Illegale Online-Angebote

Lotto-Chef fordert stärkere Glücksspiel-Aufsicht

Roland Muschel

Von Roland Muschel

Do, 29. März 2018 um 19:47 Uhr

Südwest

Die staatlichen Lotto-Gesellschaften bekommen immer stärkere Konkurrenz aus dem Internet – die sich nicht immer an die Regeln halten. Das soll sich nun ändern.

Der Geschäftsführer der staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg, Georg Wacker, fordert angesichts des Booms illegaler Online-Angebote eine "Stärkung und Bündelung der Glücksspielaufsicht". Demnach könnte ein Bundesland die Federführung für alle Länder übernehmen.

In Baden-Württemberg ist das Regierungspräsidium Karlsruhe für die Beaufsichtigung des Glücksspiels zuständig – die Abteilung umfasst keine zehn Personen. Dänemark mit halb so vielen Einwohnern wie Baden-Württemberg leiste sich dagegen 80 Aufseher. "Wer Gesetze erlässt, muss dafür sorgen, dass diese auch eingehalten werden", fordert der neue Lotto-Chef Georg Wacker. Auch die 16 Bundesländer müssten sich stärker engagieren, eine Bundesaufsicht lehnt Wacker aber ab. "Das wäre ein weiterer Sargnagel für den Föderalismus." Erst vergangene Woche hatten sich indes Experten bei einer Tagung in Hohenheim für eine Bundesbehörde stark gemacht.

Private Anbieter bedrohen das staatliche Kerngeschäft

Dass Wacker wie auch Suchtforscher nun Alarm schlagen, hat zwei Gründe. Zum einen wollen die Ministerpräsidenten bis zum Sommer einen neuen Glücksspielstaatsvertrag aushandeln. Zum anderen erlebt der Markt gerade eine Zeitenwende: 2017 haben illegale Anbieter in Deutschland mit 79 Millionen Euro erstmals mehr Geld in die Werbung für Lotterie-Wetten investiert als alle staatlichen Lotto-Gesellschaften zusammen (78 Millionen Euro). Das Geschäftsmodell der Lotterie-Wetten ist für Toto-Lotto besonders gefährlich, weil die privaten Anbieter suggerieren, dass man am staatlichen Lotto teilnimmt. Damit bedrohen sie das Kerngeschäft. Die Bundesländer haben mit ihren Lotterien 2017 immerhin einen Gesamtumsatz von rund sieben Milliarden Euro gemacht; illegale Anbieter kamen mit ihren "schwarzen Lotterien" auf rund 0,5 Milliarden Euro.

Doch das ist nicht Wackers einzige Sorge. "Wir haben es mit einem wachsenden Markt zu tun, davon profitieren wir staatlichen Anbieter aber nicht." Wenn die Länder den illegalen Konkurrenten keine Schranken setzten, drohten ihnen Rückgänge bei den Erträgen – mit Folgen für die Allgemeinheit. Denn im Schnitt überweist die landeseigene Toto-Lotto GmbH dem Land jeden Tag gut eine Million Euro, teils über die Lottosteuer, teils über Zweckerträge für die Sport- und Kulturförderung. Dagegen behalten illegale Online-Anbieter mit Lizenzen in Malta oder Gibraltar ihre Gewinne für sich, zahlen hierzulande keine Steuern, die Einhaltung des Jugendschutzes ist nicht gewährleistet. "Wir dürfen nicht zulassen, dass im Bereich der Lotterien allein der Kommerz das Sagen hat", fordert Wacker.

"Die illegalen Anbieter verfolgen eine expansive Marktstrategie." Georg Wacker


Noch ist die Geschäftsentwicklung stabil, der Umsatz der Stuttgarter Toto-Lotto GmbH liegt bei knapp unter einer Milliarde Euro pro Jahr. Wichtigste Einnahmequelle ist das klassische Lotto "6 aus 49". Aber das Geld wird zunehmend mit Online-Casinos verdient – zu denen staatlichen Anbietern der Zugang weitgehend verwehrt ist, während sich Private um Vorschriften nicht scheren.

"Die illegalen Anbieter verfolgen eine expansive Marktstrategie." Wacker fürchtet sogar, dass die Politik einen Schritt in Richtung Legalisierung der Online-Casinos machen könnte. Als ehemaliger CDU-Landtagsabgeordneter kennt er das politische Geschäft. Ein neuer Glücksspielstaatsvertrag der Bundesländer ist im Februar an Schleswig-Holstein gescheitert, das auf eine Liberalisierung drängt. Bei den Sportwetten gibt es bereits ein Lizenz-Modell für 20 private Anbieter, mit der Folge, dass die staatliche Sportwette Oddset auf dem Weg zum Nischenprodukt ist: Mit Sportwetten ist bundesweit 2017 ein Umsatz von 7,5 Milliarden Euro erwirtschaftet worden, davon entfielen aber nur 200 Millionen Euro auf staatliche Angebote.