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14. Juni 2012

Elitewettbewerb im Land

Uni Konstanz: Klein, aber sehr ehrgeizig

Die Uni Konstanz will mit dem Geld der Exzellenzinitiative ihre "Kultur der Kreativität" pflegen.

  1. Universität Konstanz Foto: Vermögen und Bau

KONSTANZ. Am Freitag wird in Bonn die zweite Runde der Exzellenzinitiative entschieden: Welche Universität gehört weiter zur Elite, welche kommt neu hinzu, welche steigt ab? Das gibt ein gemeinsamer Ausschuss aus Deutscher Forschungsgemeinschaft, Wissenschaftsrat und den für Hochschulen zuständigen Ministern des Bundes und der Länder bekannt. In einer Serie stellt die Badische Zeitung die vier Konkurrenten der Universität Freiburg im Land vor. Heute: die Universität Konstanz.

In der Fußballwelt heißt es, Geld schieße Tore. Der Historiker und Sprecher des Exzellenzclusters der Universität Konstanz, Rudolf Schlögl, leitet diese Weisheit für die Wissenschaft ab und sagt: "Geld schreibt auch Bücher." Damit meint er beispielsweise die Finanzierung von Vertretungspersonal, das einen Spitzenwissenschaftler von Lehr- und Verwaltungsaufgaben entlastet. Dieser gewinnt dann Freiräume für wissenschaftliche Kreativität sowie für Veröffentlichungen.

In den vergangenen fünf Jahren hatte die Konstanzer Hochschule Geld für solche Freiheiten, dank der Zuschüsse aus der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder 2007. Es handelte sich um mehr als 110 Millionen Euro, verteilt auf fünf Jahre. Welch enorme Bedeutung diese Summe gerade für eine kleine Universität wie Konstanz hat, zeigt der Vergleich mit dem gesamten Jahresbudget der Hochschule, die 10 600 Studierende hat: 126 Millionen Euro.

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Das Geld der Exzellenzinitiative trieb den Motor an, der die Universität voranbrachte in der Spitzenforschung, bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und in der verstärkten internationalen Ausrichtung. Viele Menschen nicht nur innerhalb der Uni hoffen, dass der Motor auch künftig auf Hochtouren laufen kann. Im Rennen der aktuellen Exzellenzrunde befindet sich Konstanz mit Neuanträgen für je ein Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule, die bereits 2007 erfolgreich abgeschnitten hatten. Hinzu kommt der Neuantrag für eine zweite Graduiertenschule, die es ins Finale geschafft hat – die Entscheidungswissenschaften, koordiniert durch den Wirtschaftswissenschaftler Leo Kaas.

Seine Doktoranden sollen die Muster untersuchen, denen Menschen bei ihren Entscheidungen folgen. Und er will erforschen, ob sich daraus Konsequenzen für die Politik ziehen lassen. An der fächerübergreifend ausgerichteten Graduiertenschule sollen 60 Doktoranden unter anderem aus den Fächern Psychologie, Wirtschaftswissenschaften und Politik arbeiten. An der Campusuniversität Konstanz lassen sich solche interdisziplinären Projekte einfach bewältigen: Die Wege sind kurz, weil die Gebäude aller Fachbereiche auf einem Hügel versammelt sind.

Die gleichfalls interdisziplinäre Graduiertenschule "Chemische Biologie" läuft bereits seit fünf Jahren. An welcher Stelle einer Zelle wirken Proteine, fragen die Wissenschaftler und betrachten dabei chemische, physikalische und medizinische Aspekte, die für Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer von Bedeutung sein können. Im bestehenden Exzellenzcluster geht es um die kulturellen Grundlagen der Integration in aktuellen und historischen Gesellschaften. Über die Exzellenzförderung sei es möglich gewesen, ein "anregendes und vielfältiges Milieu" für wissenschaftliche Phantasie und Dynamik zu schaffen, sagt Rudolf Schlögl, Sprecher des Exzellenzclusters.

Kern der Konstanzer Exzellenz ist freilich das Zukunftskonzept "Modell Konstanz – für eine Kultur der Kreativität". Es will Rahmenbedingungen für Spitzenforschung mit internationalen Wissenschaftlern schaffen und dafür eine Reihe von Initiativen, "Infrastrukturplattformen" und "Netzwerkplattformen" sowie ein Zukunftskolleg für Nachwuchswissenschaftler unterstützen – eine kleinere Ausgabe des Freiburger Frias, das gleichfalls ältere und jüngere Forscher zusammenbringt. Ziel ist es letztlich, Konstanz zu einem "europäischen Zentrum für erstklassige NachwuchswissenschaftlerInnen" zu machen, wie es in der Selbstdarstellung der Hochschule heißt.

Konstanzer Studenten stehen der Exzellenzinitiative eher gespalten gegenüber. Die einen hoffen, dass der Prestigetitel zur Aufwertung des eigenen Abschlusses beiträgt. Andere bemängeln, in der Lehre sei von der Exzellenz wenig angekommen.

– Lesen Sie am Freitag: Ein aufstrebender Neueinsteiger – die Uni Tübingen

Autor: Claudia Rindt