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14. Juli 2010 19:50 Uhr

Missbrauchsskandal

Ordinariat Freiburg korrigiert Darstellung zu Oberharmersbach

Der Täter von Oberharmersbach gestand schon 1992 – das hat das Ordinariat des Erzbistums Freiburg jetzt eingeräumt. Es hat seine bisherige Darstellung zum Umgang mit den Missbrauchsfällen ergänzt und korrigiert.

  1. Robert Zollitsch – was wusste er wann? Foto: ddp

FREIBURG. In Oberharmersbach wurden vom damaligen Ortspfarrer Franz B. zwischen 1968 und 1991 zahlreiche Jugendliche sexuell missbraucht. 1991 wurde er vorzeitig in den Ruhestand versetzt.

Erzbischof Robert Zollitsch hatte am Freitag persönliche Fehler aus seiner Zeit als verantwortlicher Personalreferent eingestanden und bekannt, er hätte Hinweise mit größerem Nachdruck verfolgen und intensiver nach Opfern suchen sollen. Zudem hatte er eine Stellungnahme des Ordinariats vom März 2010 bedauert. Darin hatte es geheißen, es habe nach vagen Gerüchten 1991 erst 1995 einen konkreten Hinweis gegeben.

"Nicht zu weiteren Recherchen ermutigt"

Gegenüber der Badischen Zeitung räumte ein Sprecher der Diözese nun ein, dass bereits 1992 die Aussage eines Opfers vorlag. Der bereits aus dem Amt genommene Täter habe daraufhin Reue und Buße versichert. Eine hinzugezogene Fachtherapeutin habe vor starker Suizidgefährdung gewarnt, Franz B. sei deshalb bis August 1995 therapeutisch behandelt worden. Die Familie des Opfers habe therapeutische Hilfsangebote erhalten.

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Der Vorgang taucht in den bisherigen Stellungnahmen des Ordinariats nicht auf – irrtümlich, wie die Diözese versichert. Es hätten im März nicht alle nun verfügbaren Informationen vorgelegen, sagte Sprecher Robert Eberle der BZ. Im Rückblick und mit dem Wissen von heute hätte man sich damals trotz der Suizidgefährdung nicht auf die Therapieverpflichtung beschränken sollen, sondern auch die Staatsanwaltschaft einschalten müssen.

Eberle stellte fest, es habe zwischen 1992 und April 1995 keine weiteren Erkenntnisse über "kriminelles Verhalten" des Täters gegeben. Allerdings sei der erste laut gewordene Verdacht im Jahr 1991 so unbestimmt gewesen, "dass kein berechtigter Anlass zu offener Recherche bestand. Die Tatsache, dass dem langjährigen Pfarrer zum Abschied aus Oberharmersbach 1991 die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde, hat das Ordinariat dann nicht zu weiteren Recherchen ermutigt."

Recherchen als Reaktion auf die Anzeige

In den bisherigen Stellungnahmen hatte das Ordinariat mehrfache Versuche für sich reklamiert, konkretere Informationen über mögliche Vergehen zu erhalten. Entsprechend hieß es im März dieses Jahres: "Als sich dann 1995 – bei weiteren Recherchen des Erzbistums – ein Missbrauchsopfer meldete und dem Pensionär klar gemacht wurde, dass nun die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werde, nahm sich der Pfarrer das Leben."

Auch diese Aussage konkretisierte Eberle nun auf Nachfrage: Die weiteren Recherchen des Erzbistums seien eine Reaktion auf die Anzeige des Opfers bei der Staatsanwaltschaft gewesen.

Die Diözese führt derzeit Gespräche mit Opfern und Angehörigen in Oberharmersbach, über deren Inhalt beide Seiten Stillschweigen vereinbart haben. Insgesamt, so Eberle, seien dem Ordinariat 22 Opfer aus Oberharmersbach bekannt. "Die tatsächliche Zahl der Opfer ist sicher höher." Im Gespräch mit dem Beauftragten der Diözese, Domkapitular Eugen Maier, hätten Betroffene um Begleitung durch eine unabhängige Organisation gebeten; der Freiburger Verein Wendepunkt habe diese Aufgabe übernommen. Die Diözese komme dafür auf, ebenso sei die Übernahme von Therapiekosten zugesagt.

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Autor: Jens Schmitz