Stuttgart/Tübingen

Katastrophenschutzübung probt Szenario extremer Hitzewelle

Larissa Schwedes

Von Larissa Schwedes (dpa)

Mo, 16. Oktober 2017 um 00:01 Uhr

Südwest

Nach einer Katastrophenschutzübung der Regierungspräsidien Stuttgart und Tübingen ziehen die Organisatoren ein positives Fazit. Nachbesserung gebe es vor allem bei der Kommunikation.

Aus großen Schläuchen spritzt Wasser auf die Bäume im Naturpark Schönbuch. Feuerwehrmänner sind zu Dutzenden damit beschäftigt, den Wald feucht zu halten und zu verhindern, dass Feuer sich ausbreitet. Hinter ihnen lodern Flammen. Trockenheit und heiße Temperaturen haben einen Waldbrand ausgelöst. Es ist eine schwierige Aufgabe, ihn möglichst klein zu halten. Einige Kilometer weiter liegt ein umgekippter Bus auf der Autobahn, es gibt viele verletzte Schüler. Sanitäter schleppen dick eingewickelte Jugendliche auf Tragen in die Krankenwagen, Blaulicht leuchtet überall.

Doch all das ist nur Schauspiel. Echte Wunden und Verbrennungen gab es glücklicherweise keine. Die Notlagen waren inszeniert und gehörten zu einer Katastrophenschutzübung, die die Regierungspräsidien Stuttgart und Tübingen am Samstag mit mehreren Landkreisen der Region durchführten. Das geprobte Szenario war eine extreme Hitzewelle: In den Wäldern brach Feuer aus, Straßenbeläge weichten auf, der Strom fiel aus und die Krankenhäuser waren überlastet. Rund 2300 Einsatzkräfte waren im Naturpark Schönbuch bei Tübingen aktiv.

"Katastrophen machen nicht vor Kreisgrenzen Halt. Es ist wichtig, dass sie bei der Zusammenarbeit im Ernstfall keine Rolle spielen", sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU), der die Rettungskräfte im Wald besuchte. Mit Staunen beobachtete er die Rettung eines Schwerverletzten, der an einem Steilhang mithilfe einer aufwendigen Seilkonstruktion auf einer Trage aus dem Graben gehievt wurde. "Es ist beeindruckend, wie effektiv die Helfer auch in schwerem Gelände ihre Arbeit verrichten", sagte der Minister anerkennend.

Zusammenarbeit über Grenzen hinweg war die große Idee hinter der Übung. Das bezog sich nicht nur auf die Landkreise. Um auf Großbrandlagen besser vorbereitet zu sein, holte man sich im Südwesten Anregungen aus den USA, die – wie im Fall der aktuellen Großbrände in Kalifornien – deutlich mehr Erfahrung mit solchen Katastrophen haben. Ein privater Feuerwehr-Dienstleister, der sich stark an der Arbeit US-amerikanischer Einsatzkräfte orientiert, war mit dabei.

"Die haben eine ganz andere Ausrüstung als die deutsche Feuerwehr – für Brandeinsätze im Wald können wir uns da einiges abschauen", erzählte Klaus Schmidt von der Feuerwehrschule Baden-Württemberg. Leichtere Kleidung, Rucksäcke mit Wasservorräten und tragbare Schutzzelte, um sich vor Feuerwänden zu schützen, gehören zu dieser Spezialausrüstung. Auch die Arbeitsweise der Einsatzkräfte ist für die deutschen Feuerwehr-Kollegen ungewohnt: Mit Schaufeln gruben Helfer in Windeseile einen kleinen Graben rund um das Feuer, um sein Ausbreiten zu verhindern. "So etwas habe ich in meiner Feuerwehr-Karriere noch nie gesehen", sagt Schmidt.

Hapern tut es bei der Großübung teilweise noch bei der Verständigung der beteiligten Organisationen und Einheiten. Utz Remlinger vom Regierungspräsidium Tübingen meint: "Bei der Kommunikation können wir noch nachbessern." Bei anderen Szenarien – wie beispielsweise großflächigen Stromausfällen – wären die Einsatzstellen jedoch deutlich schlechter vorbereitet. "Da kann es einem angst und bange werden", gibt Remlinger zu. "Die Notstromaggregate sind zu schwach – selbst um eine Behörde wie das Regierungspräsidium am Laufen zu halten." Am Freitag hatten mehrere Büros von Feuerwehr und Polizei die verwaltungsinternen Abläufe unter anderem im Falle eines großflächigen Stromausfalls durchgespielt.