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30. Oktober 2013 19:10 Uhr

Beispiel aus dem Kreis Lörrach

Wenn der Tod im Omelett lauert: Vorsicht beim Pilzgenuss

Nur knapp entging ein Ehepaar aus dem Kreis Lörrach dem Tod durch eine Pilzvergiftung: In seinem Omelett befand sich der hochgiftige Grüne Knollenblätterpilz. Was schützt vor solch lebensgefährlichen Irrtümern?

  1. Finger weg: Grüne Knollenblätterpilze (rechts im Bild). Foto: dpa/duval

  2. Christoph Wermuth Foto: Duval Birgit-Cathrin

"Die haben verdammt Glück gehabt." Christoph Wermuth, Gastronom und geprüfter Pilzsachverständiger kann es noch immer nicht fassen. "Eine Vergiftung mit dem Grünen Knollenblätterpilz endet zu 95 Prozent tödlich." Es war am Sonntagabend vor einer Woche, das Restaurant hatte bereits geschlossen, als Wermuths Telefon klingelt. Ein Anruf aus dem Kreiskrankenhaus Lörrach. Die Ärztin benötigt Hilfe wegen einer möglichen Pilzvergiftung. Wermuth ist der einzige Pilzsachverständige der Gesellschaft für Mykologie im Landkreis Lörrach und Ansprechpartner bei Verdacht auf Pilzvergiftung.

Der Blick ins Pilzbuch mehrte den Verdacht

Was war geschehen? Ein Ehepaar aus der Nähe von Kandern hatte sich aus selbst gesammelten Pilzen ein Omelett zubereitet. Nach der Mahlzeit kamen der Frau Zweifel: Waren es wirklich essbare Frauentäublinge, die sie im Korb hatte? Ein Blick ins Pilzbuch mehrte den Verdacht: Die fraglichen Pilze waren leicht grünlich und hatten eine hautartige Manschette am Stil.

Frauentäublinge und junge Champignons werden häufig mit dem hochgiftigen grünen Knollenblätterpilz verwechselt. Erst vor zwei Wochen waren zwei Frauen in Norddeutschland gestorben, die offenbar grüne Knollenblätterpilze verzehrt hatten. Vorsorglich begab sich die Frau nach Lörrach ins Krankenhaus.

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"Eine Vergiftung mit dem Grünen Knollenblätterpilz endet zu 95 Prozent tödlich." Christoph Wermuth
"Nach dem Anruf musste ich so schnell wie möglich herausfinden, um welchen Pilz es sich handelt", berichtet Wermuth. Zum Glück hatte das Ehepaar übriggebliebene Pilze auf dem Kompost entsorgt, der Ehemann war zu Hause. Im Dunkeln wühlte Wermuth im Kompost, bis er zwei Pilzreste mit Stilen fand. "Es war äußerst schwierig, den Pilz eindeutig zu bestimmen." Wermuth fragte telefonisch beim Basler Pilzexperten Peter Kaupp nach. Am Ende kamen beide zum Ergebnis, dass es sich wohl um Grüne Knollenblätterpilze handelt. Das Ehepaar wurde am gleichen Abend in die Universitätsklinik nach Basel verlegt und von dort weiter nach Heidelberg.

Grüne Knollenblätterpilze enthalten Amatoxine, die zu tödlichen Organschäden führen. "Bereits 60 bis 80 Gramm reichen bei Erwachsenen für eine tödliche Vergiftung", sagt Wermuth. "Diese Menge ist in einem einzigen Pilz enthalten." Besonders fatal ist die lange Latenzzeit bei einer Pilzvergiftung. Meistens treten die ersten Anzeichen erst fünf bis 24 Stunden nach der Pilzmahlzeit auf. "Beim Grünen Knollerblätterpilz sind das heftige Brechanfälle und blutige Durchfälle", sagt Wermuth. Auch starke Schweißausbrüche können auftreten. Danach setzt eine scheinbare Besserung ein. Doch die Symptome kehren zurück und führen in wenigen Tagen zum Tod durch Leberversagen.

Der Grüne Knollenblätterpilz ist in unseren Wäldern sehr häufig

Allen Pilzsammlern rät Wermuth, die Hände von Pilzen zu lassen, die sie nicht eindeutig bestimmen können. Gerade beim Grünen Knollenblätterpilz, der in unseren Wäldern sehr häufig anzutreffen ist, kommt es immer wieder zu Verwechslungen. Pilzsachbücher oder Apps, anhand derer sich Pilze bestimmen lassen, eignen sich für Unkundige nicht zur Bestimmung von Pilzen, mahnt der Experte: "Fotos sind viel zu ungenau, da viele Pilze auf den Bildern ähnlich aussehen."

"Es halten sich auch hartnäckige Gerüchte wie die von Zwiebeln, die sich verfärben, wenn man sie mit giftigen Pilzen anbrät, oder einem Silberlöffel, der schwarz wird, wenn man ihn in die Pilzsauce taucht." Wermuth stellt klar: "Aufgrund von solchen Farbveränderungen giftige Pilze auszumachen, ist Unsinn. Wenn man beispielsweise den Birkenpilz, einen Speisepilz abschneidet, wird dieser schwarz, ein Flockenstieliger Hexenröhrling wird blau, ist aber essbar." Andere Pilze wie etwa der Faltentintling entwickeln ihre Giftwirkung nur in Verbindung mit Alkohol. Beim Sammeln sollten Pilze nicht durcheinander in den Korb gelegt werden, sondern nach Gattungen sortiert, eventuell in einen separaten Korb oder Schale. Wermuth rät dringend dazu, sie vor dem Verzehr von einem Pilzsachverständigen kontrollieren zu lassen, damit tödliche Vergiftungen ausgeschlossen werden können, bevor es zu spät ist.
Hilfe im Internet

Informationen zu Pilzvergiftungen sind zu finden auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Eine Liste der Pilzsachverständigen gibt es hier.

Autor: Birgit-Cathrin Duval