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27. Juni 2011 01:28 Uhr
Risse-Krise in Staufen
Risse-Krise: Erdhebungen haben sich verlangsamt
Enden 2012 die Erdhebungen, die das Risse-Desaster in Staufen ausgelöst haben? Darauf hofft die gebeutelte Stadt – nur: Mit Gewissheit sagen kann das niemand. Immerhin: Die Hebebewegung hat sich weiter verlangsamt.
Die Geschwindigkeit, mit der sich der Boden unter der Altstadt hebt, hat sich deutlich verlangsamt. Bezogen auf das gesamte betroffene Gebiet hat sich der Hebungsprozess um 60 Prozent abgeschwächt. Das ist die gute Nachricht, die Staufens Bürgermeister Michael Benitz, am Mittwoch der Presse verkünden konnte. Dennoch: Weiterhin hebt sich der Untergrund, weiterhin wird Grundwasser abgepumpt, weiterhin steht die Staufener Innenstadt unter Beobachtung – und weiterhin will man fleißig Geld sammeln.
In der Spitze sind es nun fünf bis sechs Millimeter monatlich, mit denen sich der Boden unter der Fauststadt hebt – allerdings "nur noch an sehr wenigen Stellen", wie Benitz betont. Grafiken, die auf Grundlage der Höhenmessungen des Landratsamtes erstellt wurden, zeigen auch dem Laien deutlich, wie sich das Hebungsphänomen sowohl bei der Bewegung nach oben als auch bei der Ausdehnung in der Fläche abschwächt.
Erstmals konnten die Experten in den Randbereichen sogar minimale Senkungen des Bodens von ein bis zwei Millimetern feststellen. Doch Benitz gibt diesbezüglich gleich Entwarnung: Die Experten seien sich einig, so der Bürgermeister, dass diese Senkungen nichts mit Staufens sehr speziellen Erdbewegungen zu tun hätten, sondern aufgrund der langen Trockenperiode ein ganz natürlich zu erklärendes Phänomen seien.
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Könnten bis 2012 die Hebungen vollends zum Stillstand gekommen sein? Das hoffen die Experten zwar, doch bewege man sich mit dieser Prognose derzeit noch eher im Bereich der Hellseherei denn der exakten Wissenschaft, betonte Michael Benitz. Sicherer ist man sich bei der Bedeutung der beiden Brunnen, die unablässig Wasser aus der Tiefe holen und damit ein weiteres Aufquellen des Untergrunds verhindern sollen. 2,15 Liter pro Sekunde sind es bei der einen Brunnenbohrung, 3,8 Liter pro Sekunde gar bei der zweiten. Ein Stromausfall in Folge des heftigen Gewitters am 16. Juni hatte die beiden Pumpen für zwei Stunden außer Betrieb gesetzt – ohne gravierende Folgen, wie Benitz versicherte. Allerdings habe dieser Zwischenfall die Notwendigkeit eines Notstromaggregats noch einmal vor Augen geführt, das nun auch eilends angeschafft werden soll.
Interaktive Karte: Risse in Staufen
Die Zahl der geschädigten Gebäude, 262 insgesamt, ist unverändert geblieben, auch scheinen derzeit keine größeren Sicherungsmaßnahmen notwendig. Ebenso halten die Experten das Gasnetz derzeit für ausreichend gesichert.
Derweil konzentrieren sich die Anstrengungen der Verantwortlichen auf das Einsammeln von Spendengeldern. Zwar geht Bürgermeister Benitz davon aus, dass die weitreichenden Finanzhilfen, die noch von der alten Landesregierung zugesagt wurden, auch von der neuen nicht in Frage gestellt werden – auch wenn es bis dato diesbezüglich noch keine offiziellen Verlautbarungen gibt. Doch bleiben immer noch beträchtliche Summen, die aus anderen Quellen requiriert werden sollen.
Dreh- und Angelpunkt dabei ist die Stiftung zur Erhaltung der historischen Altstadt Staufen. Zu deren Gunsten hat die Benefiz-Kunstauktion am 29. Mai rund 46 000 Euro erlösen können. Etwa die Hälfte der angebotenen Exponate, 90 an der Zahl, konnten nicht verkauft werden; was Kunstliebhabern die Möglichkeit gibt, auch nachträglich noch das eine oder andere Stück erwerben zu können. Benitz trat Gerüchten entgegen, man habe sich von der Auktion mehr erwartet. "Wir hatten ehrlich gesagt gar keine Erwartungen", so der Bürgermeister, "schließlich haben wir so etwas ja zum ersten Mal gemacht." Im Nachhinein, betonte Benitz, sei man durchaus zufrieden.
Weniger zufrieden, das gab der Bürgermeister offen zu, sei man mit dem Verkauf der Staufen-Krüge – unter anderem weil der Aufbau eines Vertriebsnetzes dafür sehr mühsam sei. Besser laufen offenbar die Sonderbriefmarken, und noch vor der Sommerpause soll ein weiteres Benefizprodukt im Kampf gegen die Risse auf den Markt kommen: Eine laut Benitz "sehr trendig gestaltete" Tasche – zum Preis von vermutlich unter 40 Euro.
Mehr und mehr ins Rollen kommt nun auch die Testimonial-Kampagne mit Prominenten wie Gerhard Schröder, Ulrich Wickert und Frank Elstner, die vor allem überregional noch einmal für Staufen trommeln soll. Damit verquickt wird eine Spendenaktion per SMS – jeweils fünf Euro können Spendenwillige über diesen Weg unkompliziert der Staufenstiftung zukommen lassen.
Wann auch immer der Tag kommen wird, an dem man die endgültige Sanierung der Risseschäden in Angriff nehmen kann – nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch und juristisch möchte man dann gewappnet sein. Hinter den Kulissen, ließ Benitz wissen, mache man sich bereits Gedanken über eine zweite Schlichtungsordnung: "Wir wollen uns ernsthaft vorbereiten auf die endgültige Schadensabwicklung."
- Hintergrund: 50 Millionen – wer soll das bezahlen?
- Rückblick: Risse in Staufen breiten sich weiter aus
- Homepage der Staufen-Stiftung
Autor: Alexander Huber
