Längere Haft für geflüchteten Kriegsverbrecher

dpa

Von dpa

Do, 24. Januar 2019

Südwest

Härteres Urteil nach Revision.

STUTTGART (dpa). Im erneuten Prozess um die Geiselnahme eines kanadischen UN-Mitarbeiters in Syrien ist die Gefängnisstrafe gegen einen 27-Jährigen verlängert worden. Nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) den Mann als Täter und nicht nur als Helfer eines Kriegsverbrechens eingestuft hatte, entschied das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart am Mittwoch neu über das Strafmaß. Wegen Beteiligung an Kriegsverbrechen muss der Syrer nun für vier Jahre und neun Monate in Haft.

Der BGH hatte das erste Urteil des Stuttgarter Gerichts kassiert. Im Herbst 2017 hatte es den Mann wegen Beihilfe zu erpresserischem Menschenraub, schwerer Freiheitsberaubung sowie Kriegsverbrechen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der BGH befand aber, dass der Angeklagte in Bezug auf die letzten beiden Vorwürfe als Täter anzusehen sei.

Der Angeklagte hatte 2013 einen entführten Kanadier tagelang bewacht, ihm Essen gebracht und ihn im Zimmer eingeschlossen. Die Entführer forderten sieben Millionen US-Dollar Lösegeld. Acht Monate lang war die Geisel gefangen gehalten worden, ehe ihr die Flucht gelang. Über Monate war das Opfer danach arbeitsunfähig, so der Vorsitzende Richter. Das OLG-Urteil liegt deutlich unter der Höchststrafe von 15 Jahren. Ein Grund war dem Richter zufolge, dass der Gefangene eine untergeordnete Rolle in der mit dem Islamismus sympathisierenden Gruppe spielte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte, der seit mehr als drei Jahren in Untersuchungshaft sitzt, kann Revision einlegen.