Steter Einsatz für Frauen in Indien

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Mi, 10. Mai 2017

Gundelfingen

Die Generaloberin der indischen Ordensgemeinschaft "Society of the Helpers of Mary" besucht Gundelfingen.

GUNDELFINGEN. Schwester Stella, Generaloberin der indischen Ordensgemeinschaft "Society of the Helpers of Mary", und ihre Sekretärin, Schwester Regina, besuchten jetzt die Partnerorganisation, den Verein "Indienhilfe Wasser ist Leben" in Gundelfingen. Seit 1995 besteht zwischen der Ordensgemeinschaft und der Gemeinde ein enger Kontakt. Beim Empfang im Rathaus begrüßte Bürgermeister Raphael Walz die Gäste aus Indien am Montag. In Anwesenheit der Besucherinnen wurde zudem eine Fotoausstellung bei der Raiffeisenbank Gundelfingen eröffnet.

"Es ist uns eine Ehre, Sie in Gundelfingen willkommen zu heißen", sagte Walz. Alles, was Rang und Namen hat, sowie Unterstützer des Vereins fanden sich im Gundelfinger Ratssaal anlässlich des Besuchs aus Indien ein. "Die großartigen Projekte unter der Leitung der Schwestern unterstützen wir gerne hier in Deutschland", betonte der Bürgermeister. Bei dem Empfang hatten die zahlreichen Gäste Gelegenheit, mit den Marys ins Gespräch zu kommen. "Wir wollen allen danken, die seit vielen Jahren so viel für unsere Kinder tun", sagte Schwester Stella. Seit fünf Jahren ist sie die Generaloberin des Ordens. "Mit Ihrer Hilfe konnten wir in den letzten beiden Jahren rund 385 000 Frauen, Männern und Kindern helfen – es ist gut, Sie an unserer Seite zu wissen."

In 70 Stationen in Indien kümmern sich die Mary-Schwestern hauptsächlich um Mädchen und Frauen. Sie nehmen verwahrloste Straßenkinder auf sowie Kinder, denen Gewalt angetan wurde. Zudem tragen kümmern sie sich um die Familien in den Slums, die unter unmenschlichen Bedingungen leben müssen, um benachteiligte Frauen, alte, obdachlose Menschen sowie Lepra- und Aidskranke. Weitere Stationen unterhalten sie in Kenia und Äthiopien. In der Gesundheitsversorgung nahmen sich die Schwestern im vergangenen Jahr rund 97 000 Patienten an. In den Heimen in Indien leben mehr als 1850 Mädchen. Mehr als 13 000 Mädchen erhalten Schul- oder Förderunterricht; 22 000 Mädchen sind es insgesamt, die in Krabbelgruppen, Kindergarten, Vorschulen, Schulen, Heimen oder in der Berufsausbildung von den Mary-Schwestern unterstützt werden. "Alle Mädchen, die wir aufnehmen, sind ungeliebte Kinder – wir wollen, dass sie eine Zukunft haben", erläuterte die Generaloberin. "20 Prozent der Kinder gehen in Indien nicht zur Schule."

Vor allem Mädchen und Frauen hätten in Indien ein schweres Leben: "Im Jahr 2015 wurden 34 000 Vergewaltigungen begangen, darunter 8800 an Kindern." Verurteilt würden Vergewaltiger in Indien selten. Vieles werde unter den Tisch gekehrt. "Es gibt keine Sicherheit für Frauen." Daher gelte den Mädchen und Frauen in Indien die ganze Aufmerksamkeit der Schwestern. Finanzielle Hilfe von der stark hinduistisch geprägten Regierung erhalten sie nicht, aber "unsere Arbeit wird geschätzt", so Schwester Stella. In Indien leben nach offiziellen Zahlen 62 Prozent der Menschen in Slums. Die meisten hätten nicht mehr als 1,90 Dollar pro Tag zur Verfügung, um davon zu leben. Dazu kämen katastrophale Hygieneverhältnisse: "Es gibt Städte in Indien mit drei Millionen Einwohnern, die aber nur über 58 000 Toiletten verfügen."

Mittels Patenschaftsmitteln und Spenden unterstützt der Gundelfinger Verein mehr als 400 Mädchen in den Heimen in Naya Jeevan, Asha Niketan, Premankur, Shevgaon und Tilak Nagar. Investiert werden jährlich rund 100 000 Euro. Die Mädchen erhalten Schulunterricht, werden in Nähen, Gartenarbeit und Hygienefragen unterrichtet. Sie haben ein Dach über dem Kopf und bekommen gutes Essen, das von der eigenen Farm stammt. Dort werden Zwiebeln, Rettiche, Süßkartoffeln oder Bananen angepflanzt und Büffelkühe gehalten, die für die Kinder die Milch liefern. Wichtig für die Marys ist die Ausbildung der ihnen anvertrauten Mädchen. Denn eine qualifizierte Bildung sei das effektivste Mittel gegen Armut und Ausbeutung. Ihre Kraft erhalten die Schwestern aus ihrem Glauben. "Aber auch wenn wir die Erfolge bei den Mädchen sehen – das motiviert uns", sagte Schwester Stella. Der größte Wunsch der Generaloberin: ein Indien ohne Slums. Schwester Stella hat Politik- und Erziehungswissenschaften studiert. Außerdem spricht sie sieben Sprachen. 1990 legte sie die Ordensgelübde ab.

Weitere Informationen gibt es bei Gerda Geretschläger, Vorsitzende der Indienhilfe Wasser ist Leben, unter Tel. 0761/52406.

Die Fotoausstellung "Indien braucht starke Frauen", die anlässlich des Besuchs eröffnete wurde, ist bis 2. Juni im Strategiehaus der Raiffeisenbank zu sehen.