Münstertal gefunden. So wurde neben Thomas Wiesler und Gabriele Hennicke zunächst die ehemalige Staufener Stadträtin Elisabeth Battke in den Vorstand gewählt – sie will zurücktreten, sobald sich eine Frau aus Münstertal zur Kandidatur bereit erklärt. Als Staufener Vertreter sitzen Carola Block, Heiko Nunnenmacher und Elmar Bernauer im Ortsvorstand. Komplettiert wird er durch das siebte Mitglied, den 25-jährigen Studenten Eddi Berger aus Wettelbrunn – er senkt den Altersdurchschnitt und soll zeigen, dass bei den Grünen auch junge Menschen mitarbeiten – ein wichtiges Signal angesichts der aufstrebenden Piraten-Partei.
Das größte Problem, das sich dem neu gewählten Gremium und der Partei stellt, ist jedoch ganz offensichtlich das Verhältnis zur ULS. Mit Carola Block hat die Liste eine Vertreterin im Ortsvorstand der Grünen. "Das war uns ganz wichtig", betonte ULS-Sprecher Ulrich Wüst. Das Verhältnis zwischen seiner Liste und den Grünen sei "lange und kontrovers diskutiert worden", gab er zu – schließlich habe sich die Haltung durchgesetzt, dass man froh sei über den neuen Ortsverband der Grünen. Aber Ulrich Wüst stellte auch klar die Grenzen dar: Die ULS werde auf kommunalpolitischer Ebene ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzen; die Grünen erlaubten "einen Blick über den Tellerrand auf Themen, deren Verbreitung die ULS allein nicht leisten kann". So sei der Ortsverband nicht Konkurrenz, sondern Ergänzung. "Aber es wäre töricht, den Namen ULS zu tilgen", betonte er.
Die Gegenseite blieb zu diesem Thema stumm – es besteht offenbar noch Diskussionsbedarf. Mehrere Anwesende mahnten eine schnelle Klärung der Frage an, wie sich das Verhältnis der beiden Gruppen entwickeln wird – um Missverständnisse zu vermeiden. Weitere inhaltliche Fragen soll eine Mitgliederversammlung der Grünen diskutieren – doch zuerst einmal sind alle Kräfte gefordert für den Kampf um Stimmen gegen "Stuttgart 21".
Autor: Rainer Ruther
