Rundum gelungene Tango-Tage

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Di, 30. Mai 2017

Staufen

Faust-Gymnasium Staufen und Jugendmusikschule Südlicher Breisgau kooperierten mit dem Tango- und Bandoneonmuseum.

STAUFEN. 180 Schüler aller Klassenstufen haben am Faust-Gymnasium in Staufen den Tango entdeckt. Egal ob in den Proben der Musikklassen der Unterstufe, der Vorband, des Unterstufen-Chors, des Faust-Chors, des Streicherensembles oder der Faustband. Dank der Zusammenarbeit des Gymnasiums und der Jugendmusikschule Südlicher Breisgau mit dem Tango- und Bandoneonmuseum und der Gruppe El Piropo aus Barcelona erklangen an der Schule in den vergangenen Wochen vor allem Tangoklänge. Das Ergebnis: ein gelungenes Abschlusskonzert voller Tango.

Seit 10 Jahren gibt es die Musikklassen am Faust-Gymnasium, in denen das Musizieren im Klassenverband eine besonders wichtige Rolle spielt und jedes Kind in Zusammenarbeit mit der Jugendmusikschule ein Instrument lernt. Grund genug für Gabriele Stannat-Deißler, die Leiterin des Fachbereichs Musik am Faust-Gymnasium, dieses Jubiläum mit einem Tango-Projekt zu begehen. Über Joachim Baar, den Vorsitzenden des Trägervereins des Tango- und Bandoneonmuseums und Leiter der Jugendmusikschule, entstand Kontakt zu den Tangomusikern von El Piropo aus Barcelona mit der deutschen Bandoneonspielerin und Tangotänzerin Almut Wellmann, die für die vier Tango-Tage nach Staufen kamen.



Bandoneon und erste Tangoschritte

Die Tango-Tage starteten mit einem Familienkonzert, bei dem das Sextett El Piropo nicht nur Tango-Musik spielte und argentinischen Tango tanzte, sondern auch die Geschichte des wichtigsten Instruments, des Bandoneons, vorstellte. Das Bandoneon wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland erfunden, es ist nach dem Krefelder Heinrich Band benannt. Durch Auswanderer kam das Instrument Anfang des 20. Jahrhunderts nach Südamerika. Aus der dortigen Volksmusik und den Einflüssen der Musik der Einwanderer entwickelte sich der Tango, der von Argentinien aus die Welt eroberte. Im Tango- und Bandoneonmuseum hatten die Schüler Führungen, erhielten von Almut Wellmann eine Einführung ins Bandoneonspielen und lernten erste Tangoschritte.

Workshops, Milonga und Konzert
In einem ganztägigen Workshop übten die Profi-Musiker anschließend mit den Schülerinnen und Schülern aller Chöre, Orchester und Bands die Stücke für das große Abschlusskonzert und verliehen ihnen den letzten Tango-Schliff. Sehr gut besucht war auch die Milonga, ein Tango-Tanzabend mit Live-Musik, zu der Tangotänzer aus der ganzen Region, aber auch aus der Schweiz und dem Elsass kamen.

Seit Januar probten die Musikklassen der Klassenstufen 5 bis 7 für das Konzert. Mit "Libertango" von Astor Piazzolla und "Adios Muchachos" begleitet von Almut Wellmann am Bandoneon erklangen Klassiker der Tango-Musik. Erstaunlich, wie viel die jungen Musiker bereits gelernt haben, die Fünftklässler in den roten T-Shirts spielen erst seit dem vergangenen Herbst ihr Instrument. Selbst an kurze Solos wagten sie sich schon heran. "Ich war wirklich überrascht, dass es gelang, den Tango in die Musik der 5. Klassen zu bekommen", so Almut Wellmann anschließend. Auch Unterstufenchor und Vorband hatten nicht nur bereits das Tango-Feeling und den Rhythmus entwickelt, auch Tango-Schritte hatten die Sängerinnen schon im Repertoire. Mit "Life is a Tango" und "Oblivion", begleitet von El Piropo und dem neuen Streicherensemble von Charlotte Mercier, und weiteren Songs präsentierte sich der Faustchor der älteren Schüler bestens aufgelegt.

Kleine und große Abschiede
Chorleiterin Stannat-Deißler musste anschließend 20 Abiturienten verabschieden, die als kleinen Dank ein Rhythmus-Ei bekamen. Und dann stand noch ihr eigener Abschied an. Nach zwölf Jahren gibt sie die Leitung des Faustchores ab. Schulleiter Hans-Joachim Kraus lobte ihr großes Engagement und das ihrer Kollegen im Fachbereich Musik. Dann wurde es laut und fetzig: Die Faustband mit neun Saxophonen, sieben Trompeten, vielen weiteren Bläsern, Rhythmusgruppe und zwei Bässen wartete mit Bigband-Sound auf und zeigte, was sie drauf hat. Höhepunkt des dreistündigen Abends schließlich "Corazon de oro" arrangiert von Gaspar Müller von El Piropo für 180 Musiker und Sänger. Großer Applaus.

Zufriedenes Fazit
Joachim Baar zeigte sich sehr zufrieden und voll des Lobes mit den Ergebnissen des Tango-Projekts. "Musik eignet sich besonders, Verbindung zu anderen Kulturen zu schaffen und Grenzen zu überwinden", sagt er, "und das ist in einer Zeit, in der viele ihre Identität leider in Abgrenzung suchen, besonders wichtig."