"Pulse of Europe"

Südbadener demonstrieren für ein gemeinsames Europa

Karin Reimold

Von Karin Reimold

So, 19. März 2017 um 17:37 Uhr

Offenburg

Beflügelt vom Ausgang der Wahl in den Niederlanden haben am Sonntag wieder Tausende Menschen in ganz Deutschland für ein geeintes Europa demonstriert. In Freiburg demonstrierten 1200, in Offenburg 500 Menschen.

Europahymne, Fähnchen und eine Menschenkette aus rund 500 Bürgern auf dem Rathausplatz: Zum ersten Mal zeigte sich am Sonntag auch in Offenburg die pro-europäische Bewegung "Pulse of Europe".

"Es ist Zeit, sich vom Wohnzimmer aufzumachen und für Europa einzustehen." Annette Müller, Initiatorin in Offenburg
Sie demonstrierte zur gleichen Zeit noch in mindestens 50 anderen deutschen Städten und in sieben Ländern. "Es ist Zeit, sich vom Wohnzimmer aufzumachen und für Europa einzustehen", begrüßte Annette Müller, Initiatorin der Offenburger Demonstration. Bei dieser Bewegung gehe es vor allem darum, sich als bislang schweigende Mehrheit endlich auch laut für ein gemeinsames Europa auszusprechen und den Populisten die Stirn zu bieten. Sie sei froh, 20 Leute gefunden zu haben, die diese Demonstration künftig jeden Sonntag bis zur Bundestagswahl im September mit ihr gemeinsam auf die Beine stellen wollen.

Wofür steht die europäische Union eigentlich?

"Jeder von uns hat es in der Hand, wie es in Europa aussieht", las einer der Aktivisten vor. Abwechselnd trugen sie die zehn Thesen von "Pulse of Europe vor". Dabei verwiesen die Redner etwa auf die Grundgedanken der Union, wie die Sicherung von Frieden, der Grundrechte und der Rechtssicherheit. Doch um dies zu bewahren, müsse man fortan einfach lauter werden, die Werte verteidigen. Dass nicht alles perfekt sei und es Dinge zu ändern gebe, schließe sich dabei nicht aus. "Reformen sind notwendig. Die europäische Idee muss bürgerfreundlicher und verständlicher werden." Aber Isolation sei der falsche Weg, stattdessen müsse Angst in Zuversicht verwandelt werden. "Lasst uns den Pulsschlag Europas wieder spüren", schallte es durch die Lautsprecher über den Platz, auf dem die Anwesenden immer wieder zustimmend jubelten und dabei ihr EU-Fähnchen schwenkten. Nach der Ansprache waren die Offenburger selbst am Zug und konnten ihr Wissen über Europa unter Beweis stellen. Seit wann gibt es die Union überhaupt?

Wird Honig oder der badische Wein durch eine europäische Richtlinie reguliert? Auch wenn bei einigen bei der letzten Frage der Lokalstolz durchging, lagen sie bei den meisten doch richtig.

Engagiert traten anschließend auch ein paar Mitbürger ans offene Mikrophon, um mit eigenem Wortlaut für Europa zu demonstrieren. "Ich zähle zur ersten Generation, die keinen Krieg erlebt hat", sagte einer und betonte: "Und eigentlich will ich so auch ins Gras beißen." Gleich mehrere Menschen, deren Ehepartner Franzosen sind, stellten sich selbst als Beispiele für ein gelungenes Europa-Konzept vor. "Kulturelle Unterschiede machen diese Ehe auch aus. Unsere Kinder sind Europäer", meinte eine Frau. Gerade das deutsch-französische Verhältnis, das lange als Erbfeindschaft bestand, habe man doch letztlich überwunden, erinnerte ein Sprecher. "Ich will mich dafür einsetzen, dass das so selbstverständlich bleibt." Mit Blick auf die vielen politischen Pöbeleien und Hetze machte abschließend ein Redner klar: "Es ist doch fantastisch, mal für etwas zu sein, statt dagegen."

Bevor sich die Demonstranten an den Händen nahmen und einen riesigen Kreis als Menschenkette bildeten, spielte noch die Europahymne, zu der nicht alle, aber einige mit einstimmten.

Bundes- und europaweite Demonstrationen

Nach Angaben der Organisatoren nahmen zeitgleich in rund 50 europäischen Städten mindestens 20 000 Menschen an den Pro-Europa-Demonstrationen teil.

Allein in Deutschland waren in 46 Städten Kundgebungen angemeldet worden. In Frankfurt, wo die Bewegung "Pulse of Europe" Ende 2016 gegründet wurde, versammelten sich 3000 Menschen mit Luftballons und Europafahnen.

Vor dem Konzerthaus auf dem Berliner Gendarmenmarkt spielte der Klarinettist Giora Feidman die Europahymne. Unter dem Jubel der Anwesenden begrüßten mehrere Redner das Europa bejahende Ergebnis der Wahl in der Niederlanden, bei der die Wahlbeteiligung mehr als 80 Prozent betragen hatte.
Termin

Für die Sonntags-Demo am 9. April plant die Initiative eine Menschenbrücke von Kehl bis Frankreich.

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