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11. März 2014 17:33 Uhr

Verkehrsministerium

Stuttgart 21: Minister Hermann hält positives Gutachten zurück

Es kann nicht sein, was nicht sein darf – nach diesem Motto hat der grüne Verkehrsminister Hermann ein Gutachten zurückgehalten, das dem geplanten Tiefbahnhof Stuttgart 21 ein gutes Zeugnis ausstellt. Die Opposition wundert sich.

  1. Will offenbar nicht alles wissen: Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) Foto: dpa

  2. So sieht derzeit die Stuttgart-21-Baustelle aus. Foto: dpa

  3. Der neue Bahnhof in der Außendarstellung im Modell Foto: dpa

Seit Dezember vergangenen Jahres liegt das Gutachten bereits vor, doch der Grüne Winfried Hermann, erklärter Kritiker des Projekts Stuttgart 21 (S 21), hält es unter Verschluss. Das Fazit der Karlsruher Verkehrsplaner PTV lautet: "Werden für den Kopfbahnhof die Prognosezahlen des Durchgangsbahnhofs angesetzt, schneidet der Durchgangsbahnhof besser ab. Er ist unter Ansatz der gleichen Verkehrsmengen komfortabler als der Kopfbahnhof". Will heißen: Wenn die Zahl der Reisenden wie erwartet von jetzt einer knappen Viertelmillion auf mehr als 300.000 pro Tag steigt, ist Stuttgart 21 dem alten Bahnhof überlegen. Bliebe es bei der jetzigen Frequenz, ist der Tiefbahnhof allemal komfortabler zu nutzen. Genau dies hatten die Neubaugegner stets bestritten und ein Gutachten angezweifelt, das von der Bahn 2009 in Auftrag gegeben worden war und zu einem ähnlichen Ergebnis kam.

"Wir wundern uns, dass der Minister das Ergebnis dieses teuren und wichtigen Gutachtens für sich behält." Nicole Razavi
Damals hatten die Gegner noch von "unfassbaren Manipulationen" geredet, nun ist ihre Behauptung, der Kopfbahnhof könne mehr Reisende zumindest gleich, vielleicht aber sogar besser bewältigen als S 21, erneut widerlegt. PTV bestätigt vielmehr, dass die Planer der Bahn korrekt gearbeitet hätten. Sie hatten auch bedacht, dass zusätzlich zu den Bahnreisenden Passanten den Bahnhof als Durchgang zwischen der Innenstadt und dem neuen Bahnhofsviertel nutzen.

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Die Karlsruher Expertise bezieht sich allein auf die Bahnsteige und Treppen, ihre Breite und den möglichen Durchsatz an Reisenden bei einer Ein- und Aussteigezeit von zweieinhalb bis vier Minuten. Diese Zeit ist auch für den Brandschutz wichtig, denn sie bedeutet: In maximal 240 Sekunden können die Bahnsteige allein über die Treppen geräumt werden.

Nicht alle Abschnitte sind ausreichend

An einigen Abschnitten erreicht S 21 die Note "Ausreichend" nicht. Das bedeutet, dass die Reisenden in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind und häufig das Gehtempo an Mitreisende anpassen müssen. Da aber die Kriterien zur Qualitätsbewertung deutschlandweit neu gefasst werden, gilt künftig als voll ausreichend, was derzeit bestenfalls grenzwertig ist.

Die Stuttgarter Opposition staunt nun: "Wir wundern uns, dass der Minister das Ergebnis dieses teuren und wichtigen Gutachtens für sich behält", sagt die verkehrspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Nicole Razavi: "Ob es daran liegt, dass das Ergebnis die Kritik der Gegner widerlegt?"

Überrascht von dem Vorgang um das Gutachten zeigte sich der Staatssekretär im Wirtschafts- und Finanzministerium, Ingo Rust. Er ist auf Seiten des Koalitionspartners SPD für Stuttgart 21 zuständig und sagte am Dienstag auf Anfrage, er habe erst in der vergangenen Woche "gerüchteweise" von dem Vorgang erfahren und kenne das Papier nicht. Es gebe keinen Grund, das Gutachten nicht zu veröffentlichen.

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Autor: Andreas Böhme