Unesco

Schwarzwald ist Biosphäre: Welche Gemeinden machen mit?

Wulf Rüskamp

Von Wulf Rüskamp

Do, 15. Juni 2017 um 19:05 Uhr

Südwest

Große Teile des südlichen Schwarzwaldes dürfen sich ab sofort Biosphärenreservat nennen. Von ursprünglich 37 Gemeinden machen 29 mit. Der Feldberg etwa ist nicht Teil der Biosphäre.

Große Teile des südlichen Schwarzwaldes – insgesamt 63.300 Hektar – dürfen sich ab sofort Biosphärenreservat nennen. Die Unesco, die diesen Titel verleiht, hat am Mittwoch in Paris ihr Zertifikat erteilt, das zunächst für zehn Jahre Bestand hat. Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) sprach von einer "großen Verpflichtung", die "wir gegenüber Natur und Umwelt eingegangen sind".

Initiatoren und Befürworter des Biosphärenprojekts im Schwarzwald hatten von Anfang an nur Vorteile in einer Bewerbung für diesen weltweit bislang 660 Mal vergebenen Titel gesehen: Er helfe dem Tourismus und der Wirtschaft in der Region, weil er mit einem Konzept verbunden sei, das Natur- und Landschaftsschutz mit den Zukunftschancen für die heimische Wirtschaft und die Gemeinden unter einen Hut zu bringen versuche. Anders als im stark befehdeten Nationalpark im Nordschwarzwald geht es nicht um den absoluten Vorrang der Natur: Lediglich drei Prozent der gesamten Fläche – vorrangig Staatsforst – werden sich selbst überlassen. Mehr als die Hälfte des Biosphärengebiets ist dagegen als Entwicklungszone definiert. Wie das klappt, lässt sich seit 2009 im Biosphärengebiet Schwäbische Alb beobachten, dem ersten derartigen Reservat in Baden-Württemberg.

Projekt war umstritten

Dennoch war das Projekt im Schwarzwald keineswegs unumstritten. Deshalb sind von den ursprünglich 37 Gemeinden, die 2011 angesprochen worden waren, am Ende nur 29 dabei. In manchen Rathäusern hatte sich die Befürchtung der Landwirte durchgesetzt, sie könnten ihre Äcker und Wiesen wegen des Naturschutzes nur mehr eingeschränkt nutzen. In der Gemeinde Feldberg wog die Sorge um die Zukunft des Wintersports schwerer als die Chancen, die die Biosphäre versprach: Dadurch liegt der höchste Berg des Schwarzwalds außerhalb.

Die Landesregierung, vertreten durch den damaligen Agrarminister Alexander Bonde (Grüne), hatte stets erklärt, der Antrag auf ein Biosphärenreservat sei eine Initiative der Kommunen.

Doch zugleich war deutlich, wie viel ihm an dem Projekt lag – was in manchem Gemeinderat parteipolitisch motivierte Vorbehalte gegen die Biosphäre als "grünem Projekt" hervorrief. Das Freiburger Regierungspräsidium hatte zudem stark unter den Gemeinden vermittelt. Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer erklärte nach der Pariser Entscheidung: "Die Anerkennung ist für uns Ansporn, an der Veredelung dieser Premiummarke Schwarzwald weiter zu arbeiten."

Nach drei Jahren steigen die Kommunen in die Finanzierung ein

Es sind nun mit Freiburg 29 Gemeinden, die mit ihrem gesamten Gebiet oder einem Teil zum Biosphärenreservat gehören, dessen Fläche etwas größer ist als die des Bodensees. Beteiligt sind auch die Landkreise Lörrach und Waldshut sowie Breisgau-Hochschwarzwald.

In den ersten drei Jahren zahlt das Land 660.000 Euro und übernimmt damit im Wesentlichen alle Kosten, danach steigen zu einem Drittel die Kommunen in die Finanzierung ein. Die Unesco prüft nach zehn Jahren, ob die Region dem Zertifikat noch genügt. Kommt sie zu einem positiven Urteil, ist das der Zeitpunkt, zu dem sich weitere Gemeinden anschließen können. Im Biosphärengebiet auf der Alb stehen sie heute schon Schlange.

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