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19. Oktober 2009 01:07 Uhr

Ein Klinikkonzern ist krank

Ein Klinikunternehmen muss in die Reha: Fachleute werden in den kommenden Wochen die Wirtschaftlichkeit der angeschlagenen Hegau-Bodensee-Hochrhein-Kliniken (HBH) untersuchen.

  1. „Es wird in Zukunft mehr Diabetiker und Übergewichtige denn je geben.“ Foto: Ingo Schneider

Eines ihrer größeren Sorgenkinder ist die Hochrhein-Eggberg-Klinik (HE) in Bad Säckingen. Deren Betriebsratsvorsitzender Peter Marquart ist aber zuversichtlich, dass die 270 Arbeitsplätze erhalten bleiben.

HBH-Geschäftsführer Friedbert Lang hat das Personal der Hochrhein-Eggberg-Klinik kürzlich in einer Betriebsversammlung über die Situation informiert. Dabei war von einer Schließung mehrerer HBH-Häuser die Rede. Doch nun wird vorerst geprüft, wo eingespart werden kann. "Wir sind sehr gut aufgestellt, haben viel Erfahrung", sagt Marquart. "Ich bin guter Dinge, dass es mit der Hochrhein-Eggberg-Klinik weitergeht."

Seit rund drei Jahren schreibt der HBH-Verbund, weitgehend in kommunalem Besitz, rote Zahlen. Das hat mehrere Ursachen, darunter die jüngsten Lohnerhöhungen. Der neue Tarifvertrag hat zu einer Gehaltssteigerung um acht Prozent geführt, das macht allein für die Kliniken sechs Millionen Euro mehr an Personalkosten. Doch nur rund die Hälfte davon ist nach der Gesundheitsreform in dem von den Kassen angewiesenen Budget enthalten. Deshalb müssen die Krankenhäuser das Defizit von drei Millionen Euro zum größten Teil selber auffangen.

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Bei den Reha-Einrichtungen – auch das Bad Säckinger Haus ist zur Hälfte ein Rehabilitationskrankenhaus – sieht es noch schlechter aus. Dort sind überhaupt keine Tarifsteigerungen im Budget berücksichtigt. Im vergangenen Jahr gab es deshalb bei den HBH-Kliniken, zu denen auch die Rehaklinik Sankt Marien in Bad Bellingen gehört, einen Gesamtverlust von 8,2 Millionen Euro. 2007 lag der Verlust des Konzerns sogar bei 11,4 Millionen Euro. Für dieses Jahr rechnet Geschäftsführer Lang mit vier bis fünf Millionen Euro. Auch wenn der Kreditbedarf in den vergangenen Jahren geringer geworden ist – der Schuldenberg ist trotzdem gewachsen. Die Gutachter sollen nun alle Kliniken des Verbundes umfassend auf ihre Wirtschaftlichkeit analysieren. Danach wird über den Fortbestand einzelner Häuser entschieden.

Zum jetzigen Zeitpunkt, so Lang, sei deshalb ungewiss, ob es "in fünf Jahren noch einen Reha-Bereich in Bad Säckingen geben wird". Marquart hingegen hält den Reha-Bereich in Bad Säckingen für ebenso wichtig wie den Akut-Bereich: "Es wird in Zukunft mehr Diabetiker und Übergewichtige denn je geben." Zudem biete die Klinik Rehabilitation für Patienten an, die nach Bypass-Operationen an den Beinen kaum laufen könnten. Ende November erwartet das Klinikunternehmen erste Ergebnisse des Gutachtens, das 100 000 Euro kostet. Und Ende des Jahres soll absehbar sein, ob und wie speziell die Hochrhein-Eggberg-Klinik in Bad Säckingen überleben wird.

Autor: Britta Kuck