Leserbriefe

Dr. Jürgen Braun

Von Dr. Jürgen Braun (Staufen)

Sa, 08. September 2018

Staufen

UMFAHRUNG STAUFEN

Die Straße ist kein Grund zur Freude
Zu den begonnenen Bauarbeiten für die Umfahrung von Staufen hat uns folgender Leserbrief erreicht.

Seit kurzem begrüßt den Autofahrer kurz vor dem Staufener Ortsschild eine persönliche Mitteilung des Landes Baden-Württemberg: "Wir bauen für Sie." Unklar ist, wer mit dieser "Frohen Botschaft" angesprochen wird. Die Staufener Bürger; die Autofahrer, die hier regelmäßig unterwegs sind; Verkehrsteilnehmer, die gerade zufällig vorbei kommen?

Jedenfalls sollen offenkundig alle, die sich angesprochen fühlen, in freudige Erwartung einer neuen Straße, nämlich der OU (Ortsumfahrung) Staufen, versetzt werden. Ich fühle mich nicht angesprochen und freue mich nicht. Vielmehr löst bei mir dieser persönliche Ton "Wir bauen für Sie" die Reaktion aus: "Ich persönlich habe keinerlei Vorteil von der geplanten neuen Straße." Wenn man unter den Staufener Bürgern eine Umfrage durchführen würde: "Sehen Sie für sich persönlich einen Nutzen in der geplanten Umfahrung?", so würde – davon bin ich überzeugt – nur eine Minderheit mit "Ja" antworten. Und auch für die Mehrzahl der übrigen Verkehrsteilnehmer, die die neue Straße im Durchgangsverkehr mit ihrem Auto befahren werden, ist der Nutzen minimal. Die Zeitersparnis jedenfalls ist nicht der Rede wert und wird mit einem erhöhten Unfallrisiko bezahlt.

Nichtsdestotrotz soll nun jedermann der Aufforderung sich zu freuen nachkommen, die indirekt in dem "Wir bauen für Sie" enthalten ist. Oder was soll anderes damit bezweckt werden? Eine neue Straße wird gebaut, und Sie alle können bald mit Ihrem Auto mit Tempo 100 um Staufen herumbrausen! Welch unbändiges Glücksgefühl wartet da auf Sie! Oder gehören Sie etwa zu den ewigen Nörglern, die darüber klagen, dass wieder ein Stück Natur zubetoniert wird und für Spaziergänger und Wanderer ein schönes Landschaftsbild zerstört wird? Oder kommen Sie gar aus Münstertal, dessen Einwohner die zu erwartende erhöhte Verkehrsflut nun in der engen Ortsdurchfahrt ertragen müssen? Die Landesregierung oder wer immer für die Aufstellung des unseligen Schildes verantwortlich ist, sollte deshalb dafür sorgen, dass dieses umgehend wieder entfernt wird.
Dr. Jürgen Braun, Staufen