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17. September 2009 20:30 Uhr
Gebäudeschäden in der Altstadt
Staufen bittet nach Gebäuderissen um Spenden
Die durch Erdbewegungen geschädigte Stadt Staufen ruft deutschlandweit um Hilfe: Mit einer Stiftung will Staufen bundesweit Spenden sammeln. Besonders geschädigten Hausbesitzern soll finanziell geholfen werden.
Noch immer hebt sich die Erde in der Staufener Altstadt. Seit Beginn der Messungen sind es nun schon 19 Zentimeter. Gestern informierten Stadt und Geologisches Landesamt über den derzeitigen Stand der Erkundungsbohrung.
Wie Geologe Clemens Ruch vom Regierungspräsidium Freiburg bei der gestrigen Pressekonferenz informierte, habe die Erkundungsbohrung hinter dem Rathaus ihre Endteufe unterhalb der Gipfslage erreicht. Jetzt muss noch ein viertes Sperrrohr gesetzt werden, was sich durch die nachrutschende Erde bei der Durchbohrung der Erdsonde 5 verzögert habe. Anschließen wird noch etwa fünf Meter tiefer in die Muschelkalkschicht gebohrt, um den hydraulischen Anschluss an die schadhafte Erdwärmesonde 7 zu verbessern. Erst dann werde vom Bohr- in den Pumpbetrieb umgestellt.
GEOPHYSIKALISCHE PROFILMESSUNGEN
Seit Montag werde in einer Bergwerksgrube in Oberwolfach im Kinzigtal das Perforieren und Injektieren der Sondenschläuche erprobt. Dies sei zuvor in einem Laborversuch bereits erfolgreich getestet worden. Ruch rechnet mit einem erfolgreichen Abschluss der Tests im Kinzigtal. Ende September sollen dann nach diesem Verfahren die Sondenschläuche in Staufen perforiert und anschließend mit Injektionszement mit Zusätzen aus der Unterwasserbetontechnologie verpresst werden. Temperatursensoren in den Sonden liefern alle notwendigen Daten aus dem streng überwachten Pumpbetrieb.
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Eine Firma aus der Schweiz habe soeben in der Kirchstraße und der Meiergasse noch zwei geophysikalische Profilmessungen vorgenommen, um die Untergrundverhältnisse in der Altstadt noch genauer interpretieren zu können. Bürgermeister Michael Benitz ist guter Dinge, mit der Kombination aus Pumpen und Verpressen zum Erfolg zu kommen. Befürchtungen, der Pumpbetrieb könne möglicherweise zu Bergsenkungen führen, wurden gestern von den Experten zerstreut. Sie lägen, wenn es überhaupt dazu kommen sollte, im unerheblichen Millimeterbereich.
Wie viel Sekundenliter Wasser konkret abgepumpt werden müssen, ließ Clemens Ruch noch offen. Wenn es gelinge, durch das Abdichten den Fließweg des aufsteigenden Wassers in der Sonde 7 zu unterbrechen, würden die Hebungen zum Stillstand kommen, die inzwischen 217 Privathäuser und sieben städtische Gebäude zunehmend beschädigt hätten.
SCHLICHTEN STATT KLAGEN
Das mit am stärksten betroffene rückwärtige Rathausgebäude mit dem Stadtbauamt und dem Archiv werde womöglich noch vor Einbruch des Winters geräumt. Für eine anderweitige Unterbringung der städtischen Mitarbeiter habe die Stadt die Option auf drei Standorte, die nach Auskunft des Bürgermeisters derzeit geprüft würden. Ob das Gebäude zu halten sein wird, möchte Benitz vom Urteil der Bausachverständigen abhängig machen. Sicher sei indes, dass alle Anstrengungen unternommen würden, um das historische Rathausgebäude nicht noch weiter zu gefährden. Dabei werde auch eine statische Abtrennung von der gemeinsamen Außenwand mit dem benachbarten Rathaus-Café erwogen.
Vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderats, kündigte Bürgermeister Michael Benitz die Gründung einer Stiftung zur Erhaltung der historischen Altstadt an, die bundesweit Spenden sammeln soll, um mit diesem Geld besonders hart betroffenen Hauseigentümern unbürokratisch helfen zu können. Die Stadt selbst sei inzwischen am Ende ihrer finanziellen Möglichkeiten angelangt und müsse sich bereits mit Kassenkrediten über die Runden helfen. Zwar werde die Stadt bei den Rissen weiter in finanzielle Vorleistungen treten und auch gegenüber den Geschädigten auf die Einrede der Verjährung verzichten, was auch vom Land eingefordert werde.
Aus Stuttgart wünsche sich die Stadt die Einhaltung der Zusagen des Kabinetts und gemäß der Devise "Schlichten statt Klagen" die Unterstützung bei der Einrichtung einer Schiedsstelle, die wiederum auch die Verteilung der Mittel aus einem Topf überwachen soll, der aus den unterschiedlichen Förderprogramm gespeist werden soll.
Die Badenova berichtete auf der Pressekonferenz von ihren Sicherungsarbeiten am Staufener Erdgasnetz. In einzelnen Sektionen seien nun die Voraussetzungen geschaffen, das Leitungsnetz jederzeit abschnittsweise außer Betrieb nehmen zu können. Die letzte Baustelle zur Installation der Trennschieber werde vom 22. bis 25. September in der Hauptstraße/Ecke Meiergasse eingerichtet.
Wolfgang Schuhmann von der Initiative "Wir halten Staufen zusammen" kündigte für den 5. Oktober während der Kulturwoche einen Benefizabend im Spiegelzelt an. 15 Gastronomiebetriebe und Weigüter sowie zehn Staufener Künstler hätten ihre Unterstützung für "Das kleine Zeltwunder" bereits fest zugesagt.
- Fotostrecke: Risse in Staufen
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- Risse und kein Ende: Stadt hebt sich weiter
Autor: Markus Donner
