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07. Juli 2010
Staufener Risse: „Es hebt sich weniger schnell als zuvor“
BZ-INTERVIEW mit Ralph Watzel, Chef des Geologischen Landesamts, über die Ursachen der Staufener Katastrophe.
FREIBURG. Der komplette Bericht des Geologischen Landesamts in Freiburg zu den Erdwärmebohrungen in Staufen und zur anschließenden Hebung der Innenstadt ist jetzt im Internet nachzulesen. Mit dem Chef des Landesamts, Ralph Watzel, sprach Wulf Rüskamp.
BZ: Herr Watzel, was steht Neues in diesem Bericht?Watzel: Zu den grundsätzlichen Fragen gibt es keine neuen Aussagen über das hinaus, was wir bereits am 22. Februar in Staufen bekanntgegeben haben. Aber die ganzen geologischen Informationen und die technisch-wissenschaftlichen Sachverhalte sind hier ausführlich dokumentiert – freilich können das viele Leser als Fachchinesisch empfinden.
BZ: Und wer ist nun verantwortlich für die Schäden in Staufen?
Watzel: Wer in rechtlichem Sinne verantwortlich ist, werden die Gerichte klären. In technischem Sinne lässt sich belegen, dass mindestens eine dieser Erdwärmebohrungen nicht hinreichend abgedichtet war und dass dadurch Wasser in das Sulfatgestein eingedrungen ist. Das hat den Quellvorgang ausgelöst, mit der Folge der Hebungen in Staufen.
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BZ: Aber die Hebungen sind, obwohl das Bohrloch gestopft ist, nicht gestoppt.
Watzel: Aber es hebt sich weniger schnell als zuvor.
BZ: Und wann wird der Prozess zum Stillstand kommen?
Watzel: Das ist eine Frage, die ich leider nicht beantworten kann. Man muss berücksichtigen, dass mehr als zwei Jahre lang Wasser eingedrungen ist. In dem reaktionsfähigen Gebirge ist noch ein Restwasseranteil drin. Wie groß der ist, können wir nicht sagen – aber der wird zu Ende reagieren mit dem Anhydrit-Gestein. Die zweite offene Frage ist: Reichen unsere bisherigen Vorkehrungen aus? Ist der Wasserfluss in diesem Untergrund wirklich gestoppt? Vieles spricht dafür. Eine Sicherheit erhalten wir aber nur anhand der Messkurve der Hebungen.
BZ: Wie steht es mit der Verantwortung des Geologischen Landesamts? Hätten Sie nicht vor diesen Bohrungen warnen müssen?
Watzel: Es gibt klare Schutzziele und technische Regeln für solche Erdwärmebohrungen und deren Abdichtung, die die Bohrfirmen einzuhalten haben. Es gibt zudem im Land viele mit Staufen vergleichbare geologische Situationen, nämlich quellfähiges Gipskeupergestein. Man hatte durch dieses Gestein schon an einigen hundert Stellen gebohrt, und bei diesen Bohrungen sind – bis eben jetzt in Staufen – Quellhebungen nicht bekannt geworden. Deswegen gab es keinen Grund, die Bohrungen in Staufen zu untersagen.
Autor: amp
