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01. Dezember 2016 00:00 Uhr

Schwetzingen

Peter Lenk hat einem Kurfürsten ein Denkmal gewidmet

Schweinerei oder saustark? Das neue Kunstwerk im Städtchen Schwetzingen polarisiert. Überraschend ist das nicht, Bildhauer Peter Lenk eckt gerne mal an. Er hat auch die Statue Imperia im Konstanzer Hafen entworfen.

  1. Schwetzinger Glücksschwein Foto: Goldschmitt

Die Skulptur zeigt einen feisten Kurfürsten Carl Theodor (1724–1799) halbnackt mit Mätresse, beide genießen einen Ritt auf einer Sau. Das Werk erhebt sich vor dem Barockschloss, das unter Regentschaft des – vorsichtig ausgedrückt – freizügigen Herrschers zur Sommerresidenz ausgebaut wurde.

Der Gemeinderat der 22 000 - Einwohner-Kommune hat zum 1250. Jubiläum der Stadt die Sau rausgelassen – und mutig die Zwei-Tonnen-Plastik in Auftrag gegeben. Der Künstler, der am Bodensee lebt, nennt seine Kreation "Das Glücksschwein von Schwetzingen".

Dieser Titel bezieht sich nicht auf das Tier, sondern auf den freizügigen Adligen selbst – der züchtige Preußenkönig Friedrich II. soll Carl Theodor tatsächlich einmal als "Glücksschwein" bezeichnet haben, weil der "faule Kerl mehr Länder geerbt als erobert" habe. Peter Lenk, dessen Statue "Imperia" im Konstanzer Hafen mit prallen Brüsten und offener Scham an die heuchlerische Zeit von Fürsten und Huren erinnert, fühlte sich bei der Übergabe in Schwetzingen offensichtlich sauwohl, nicht nur des Honorars in unbekannter Höhe wegen. "Ich hatte bei der Umsetzung des Auftrags völlige Freiheit. Das ist viel wert", versicherte er.

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Der Oberbürgermeister der Kurpfälzer Spargelmetropole, René Pöltl, zeigt sich fest davon überzeugt, dass Schwetzingen mit der Verpflichtung des Künstlers Schwein gehabt habe. Schwetzingen werde von seinem "Dreigespann" vor seinem Wahrzeichen touristisch profitieren. Ob die Gäste zu Tausenden im Schweingalopp angetrabt kommen, muss die nächste Saison zeigen.

Autor: Wolf H. Goldschmitt