Skispringen

Stephan Leyhe aus Breitnau gewinnt Silber beim Teamspringen

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Mo, 19. Februar 2018 um 15:21 Uhr

Olympische Spiele

Der Schwarzwälder Skispringer Stephan Leyhe aus Breitnau erzielt den größten Erfolg seiner Karriere. Er gewinnt Silber beim olympischen Teamwettbewerb, Andreas Wellinger holt seine dritte Medaille in Südkorea. Norwegen gewinnt Gold, Polen Bronze.

Erst in letzter Minute hatte Leyhe, der seit sechseinhalb Jahren in Breitnau wohnt, aber noch für seinen alten Heimatverein SC Willingen startet, sich überhaupt empfehlen können für den zweistündigen Wettkampf, der nichts für schwache Nerven war. Beim Einzel-Springen von der Normalschanze hatte Bundestrainer Werner Schuster ebenso auf den 26-Jährigen verzichtet wie bei der Einzel-Entscheidung von der Großschanze am vergangenen Samstag. Erst hatte Schuster den Oberstdorfer Karl Geiger vorgezogen - und nun überraschend Markus Eisenbichler aus Siegsdorf auf die Ersatzbank beordert.

"Stephan springt sehr stabil auf der Schanze und hat keine Ausreißer" Bundestrainer Werner Schuster
So kam der Breitnauer im letzten Spezialspringen der XXIII. Winterspiele doch noch zu dem Einsatz, auf den er jahrelang hingearbeitet hatte. Er musste bis zuletzt kämpfen um sein olympisches Debüt. Bundestrainer Schuster ordnete am Sonntag ein Spezialtraining eigens für den Schwarzwälder an und urteilte im Anschluss: "Stephan springt sehr stabil auf der Schanze und hat keine Ausreißer." Leyhe selbst erklärte in der ihm eigenen, eher zurückhaltenden Art: "Ich freue mich darüber, wie die Entscheidung ausgefallen ist. Jetzt habe ich doch noch ein glückliches Ende."

Gold, Silber, Bronze oder Blech? Springer aus fünf Nationen waren Kandidaten für die Podestplätze in Pyeongchang. Das deutsche Team bildeten Geiger, Leyhe, Richard Freitag von der SG Nickelhütte Aue und Schlussspringer Andreas Wellinger vom SC Ruhpolding, der Gold- und Silbermedaillengewinner der Winterspiele in Südkorea. Die Polen unter ihrem Chefcoach Stefan Horngacher aus Titisee-Neustadt schickten Maciej Kot, Stefan Hula, Dawid Kubacki und ihren Großschanzen-Sieger Kamil Stoch ins Rennen.

Die Norweger traten mit Daniel André Tande, Andreas Stjernen, Johann André Forfang und Robert Johannson an. Außenseiter Slowenien entsandte Jernej Damian, Anze Semenic, Tilen Bartol und Peter Prevc. Die in diesem Winter so gebeutelten Österreicher schließlich versuchten ihr Glück mit Startspringer Stefan Kraft, Manuel Fettner, dem einstigen Seriensieger Gregor Schlierenzauer und Michael Hayböck.

Dreikampf mit offenem Ausgang

Schon früh war allerdings klar, dass Österreicher und Slowenen den drei Top-Teams aus Norwegen, Deutschland und Polen an diesem Montag nicht gefährlich werden konnten. Sofort entwickelte sich der erwartete Dreikampf, bei dem nur nicht klar war, wer am Ende wo auf dem Podest stehen würde. Bei geradezu milden zwei Grad minus und ganz schwachem Wind ging das dritte und fairste Spezialspringen über die Bühne.

Karl Geiger legte starke 136 Meter vor, doch der Norweger Tande konterte sofort mit derselben Weite. Stephan Leyhe blieb cool und blieb mit 128 Metern im Rahmen seiner Möglichkeiten. Es wäre sogar noch ein Tick mehr drin gewesen, doch der Schwarzwälder kam etwas zu spät vom Schanzentisch weg. Norwegen, Deutschland, Polen: So hieß von nun an die Reihenfolge, an der sich bis zum Ende des ersten Durchgangs nichts mehr ändern sollte.

Nur fünf Punkte trennen die Top-Teams zur Halbzeit

Richard Freitag sprang mit 134,5 Metern ebenfalls ordentlich. Die drei Top-Springer Stoch aus Polen, Wellinger und Johannson aus Norwegen machten es dann richtig spannend. Stoch flog auf 139 Meter, der Deutsche einen Meter weiter - und Johannson blieb mit 137,5 Metern ein wenig hinter seinen Möglichkeiten auf seiner neuen Lieblingsschanze.

Winzige fünf Punkte trennten die drei Top-Teams Norwegen (545,9), Deutschland (543,9) und Polen (540,9) zur Halbzeit voneinander. Geiger gab auch im zweiten Durchgang alles, erreichte diesmal 134 Meter und strahlte - aber nur kurz. Der Norweger Tande konterte mit grandiosen 140,5 Metern. War das schon der Goldsprung? Das Team des Deutschen Ski-Verbands (DSV) fiel auf Rang drei zurück. Stephan Leyhe fügte seinem soliden ersten Flug einen ordentlichen zweiten auf 129 Meter hinzu.

Ganz zufrieden wirkte der Breitnauer dabei aber nicht, denn der Norweger Stjernen dehnte den Vorsprung seines Teams nach einem Flug auf 135,5 Meter schon auf rund 30 Punkte vor Polen und Deutschland aus. Nur 1,1 Punkte trennten das DSV-Team von Horngachers Quartett. Die Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 - damals noch mit Andreas Wank vom SC Hinterzarten - würde die Schuster-Equipe nicht mehr verteidigen können, das stand nun so gut wie fest.

Richard Freitag blieb auch bei seinem Finalsprung mit 134,5 Metern etwas hinter seinen Top-Leistungen aus dem ersten Saisondrittel zurück, doch der Pole Kubacki brachte es auch "nur" auf 135,5 Meter. Der Abstand zwischen den zweitplatzierten Polen und den drittplatzierten Deutschen schrumpfte auf winzige 0,6 Punkte.

Die Top-Starter der drei Länder mussten also die Entscheidung bringen. Norwegens Flieger-Ass Robert Johannsson ließ nichts mehr anbrennen, segelte auf 136 Meter - und mit seinem Team zum Sieg (1098,5 Punkte). Im Großschanzen-Duell von Pyeongchang hatte dann an diesem Montag der junge Bayer Wellinger die Nase vorn, segelte auf 134,5 Meter - und brachte das DSV-Quartett (1075,7) um gerade einmal 3,3 Punkte vor Horngachers Auswahl aus Polen (1072,4).

Silber!

Die zweite Silbermedaille für Wellinger in Pyeongchang und der bislang größte Erfolg in der Karriere des Breitnauers Stephan Leyhe. "König" Kamil Stoch aus Polen hatte im Finale zwar ebenfalls 134,5 Meter erreicht, ihm und dem Team des Trainers aus Titisee-Neustadt blieb aber trotzdem "nur" Bronze. Minimal bessere Haltungsnoten und gerade einmal 2,4 Windpunkte mehr hatten den Kampf um Platz zwei zugunsten von Wellinger und Co. entschieden.