Spielend leicht gesund leben

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Sa, 04. Februar 2017

Staufen

An der Staufener Lilienhofschule läuft ein Projekt für Bewegung, Ernährung und Stressabbau / SC Freiburg als Partner.

STAUFEN. Videospiele, dabei Hamburger und Fritten reinschieben und abends lange vor der Glotze hocken: An der Lilienhofschule in Staufen hat man sich Gedanken gemacht, wie sich jungen Leuten eine Alternative zum ungesunden Lebensstil anbieten lässt. Ende Januar startete an der Schule ein ehrgeiziges Projekt, in dem Bewegung, gutes Essen und Stressabbau eine große Rolle spielen.

Thai-Boxer gegen Kick-Boxer – klingt martialisch nach Schlagen, Raufen und Gewalt. Schlagen müssen sie sich tatsächlich – aber im intellektuellen Kampf, bei dem es aufs Köpfchen ankommt: An diesem Tag ist schnelles Addieren gefragt. Ein grüner und ein roter Schaumstoffwürfel fliegen durch den Raum, am Boden bierdeckelgroß die Zahlen 1 bis 99. Nach dem ersten Wurf, einer Fünf, suchen die Thai-Boxer die Zahl. Die Kick-Boxer müssen die Drei finden. Und dann beginnt das große Addieren: Der nächste Wurf wird immer zu den vorherigen hinzugerechnet, und jedes Mal muss die Gruppe die Zahl am Boden finden und sich dort versammeln, bevor neu gewürfelt wird.

"Ich glaube, die haben noch nie so viel Spaß an Mathe gehabt", sagt Dieter Behm, stellvertretender Leiter der Lilienhofschule. Das Tolle daran ist, dass die Kinder und Jugendlichen es kaum merken. Im Vordergrund steht die Bewegung, bei diesem ersten von drei Modulen des Programms "Fit 4 Future" (Fit für die Zukunft) der Münchner Cleven-Stiftung.

Die Stiftung hat zusammen mit Sportpartnern und Sponsoren die Initiative gestartet, um einen Beitrag zur Gesundheitsförderung zu leisten, um gegen Bewegungsarmut und Übergewicht anzugehen und Kindern Wege zur Stressbewältigung zu zeigen. Auf spielerische Weise sollen die Kinder an einen nachhaltig gesunden Lebensstil herangeführt werden.

Partner der Lilienhofschule sind der SC Freiburg und die Bundesliga-Stiftung. Ein roter Bus mit dem markanten Schriftzug des Sportclubs parkt vor dem Schulgebäude. Gekommen sind zwar keine Spieler, aber dafür erfahrene Trainer aus dem Jugendbereich. Als eine von fünf Schulen in und um Freiburg hat die Lilienhofschule für mindestens drei Jahre eine Partnerschaft mit dem "Fit-4-Future"-Projekt begonnen. Die Stiftung stellt nicht nur den Rahmen für die Schulveranstaltungen, sondern auch das Material.

Das Ziel ist eine nachhaltige Änderung des Essverhaltens

In der Aula steht eine feuerrote Tonne mit rund 20 Spiel- und Sportgeräten aller Art, darunter sind Sprungseile, Tennisschläger, Fußbälle, Frisbee-Scheiben, Stelzen und ein Skateboard. Vieles davon kommt gleich zum Einsatz. Die Lehrer sind auf das Programm mit einem Workshop vorbereitet worden; sie sollen an Schülerinnen und Schülern weitergeben, wie man körperlich und geistig fit wird und es in Zukunft auch bleibt.

So will das erste Modul des dreiteiligen Programms Spaß an Bewegung vermitteln und die motorischen Fähigkeiten der Kinder fördern. Danach folgt im zweiten Modul das Thema "Ernährung", um Lebensgewohnheiten und Essverhalten langfristig zu beeinflussen – und am Ende geht es in Teil drei um "Brainfitness", die Förderung geistiger Leistungsfähigkeit, Stress-Abbau und Schlaf.

Inzwischen ist an allen Stationen im Schulhaus viel los. In der Aula werden mit Fußbällen Dosen von einem Tisch abgeräumt, im ersten Stock versuchen sich die Kinder an einer Hüpfstafette und einer Sackhüpfstaffel. Selbst jene, die beim Aufwärmen in der Aula noch skeptisch zugeschaut hatten, sind nun mit Feuer und Flamme dabei. Und damit die Begeisterung nicht nur einen Tag hält, haben die Lehrkräfte der Lilienhofschule Bewegungskarten und Vorschläge für Spiele in der "Bewegten Pause" bekommen."

Der Start des Programms im September, nach dem Workshop für die Lehrer, stand unter einem guten Stern: Nachdem die Spieltonne vor großer Kulisse im Schwarzwald-Stadion übergeben worden war, gewann der SC Freiburg sein Spiel gegen Eintracht Frankfurt mit 1:0.