Vielerorts nur der erste Tropfen auf den heißen Stein

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

So, 16. Dezember 2018

Südwest

Der Sonntag Die Regenfälle der letzten Tage tun dem Grundwasserspiegel gut – aber für eine richtige Erholung wäre noch ein sehr niederschlagsreicher Winter vonnöten.

Nach Regen sehnen sich viele normalerweise nicht. Aber nach monatelanger Trockenheit waren die Niederschläge der letzten Woche fast schon eine Wohltat. Aber sorgen sie auch für eine erste zarte Erholung beim Grundwasserspiegel? Die Neubildung durch Sickerwasser habe an den Messstellen im Land großteils den Grundwasserspiegel noch nicht erreicht, sagt Jens Lange, Professor für Hydrologie an der Uni Freiburg. Das Wasser muss erst durch eine derzeit sehr trockene Bodenzone sickern, um das Grundwasser zu erreichen. An der Messstation Büchig der Landesanstalt für Umwelt in Karlsruhe wurde schon drei Monate hintereinander kein Sickerwasser mehr gemessen, dies sei historisch einmalig.
Durch die lange Trockenheit fallen sowohl die Grundwasserspiegel als auch die an Quellen/Grundwasseraustritten gemessenen Schüttungen so niedrig aus wie die ganzen letzten Jahre nicht. "Zwischen einem Viertel und einem Drittel der Messstellen verzeichnen ihren tiefsten Wert seit Beginn der jeweiligen Aufzeichnungen überhaupt", verdeutlicht Lange.

Nun gilt die Rheinebene generell als weniger gefährdet, weil im Schotterkörper ein großes Grundwasservolumen gespeichert ist. Ja, das relativ große Wasservolumen mache die Situation hier weniger dramatisch, räumt Lange ein. Dennoch sei auch hier an einigen Grundwasserbrunnen ein Tiefstand erreicht, beispielsweise an der Messstelle im Bad Krozinger Ortsteil Schlatt, der nur 11 cm über dem Minimum aus dem Jahr 1991 liegt. "Es gibt hier aber so viel Volumen, dass keine Versorgungsengpässe entstehen. Dennoch sollten diese Stände als ein Warnzeichen gewertet werden", so Jens Lange.

Im Alltag ist die Niederschlagsarmut bislang allenfalls im Bergland des Schwarzwaldes zu verspüren. Speziell dort, wo die Wasserversorgung von Hochlagenquellen abhängt, die schon trockengefallen sein können. "Ich bin mit einer Studentenexkursion Ende Oktober an einigen Quellen vorbeigefahren, die trockengefallen waren", erzählt Lange. Und nennt als Beispiel eine Quelle beim Hotel Halde auf dem Schauinsland. "Das ist eine Quelle, die sonst immer Wasser führt." Aber wenn sie leer sei, dauere es durch den nun sehr trockenen Boden lange, bis sie wieder aufgefüllt ist.

Sind die Niederschläge der zurückliegenden Tage also lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein? "Es kommt auf die Deckschichten über dem Grundwasser an", holt Lange aus. Wenn die "mächtig", also aufgrund ihrer Breite schwer durchdringbar sind, dann hat das Niederschlagswasser den Grundwasserpegel bislang schlicht noch nicht erreicht.

Was wäre wünschenswert? Weiter regenreiche Wintermonate? "Generell gilt, dass wir auf viel Regen im Winter hoffen sollten, so dass wir wieder auf mittlere Grundwasserverhältnisse zurückkommen", meint Lange. Der Winter eigne sich hierfür als klassische Neubildungszeit, die Vegetation ist nämlich "im Schlafmodus", braucht daher das Wasser nur in geringerem Umfang und dieses kann ungehinderter zum Grundwasser sickern. Und am besten als Regen, nicht als Schnee. Denn der bleibt erst einmal liegen und nützt dem Grundwasserspiegel erst im Frühjahr etwas.
Otto Schnekenburger