Warum strandete der Zug?

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 14. Januar 2018

Südwest

Der Sonntag Teils widersprüchliche Aussagen zur ICE-Havarie.

Am Mittwochabend ist auf der Rheintalbahn-Strecke ein Zug liegen geblieben. Ohne Strom blieb der ICE, der von Köln nach Basel unterwegs war, im Bahnhof von Schallstadt stehen. Ein Fernbus brachte die Passagiere in der Nacht nach Basel – die Strecke blieb stundenlang gesperrt.

Ein unangenehmes Szenario: In einem Video auf der Webseite der Badischen Zeitung beschrieb ein Passagier des gestrandeten ICE, der von Köln nach Basel unterwegs gewesen war, am Mittwochabend die Vorkommnisse. "Es gab einen dumpfen Schlag von oben, gefolgt von Schleifgeräuschen." Danach ging gegen 22:20 Uhr nichts mehr. Die Oberleitung war über 200 Meter heruntergerissen. Nachdem Helfer des Roten Kreuzes den Zug evakuiert hatten, wurden die Passagiere in Fernbussen nach Basel gebracht.

Aufgrund der Schäden an der Oberleitung war die Strecke zweigleisig stundenlang gesperrt. Die Reparaturarbeiten begannen noch in der Nacht, so dass der Verkehr gegen 4:30 Uhr zumindest auf einer Trasse wieder freigegeben wurde. Erst um 9.50 Uhr am nächsten Morgen konnten Züge wieder beide Gleise befahren. Die Folgen waren erheblich. "Da kommt ordentlich was zusammen", erklärte am Donnerstagnachmittag Werner Kraft, Sprecher der Deutschen Bahn.

Im Zug übernachten

Insgesamt fielen durch die Streckensperrung zwölf Fern- und 30 Nahverkehrszüge aus. Passagiere eines ICE, der am Mittwochabend von Basel nach Kiel hätte verkehren sollen, waren dazu gezwungen, im Zug zu übernachten. Zudem verzeichnete die Bahn Stand Donnerstag 46 rückgestaute Güterzüge. Den entstandenen Schaden konnte die Bahn am Freitag noch nicht abschätzen.

Ermittlungen dauern an

Von August bis Oktober letzten Jahres war es auf der viel befahrenen Nord-Süd-Verbindung bereits zu erheblichen Verzögerungen gekommen, als die Trasse zwischen Rastatt und Baden-Baden gesperrt gewesen war, weil sich bei einem Tunnelbau Schienen abgesenkt hatten. Vor einer Woche war die Strecke zwischen Freiburg und Basel ebenfalls für einige Stunden gesperrt gewesen, weil am Rangierbahnhof in Weil am Rhein Chemikalien ausgetreten waren. Von einer Pannen-Anfälligkeit der Rheintalstrecke wollte die Bahn indes am Donnerstag nicht sprechen. Zum Vorfall am Rangierbahnhof will sich das Unternehmen am 16. Januar äußern. Über die Ursachen machen Bundespolizei und Bahn bislang widersprüchliche Aussagen. Übereinstimmung herrscht darüber, dass nicht der ICE die Oberleitung beschädigte. Vielmehr muss der Schaden bereits zuvor entstanden sein, womöglich durch einen zuvor die Strecke passierenden Güterzug. Während die Bahn in ihrer Mitteilung Teile eines LKW auf diesem Zug für den Oberleitungsschaden verantwortlich macht, hält sich die Bundespolizei mit ihrem Urteil noch zurück. "Die Ermittlungen dauern an", verkündete der Sprecher der Bundespolizei, Helmut Mutter, am Freitagnachmittag. Zwar stimme es, dass man im Streckenbett Teile eines sogenannten Windfangs eines Lastwagens gefunden habe. Ob dieser aber, wie die Bahn mitteilte, ursächlich für die gerissene Oberleitung war, sei noch unklar. Aktuell gehe die Bundespolizei nicht davon aus. Da auch Untersuchungen in Italien notwendig sind, werde sich die Aufklärung aber noch hinziehen.