"Jugendzentrum für ältere Menschen"

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Mi, 18. April 2018

Staufen

Festakt zur Einweihung des Alten Spitals in Staufen, das als Beispiel für die Versorgung alter und kranker Menschen gilt.

STAUFEN. "Früher mag vieles besser gewesen sein – nur das Bauen war nicht besser." Helmut Bühler ist der Architekt der Sanierung des Alten Spitals, und er muss es wissen. Niemand sonst kennt das Haus so gut wie er, das alte wie das neue. Schon als Junge, so erinnerte er sich beim Festakt zur Einweihung am Freitag, sei es eine Mutprobe gewesen, hinten am Haus vorbeizulaufen – so heruntergekommen sei das ehemals stolze Haus gewesen. Nach der Sanierung erstrahlt es in neuem Glanz.

Dank der Arbeit vieler, dank auch der über 300 000 Euro von vielen großen und kleinen Privatspendern, dank der Zuschüsse vom Land in Höhe von einer Million Euro und dem großen Rest von 1,2 Millionen Euro aus der Stadtkasse steht das alte Haus nun wieder stolz in Staufens Altstadt. Aus dem Heim für "vermögende Stadtbürger, arme Stadtbürger und auswärtige Bettler" ist eine hochmoderne Einrichtung der Tagespflege für pflegebedürftige Menschen geworden.

Staufens Bürgermeister Michael Benitz zeichnete in einer kurzen Chronologie die Geschichte des Hauses nach: die Stiftung 1534, belegt durch eine Urkunde, und der "Neubau" des Spitals 1581, der Weg vom Heim für diejenigen, "die unfähig waren, ihr Brot zu verdienen oder zu betteln" (so die damaligen Aufnahmeregeln) bis zu dem heruntergekommenen Gebäude der 1960er-Jahre. Von der Grundsatzentscheidung zur Sanierung 2013 bis zur Einweihung vergingen fünf Jahre, in denen das Haus von Grund auf, von den Fundamenten bis zum Dach, neu gebaut wurde und das nun in Baden-Württemberg als Leuchtturmprojekt für die Versorgung alter und kranker Menschen gilt.

"Immer noch werden 70 Prozent der pflegebedürftigen Menschen Zuhause versorgt", darauf wies Bärbl Mielich hin. Die Staatssekretärin im Sozialministerium lobte das Alte Spital als eine Einrichtung, die den pflegenden Familien wenigstens zeitweise eine Entlastung bringen werde. Das sanierte Haus habe noch mehr Flair und Atmosphäre bekommen, und es müsse zum Vorbild werden für viele Gemeinden, die dieses Beispiel aufnehmen und daraus lernen könnten. Und Waltraud Kannen sei "bekannt für gute Ideen, gute Projekte – und dass sie gelingen." Die Leiterin der Sozialstation Südlicher Breisgau, die das Haus von der Stadt Staufen gepachtet hat, berichtete in ihrem Grußwort, dass auch sie das Alte Spital früh kennengelernt hatte. Als junge Krankenschwester habe sie hier Menschen behandelt, sagte sie. Heute sehe sie nun das "verrückte Projekt", wie sie es nannte, vollendet dastehen, und sie sei stolz und glücklich, dass für alte und behinderte Menschen so viele neue technische Wege gefunden werden, die ihnen das Leben erleichtern. Im Mittelpunkt aber stünden immer die Menschen: die Gäste des Hauses, die Pflegekräfte, die sie versorgen, und die Ehrenamtlichen, die auf vielerlei Weise die Arbeit unterstützen. Für diese Ehrenamtlichen erhielt Waltraud Kannen von der Bürgerstiftung einen Scheck über 3000 Euro.

Ein Satz aus der Rede von Helmut Bühler bleibt besonders im Gedächtnis. Was denn da gebaut werde, sei er des Öfteren von Staufen-Besuchern gefragt worden, sagte er. Und weil es zu kompliziert gewesen sei, immer alles genau zu erklären, habe er den Begriff erfunden: "Wir bauen hier ein Jugendzentrum für ältere Menschen." Mit dem Segen der Kirche versehen können jetzt ein paar weitere Jahrhunderte gute Werke getan werden.