Zensur

Daumen runter: Facebook löscht alle Profile aus Sexau

Florian Kech

Von Florian Kech

Sa, 01. April 2017 um 08:05 Uhr

Südwest

Über Nacht sind die Facebook-Profile aller Sexauer getilgt worden. Kein Hackerangriff, sondern das Werk des Konzerns. Offenbar bezweifelt Facebook die Echtheit des Ortsnamens.

Auch Bürgermeister Michael Goby ist bei Facebook angemeldet – beziehungsweise war. Er nutze das soziale Netzwerk allerdings nur unregelmäßig. Vor einigen Wochen habe er ein neues Profilfoto hochgeladen, auf dem er mit einer rosaroten Fahrradbrille zu sehen war. Der Mann hat durchaus Humor, doch momentan ist ihm eher weniger zum Lachen zumute. Von der Facebook-Zensur hat er von Gemeindemitgliedern erfahren.

Der partei- und ratlose Bürgermeister versucht seit Tagen verzweifelt, einen Verantwortlichen ans Telefon zu bekommen. Doch der Konzern aus dem Silicon Valley schottet sich ab. "Dagegen ist die Deutsche Telekom die reinste Serviceoase", stöhnt Goby. Nach drei Tagen erhielt er immerhin eine E-Mail. Eine Firmensprecherin bestätigte die Löschung der Sexauer Facebook-Profile und nannte als Grund "erhebliche Zweifel an der Echtheit des Ortsnamens". Außerdem dulde der Konzern keine Verstöße gegen die Anstandsregeln: "Das gilt für offengelegte weibliche Brustwarzen ebenso wie für obszöne Städtenamen."



Sexau kommt von "sechs Auen"

Jeder könne auf Wikipedia nachlesen, dass sich der Name Sexau von den "sechs Auen" ableite, sagt der Bürgermeister. "Wir sind weder Fake noch obszön."

Der Druck aus der Bevölkerung wächst. "Warum unternimmt denn keiner was?", fragt eine junge Mutter. Ihr Kind weint. Es hat seit vier Tagen kein Katzenbaby mehr gesehen. Ein Rentner sagt, er lebe zwar schon in der vierten Generation in Sexau, denke nun aber erstmals über einen Ortswechsel nach.

Das Thema beschäftigt inzwischen auch den Gemeinderat. In einer nichtöffentlichen Sitzung sei sogar über eine Namensänderung diskutiert worden. "Sechsau wäre natürlich eine Alternative", sagt Goby, "aber wer trägt schon freiwillig eine Sau im Namen?"

Sexau ist erst der Anfang

Der Blogger Mischa Modo vom Chaos Computer Club Südbaden ist sich sicher: "Sexau wird erst der Anfang sein. Andere Gemeinden wie Titisee, Blasiwald und vor allem Aftersteg sollten sich schon mal warm anziehen."

In Sexau will man jedenfalls nicht aufgeben. Eine Bürgerinitiative hat für diesen Samstag zu einer Protestaktion auf dem Rathausplatz aufgerufen. Um Punkt zwölf Uhr wollen die Teilnehmer eine Schweigeminute lang den Daumen nach unten halten.