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22. Juni 2010

Maulesel-Galopp auf zwei Flügeln

"Karneval der Tiere" vereinigt auf der Bühne des Faust-Gymnasiums ein überaus buntes, verspieltes und vielstimmiges Völkchen.

  1. Schülerinnen und Schüler des Faust-Gymnasiums Staufen beim „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns. Foto: Hans Jürgen Kugler

  2. Schülerinnen und Schüler des Faust-Gymnasiums Staufen beim „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns. Foto: Hans Jürgen Kugler

STAUFEN. Löwe, Hühner, Hähne, Maulesel, Schildkröten, Elefant, Känguruhs, ein ganzes Aquarium voller Fische, Korallen und Seeanemonen, Esel, Kuckuck, Vögel aller Arten, ein Schwan und sogar Fossilien sowie Mensch und Menschin – ein überaus buntes, verspieltes und vielstimmiges Völkchen hatte sich da am vergangenen Wochenende beim Familienkonzert zum "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saëns eingefunden. Kerstin Bögner, Dirigentin und Dompteuse in einer Person, ruft unter stimmkräftiger Unterstützung des zahlreich erschienenen Publikums die Musikerinnen und Musiker, schön nach Instrumentengruppen geordnet, in die Aula des Faust-Gymnasiums, La-Ola-Wellen inklusive.

Mit einem wahrhaft königlich-erhabenen Marsch betritt dann der Löwe die Bühne, wünscht einen schönen Abend und vergisst auch Menschin und Mensch (Jasmin und Eberhard Busch von Auerbachs Kellertheater) als "verehrte Vertreter ihrer ach so hoch stehenden Gattung" nicht in seiner Einladung zu begrüßen.

Unter wildem Gezeter der Streicher, Klaviere und der Klarinette folgt eine Schar pickender, streitbarer Hühner und Hähne, ehe Gerrit Burkhart und Leander Baar in rasanten Läufen den Maulesel-Galopp auf den beiden Flügeln vorstellen.

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Als das "älteste ,hysterische', äh: ,lyrische' Tanzensemble mit zusammen 13 750 Jahren" kündigt Mensch Busch den Auftritt der Schildkröten an, die den wohl langsamsten Can-Can aller Zeiten auf die Bühne bringen – Jacques Offenbach hätte sich sicherlich im Grabe umgedreht, wäre er nicht umgehend mit einer deutlich flotteren Variante wieder versöhnt worden.

Schwer, behäbig und unbeholfen trampelt dann der Elefant im Allegretto pomposo in den Saal, den Benedikt Schröder auf dem Kontrabass gekonnt bis in die tiefsten Lagen präsentiert und dessen Thema später harmonisch vom Posaunenensemble übernommen wird.

Mit grotesken Sprüngen auf der Klaviatur hüpfen die Kängurus herein – "unsere Antipoden aus Australien, das bekanntlich genau unter uns liegt", wie der Mensch kommentiert.

Selbst ein komplett ausgestattetes Aquarium füllt die Bühne, Fische flitzen umher und Seeanemonen wiegen im impressionistischen Farbenspiel der Korallen von der Empore herab ihre Tentakel im Spiel der Wellen.

In den Streichern lassen derweil "Persönlichkeiten mit langen Ohren" unverkennbar ihr langgezogenes "i-aah!" vernehmen. Ebenso wie der Kuckuck "aus der Tiefe des Waldes", dem in der "Volière" ein ganzer Vogelchor mit streicherflirrenden Kolibris und den schnellen Trillerketten von so exotischen Vögeln wie Pikkolo- und Querflöte (Verena Wetzel und Anna Galow) antworten. Zwischendurch erlauben sich auch die Vertreter der menschlichen Gattung einen Gastauftritt auf dem Klavier und klimpern unbeholfen ein paar Tonleitern, bevor die eigentlichen Pianisten wieder in die Tasten greifen.

Xylophon (Tobias Reinhold), Klarinette (Valentin Burgert), Klaviere und Streicher legen einen flotten Fossilientanz hin und erwecken mit Melodiefetzen von Rossini bis Mozart die alten Knochen virtuos wieder zum Leben.

Und dann tritt er endlich auf, der von der Menschin so ungeduldig erwartete Schwan – dessen graziösen Tanz zum Cello (Malin Siemers) diese dann auch noch verpasst, weil just zu diesem Zeitpunkt sie drängenderen Bedürfnissen Folge leisten musste.

Mit Kurzauftritten aller beteiligten Tiere versammelt sich im Finale noch einmal die prächtige Menagerie, was "Mensch" Eberhard Busch zu der Feststellung nötigt: "Vielleicht sind all die Tiere hier ja die phantasievolleren Menschen." Was ganz bestimmt auch für die über hundert jungen Musikerinnen und Musiker des Faust-Sinfonie-Orchesters und der Musikklassen 5c und 6c des Faust-Gymnasiums gilt, ebenso wie für die zahlreichen beteiligten Eltern und Lehrer.

Autor: Hans Jürgen Kugler