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02. September 2014 19:59 Uhr

Rheintalbahn

Güterzüge werden leiser – weil die Schweiz es so will

Im lärmgeplagten Rheintal keimt Hoffnung auf – und das hat mit der Schweiz zu tun: Die Eidgenossen lassen von 2020 an nur noch Güterzüge ins Land, deren Waggons leiser sind als die heutigen.

  1. Laut, lauter, Güterzüge? Dem will die Schweiz einen Riegel vorschieben. Foto: Helmut Seller

Auf der Suche nach einem Zeichen der Hoffnung richtet sich der Blick der lärmgeplagten Anwohner der Rheintalstrecke immer häufiger in Richtung Süden in die Schweiz. Denn dort sollen von 2020 an nur noch solche Güterzüge fahren dürfen, deren Wagen mit modernen Bremssohlen ausgerüstet und dadurch leiser sind. Mit einem System aus "Zuckerbrot und Peitsche" werde die Schweiz dieses Vorhaben durchsetzen, versprach Philipp Wälterlin vom Schweizer Bundesamt für Verkehr bei einer Podiumsdiskussion in Bad Bellingen – und erhielt dafür viel ermutigenden Applaus. Er kündigte empfindliche Bußgelder an. Im Wiederholungsfall werde man einem Unternehmen auch den Zugang zum Schienennetz untersagen.

"Die Bahn hat kein Fünf-Dezibel-, sondern ein 30-Dezibel-Problem." Roland Diehl
Wälterlin wies darauf hin, dass die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene eine hohe Priorität habe, allerdings verbunden mit Schritten zu mehr Lärmschutz. Denn Verlagerung allein könne auch das Gegenteil bewirken und Lärm von den Autobahnen außerhalb der Städte in die Städte holen, und zwar auch nachts. Der Schutz der Bevölkerung vor Gesundheitsschäden erlaube es steuernd einzugreifen, durch Vorgaben und Verbote wie durch Förderprogramme.

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So erging im Jahr 2000 an die Schweizer Bahnunternehmen der Auftrag, bis 2015 alle Schienenfahrzeuge umzurüsten oder durch neue zu ersetzen. Die Lärmsanierung der Wagen ist weder Freiwilligkeitsleistung noch verhandelbar, sondern Pflicht. Der Lärm soll damit an der Quelle auf maximal 85 dBA verringert werden. Das mache viele Lärmschutzwände und -fenster überflüssig. Zugleich stellte die Regierung Geld bereit: für die Umrüstung, aber auch für Forschung und Entwicklung.

Bahn will 75.000 Güterwagen umrüsten

Die Schweiz ist aber keine Insel, und mehr als ein Viertel der Verkehrsleistung von Güterzügen wird von deutschen Unternehmen erbracht. Entsprechend komme es auf die Zusammenarbeit mit den Nachbarn an. Daher wird die Schweiz als erstes Land – und Nicht-EU-Mitglied – eine EU-Norm umsetzen und von 2020 an nur noch leise Wagen ins Land lassen. Wälterlin betonte: "Wir haben’s nicht erfunden, aber wir machen es." Das weckt im angrenzenden Rheintal die Erwartung, dass von diesem Zeitpunkt an nur noch leisere Züge auf den Gleisen fahren werden. Zumal der Konzernbevollmächtigte der Bahn, Eckardt Fricke, ankündigte, sein Unternehmen werde bis 2020 alle etwa 75.000 eigene Wagen umgerüstet haben.

Für die Bürgerinitiativen am Oberrhein mahnte ihr Sprecher Roland Diehl, die Bahn müsse nicht ein wenig, sondern sehr viel leiser werden. "Die Bahn hat kein Fünf-Dezibel-, sondern ein 30-Dezibel-Problem." Er betonte zudem, dass der Lärmschutz nicht beim Fahrzeug und der Lärmschutzwand beginne, sondern bei der Trassenwahl. Bahngleise für den Güterverkehr gehörten nicht in dicht bebaute Gebiete, und wo dies unumgänglich sei, sollten sie in Tieflage gebaut werden.

Gisela Splett, Staatssekretärin im Verkehrsministerium und Lärmschutzbeauftragte der Landesregierung, kritisierte vor allem, dass es keine Lärmgrenzwerte für bestehende Strecken gebe und entsprechend auch keinen Rechtsanspruch auf Lärmsanierung. Sie forderte zudem eine stärkere Spreizung bei den Streckengebühren als Anreiz, ähnlich wie bei den Flughafengebühren.

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Autor: Franz Schmider