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17. März 2011
Atomkatastrophe
Kein Strahlenalarm auf dem Schauinsland
Laut Experten sind in Deutschland keine gefährlichen Strahlenbelastungen durch radioaktive Wolken aus Fernost zu erwarten.
FREIBURG. Weil in Japan ein Reaktor Jod und andere strahlende Teilchen in die Luft dampft, sind in Deutschland die Jodtabletten in den Apotheken ausverkauft. Selbst in 8800 Kilometer Entfernung will man sich gegen das erhöhte Krebsrisiko durch die Radioaktivität schützen. Das Bundesamt für Strahlenschutz erklärte am Mittwoch, warum man sich das Geld sparen kann.
Weil ein Reaktorunfall irgendwo auf der Welt auch hierzulande den Ausnahmezustand bedeutet, hat der Ingenieur zur Pressekonferenz auf den Gipfel gebeten. Volksberuhigung ist angesagt.
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Der Eindruck, in Fernost wiederhole sich Tschernobyl, sei falsch, lässt König deshalb auch schnell die Zuhörer wissen. "Japan ist viermal weiter von uns entfernt." Zudem würden mangels großer Brände die Partikel auch nicht wie einst in der Ukraine in große Höhen geschleudert. "Nach jetzigem Kenntnisstand und bisherigem Verlauf liegen die zu erwartenden Strahlenwerte weit außerhalb des gesundheitsgefährdenden Bereichs."
Und selbst wenn sich das ändern sollte, das glaubt man dem Bundesamt für Strahlenschutz spätestens nach dem Rundgang vorbei an Messröhren, Teilchensammeltrichtern und unzähligen Geigerzählern – den Experten auf dem Berg würde es nicht entgehen. Ein Netz von 1800 Messfühlern des BfS spürt bundesweit in der Luft nach der Gammastrahlung radioaktiver Substanzen – unter anderem auf rund 1200 Metern Höhe auf dem Freiburger Hausberg. Überschreiten die Strahlenwerte bestimmte Grenzen, schlägt das System Alarm.
Die Fühler sind dabei so empfindlich, dass sie sogar registrieren, wenn in der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in 700 Kilometern Entfernung einzelne Brennstäbe aufgeschnitten werden, versichert Amtsleiter König. Andere Messgeräte filtern aus der guten Schwarzwaldluft strahlende Elemente heraus – bisher ohne Ergebnis. Auch Cäsium, Strontium und Jod, in Japan definitiv entwichen, wurden noch nicht aus Fernost herübergeblasen. "Wir erwarten, dass sich in zwei bis drei Tagen erste Spuren in den USA messen lassen", so König. Wann die radioaktive Wolke dann angesichts der "enormen Verdünnungsprozesse" auf der langen Reise als Wölkchen in Europa eintrifft, vermag selbst Deutschlands oberster Strahlenwächter nicht zu sagen: "Das hängt von der Wettersituation und den Höhenwinden ab." Versichern kann er allerdings eines: Weil ohnehin 80 verwandte Stationen überall auf der Welt die Luft nach radioaktiven Staubspuren – auf der Suche nach Hinweisen auf heimliche Atombombenversuche – durchstöbern, werde man immer über den Zug der Wolke informiert sein.
Schaut man sich die blanken Zahlen an, besteht allerdings wenig Grund, hier mitzufiebern. Mehr als der Zerfall eines Teilchens pro Sekunde, ein Becquerel, ist momentan im Kubikmeter Schauinslandluft nicht zu messen. Selbst während der Tschernobyl-Katastrophe waren es nie mehr als 60 bis 70 Bq, und die blieben in Deutschland, wie man inzwischen weiß, ohne messbare gesundheitliche Schäden für die Bevölkerung. "Ein paar Becquerel mehr erwarten wir hier oben durch die Geschehnisse in Japan", sagt Erich Wirth, Dienststellenleiter der südbadischen Messstation, "aber mehr nicht."
Autor: Michael Brendler


