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18. Juni 2010

Schlichtungsstelle startet noch vor der Sommerpause

Bürgermeister Benitz: Von einem Abklingen der Hebungen kann noch keine Rede sein / Fundraising-Kampagne geplant.

  1. Foto: ZEICHNUNG: Bert Kohl

STAUFEN. "Die Richtung stimmt, das Tempo nicht". So umschrieb gestern Bürgermeister Michael Benitz die Situation in Staufen. Zwar hebt sich der Untergrund in der Stadt um durchschnittlich 14 Prozent langsamer gegenüber dem Herbst 2009. Aber von einem Abklingen der Hebungen kann nach wie vor keine Rede sein. Die Zone, in der es pro Monat um bis zu 8 Millimeter nach oben geht, ist nahezu unverändert.

260 Häuser sind inzwischen bei der Stadt als beschädigt gemeldet, ein leichter Zuwachs. Die Standsicherheit aller sei nach wie vor gewährleistet, so Benitz, was auch für das geräumte rückwärtige Rathaus gelte. Statiker hätten das versichert.

Das Land hat inzwischen zugesagt, eine Million Euro zur Verfügung zu stellen. Mit diesem Betrag soll die Schlichtungsstelle ausgestattet werden, die noch vor der Sommerpause starten soll. Angehören werden ihr vermutlich ein Jurist und ein Bausachverständiger. Beide werden für diesen Job eine Aufwandsentschädigung bekommen. Und auch das städtische Bauamt wird der Risse wegen personell aufgestockt. Eine zusätzliche halbe Kraft soll der Schlichtungsstelle zuarbeiten. Da eine vorhandene Mitarbeiterin ihre Stundenzahl verringert, begrenzen sich die Zusatzkosten indes auf eine viertel Stelle.

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Die eine Million für die Schlichtung ist Teil der vom Land in den Haushalt 2010/11 eingestellten vier Millionen Euro für Staufen, es ist kein zusätzliches Geld. Benitz zeigte sich gestern empört über die Formulierung des Landes, die Stadt Staufen habe "im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit einen erheblichen finanziellen Eigenanteil bei der Bewältigung der Krise zu erbringen." Die Stadt sei bereits am Rande ihrer Leistungsfähigkeit angelangt und befinde sich "in der schwierigsten Finanzsituation seit Jahrzehnten", sagte Benitz. "Wir sind da unverschuldet hineingeraten, es handelt sich um eine Naturkatastrophe." Es könne keine Lösung sein, diesen Eigenanteil über weitere Schulden aufzubringen.

Ab Oktober wird in der Kirchstraße ein zweiter Brunnen gebohrt. Über diesen, 150 Meter tief und 80 Zentimeter im Durchmesser, soll Grundwasser abgepumpt werden, um es daran zu hindern, in die Quellschicht aus Gipskeuper einzudringen. Laut Clemens Ruch vom Regierungspräsidium Freiburg könnte der Brunnen bereits Ende November in Betrieb gehen. Es sei jedoch nicht geplant, darüber mehr Grundwasser abzupumpen als jetzt schon – 1,4 Liter pro Sekunde. Die Bohrkosten werden sich auf mehrere hunderttausend Euro belaufen.

Unterdessen wurden zwei weitere Promis für das Kuratorium der Stiftung zur Erhaltung der historischen Altstadt gewonnen: der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel und Christian Hodeige, der Herausgeber der Badischen Zeitung. Mit Klaus Mangold, dem in Münstertal lebenden früheren Daimler-Manager, sind es jetzt drei Namen. Allerdings sucht die Stadt weiterhin nach einem bundesweit bekannten Gesicht, das für eine Fundraising-Kampagne taugen würde. Der Vorstand der Stiftung hat beschlossen, Profis mit einer solchen Kampagne zu beauftragen. "Wir hoffen darauf, ein Unternehmen zu finden, dass uns das auf Provisionsbasis macht", sagte Benitz gestern. Geld im voraus zu bezahlen, könne sich die Stadt nicht leisten.

Autor: Hans Christof Wagner