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04. Februar 2011 20:47 Uhr

Elz- und Glottertal

Blei im Gemüse: Landwirte haben mit Altlasten zu kämpfen

Große Sorgen machen sich derzeit die Bauern im Landkreis Emmendingen: Einige Äcker und Pflanzen sind zu hoch mit Schwermetall belastet. In sechs Fällen wurde jetzt der Anbau bestimmter Gemüsesorten verboten. Wie hoch ist die Gefahr für die Verbraucher?

  1. Salat nimmt gerne Blei aus belastetem Boden auf. Foto: dpa

FREIBURG. Das Problem ist alt. Denn seit langem ist bekannt, dass der frühere Bergbau in den Tälern des Südschwarzwalds bis heute im Erdreich seine Spuren hinterlassen hat. Das Landratsamt Emmendingen hat jetzt in sechs Fällen den Anbau bestimmter Gemüsesorten auf belasteten Flächen im Elz- und Glottertal untersagt.

Die EU hat 2006 die Grenzwerte für Schadstoffe in Lebensmittel deutlich verschärft. Danach sind Belastungen, die zuvor als unbedenklich galten, nun als gefährlich eingestuft, weil neuere toxikologische Studien präzisere Daten ergeben haben. Daraufhin begann das Landratsamt Emmendingen, in seinem Zuständigkeitsbereich die Schwermetallbelastung der Äcker und danach die der dort angebauten Pflanzen zu untersuchen. Insgesamt wurden mehr als 260 Bodenproben im Schwemmland von Elz und Glotter genommen, einem Gebiet, das sich auf knapp 20 Quadratkilometern zwischen Winden und Denzlingen im Osten und zwischen Reute und Teningen im Westen erstreckt.

"Dass wir hohe Bleiwerte im Boden haben, ist für uns nichts Neues. Aber die Grenzwerte in Lebensmitteln wurden bisher nach den alten Richtlinien nicht überschritten", sagt Peter Ackermann vom Landratsamt Emmendingen. Generelle Aussagen über die Belastung in diesem Gebiet sind nicht möglich. Denn die Schwermetalle sind je nach Bodenbeschaffenheit (Humusgehalt, Säurewert oder andere Eigenschaften) unterschiedlich mobil.

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Zudem nehmen Pflanzen die Gifte verschieden stark auf. Beeren, Mais und Weinreben beispielsweise lagern kaum Schwermetalle ein. Wurzelgemüse dagegen wie Möhren, Rote Beete und Radieschen oder oberirdische Pflanzen wie Petersilie oder Salate zählen zu den sensiblen Kulturen, die das Blei aus dem Boden aufnehmen.

Bleibelastung bei Kindern rückläufig

Deshalb hat das Landratsamt zur Vorsicht auch Proben von den gefährdeten Pflanzensorten gezogen. Nach gut einem Jahr Arbeit hat das Landratsamt im Januar einen Zwischenbericht veröffentlicht. Weil in einigen wenigen Proben kritische, deutlich über dem Grenzwert liegende Bleiwerte gefunden wurden, gab es Anbaubeschränkungen für sechs Betriebe; insgesamt 180 wurden über die Messergebnisse informiert.

Auf bestimmten Äckern dürfen Gemüsearten, die leicht Blei aufnehmen, nicht mehr angebaut werden. Dennoch will man im Landratsamt Emmendingen die Lage nicht überbewertet sehen: "Es gibt kein Grund zur Sorge", so Ackermann. In seinem Amt ist auch nichts bekannt über bisher aufgetretene Gesundheitsschäden durch den Verzehr von Gemüse aus den fraglichen Bereichen. Die Bleibelastung bei Kindern ist, aus vielerlei Gründen, im Kreis Emmendingen seit einigen Jahren sogar rückläufig.

"Nur ein Bruchteil ist kritisch belastet."Landwirt Walter Schwaab
Entspannt sieht auch Landwirt Walter Schwaab aus Denzlingen die Situation. "Von den 20 Quadratkilometern Fläche ist nur ein Bruchteil kritisch belastet, und davon ist viel Boden von so schlechter Qualität, dass dieser noch nie zum Gemüseanbau genutzt wurde." Es bleibe also genügend Anbaufläche, um auf andere Äcker auszuweichen. So lange man in der Branche zusammenhalte, könne man das Problem gemeinsam in den Griff bekommen – zur Not müsse man Flächen unter Kollegen tauschen, so Schwaab. Auch die Kunden und Konsumenten müssten sich keine Sorgen machen: Keiner der Landwirte werde bleibelastetes Gemüse in Umlauf bringen.

Aber was macht ein Bauer, der keine Ersatzflächen zum Anbau seines Gemüses besitzt? Genau unter dieser Situation leidet die Bio-Gärtnerei Witt in Emmendingen. 80 Prozent ihrer Anbaufläche liegen im belasteten Schwemmland der Elz – und dann muss sie noch 2,5 Hektar Pachtfläche aufgeben, weil das benachbarte Industriegebiet erweitert wird. Für Doris Witt, die im Betrieb groß geworden ist und weiterhin ökologisch einwandfreie Ware anbieten möchte, ist die Ungewissheit schwer. "Hier im Betrieb denkt natürlich jeder über die Zukunft nach, aber momentan gibt es keine fundierten Lösungen – man kann bisher nichts sagen."

Regelmäßige Untersuchungen

Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) setzt auf die Beratung von Fachleuten. Dazu brauchen die Landwirte aber Zeit. Er hat deshalb seinen Mitgliedern geraten, gegen den Bescheid des Landratsamtes Widerspruch einzulegen. Dies nicht etwa, weil der Bauernverband die Gültigkeit der Grenzwerte oder die Korrektheit der Messungen anzweifelt, sondern um den Druck auf die zuständigen Ämter für eine fachliche Beratung zu erhöhen. Der Landkreis Emmendingen ist freilich nicht als Einziger betroffen – die Schwermetallbelastung durch den Bergbau vor allem im Mittelalter ist in nahezu allen Tälern des Schwarzwalds und deren Ausläufern in die Rheinebene anzutreffen. Messungen haben bereits in den Tälern von Neumagen, Möhlin und Sulzbach, aber auch im Münster- und Dreisamtal stattgefunden.

Seit den 80er-Jahren untersucht das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald regelmäßig den Boden. In diesen Gebieten wird in der Regel kein erwerbsmäßiger Gemüseanbau betrieben. Aber in den betroffenen Gebieten wird auch abgeraten, in den privaten Gärten Gemüse zum eigenen Verzehr anzubauen. Privatpersonen fordert das Landratsamt auf, sich eigenständig zu informieren – oder Bürgerversammlungen zu dem Thema zu besuchen und sich im Internet kundig zu machen.

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Autor: Annemarie Amann