Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
01. Juli 2009 17:07 Uhr
Professor Ingo Sass zu den Hebungen in Staufen
"Man hätte verrohrt bohren müssen"
Seine Überlegungen und Deutungen zu den Hebungsrissen in Staufen fasste Professor Ingo Sass von der Uni Darmstadt in einem Vortrag vor Freiburger Studenten zusammen. Auch viele Staufener Bürger saßen im Hörsaal.
STAUFEN/FREIBURG. Sein Name wird in Staufen von manchen nicht so gerne gehört. Er gilt als Besserwisser, weil er in Medien immer wieder Kommentare zu den Rissen abgibt: Professor Ingo Sass von der Technischen Uni Darmstadt. Jetzt hielt Sass an der Uni Freiburg einen Vortrag darüber. Und es gab sogar Lob.
"So voll war der Hörsaal ja noch nie", meinte ein Student der Geowissenschaften, an deren Institut der Vortrag stattfand. Neben Studierenden saßen auch viele Staufener im Saal, aber kein offizieller Vertreter der Stadt. Sass’ These: Alle Verantwortlichen wussten im Vorfeld der Bohrung im Sommer 2007 von den besonderen und problematischen geologischen Verhältnissen im Untergrund von Staufen.Erkundungsbohrung liefert keine neuen Erkenntnisse über die Struktur des Staufener
Untergrunds."
Professor Ingo Sass in seinem Vortrag
Werbung
Der Professor lobte die Entscheidung, das sanierte Rathaus mit Hilfe von Erdwärme heizen und zugleich kühlen zu wollen, als modern und zukunftweisend. "Die Stadt hat alles richtig gemacht." Das Bohrverfahren habe zwar dem Stand der Technik entsprochen, sei für Staufen aber ungeeignet gewesen. "Man hätte von Anfang verrohrt bohren müssen, so wie jetzt bei der Erkundungsbohrung, dann hätte man den Kontakt zwischen Grundwasser und Gipskeuper sehr stark reduziert bis ganz vermieden", erklärte Sass.
Ihm zufolge sind noch viele Fragen offen: Warum wurde das Vorhaben weiterverfolgt, nachdem die Arbeiter schon beim ersten Bohrloch in 32 Meter Tiefe auf so genanntes artesisch gespanntes Grundwasser gestoßen waren? Warum wurde zu dem Zeitpunkt nicht entschieden, das Projekt zu begraben. Welche Beteiligten drängten auf Fortführung? Wer hielt das für technisch in den Griff zu bekommen? Sass ist der Ansicht, dass die Bohrung nach dem Fund des Grundwassers hätte gestoppt werden müssen. Das nur 32 Meter tiefe Bohrloch hätte man leicht wieder verfüllen können. Aber der Fund des Artesers habe zu keinem Wandel geführt. "Darüber muss ich mich sehr wundern", so der Referent.
Professor Ingo Sass zur Besetzung der Staufener Expertenrunde
Der Darmstädter Professor kritisierte die Zusammensetzung der Staufener Expertenrunde. Viele darin seien mit dem ursprünglichen Erdwärmeprojekt zu sehr verstrickt, sei es als beratendes Büro oder als staatliche Genehmigungsbehörde. "Da gehört unabhängiger Sachverstand hinein", so Sass. Ob er sich selbst damit meinte? Auf das persönliche Verhältnis zu Staufens Bürgermeister Michael Benitz angesprochen, meinte er: "Ich verstehe seine kritische Haltung mir gegenüber nicht. Ich bin kein Feind der Stadt."
Autor: Hans Christof Wagner
