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06. Dezember 2008

Konjunktur und Kreditversorgung

Tagesspiegel: Falscher Trotz

Wahre Größe zeigt sich in der Krise. So betrachtet entpuppen sich viele Banker derzeit als Zwerge. Schlimm genug, dass sich manche Institute einen schaurig gruseligen Überbietungswettkampf liefern, ob die heraufziehende Krise nun die schlimmste seit dem Zweiten Weltkrieg oder gar seit der Weltwirtschaftskrise nach 1929 wird. Da schwingt schon ein wenig Lust am Untergang mit, kaum aber Verantwortungsgefühl. Denn dass Wirtschaft zum guten Teil Psychologie ist und die Krise die Krise nährt, diese Binsenweisheiten werden souverän ignoriert. Schlimmer noch, es verfestigt sich der Eindruck, dass sich große Teile der Finanzwirtschaft als Akteure im Kampf gegen die von ihnen selbst angerichtete Krise in die Rolle des kommentierenden Zuschauers verabschiedet haben. Das könnte man noch zähneknirschend verkraften, wenn sie dann wenigstens Hilfen und Ratschläge von Politik und Notenbanken annähmen. Aber Hilfen abzulehnen und zugleich so gut wie nichts dafür zu tun, das Vertrauen zwischen den Marktteilnehmern wiederherzustellen, das macht fassungslos. Wenn das Ifo-Institut jetzt von wachsender Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe berichtet, dann eilt zwar auch hier die Stimmung der realen Lage voraus. Aber es scheint, als würde der Trotz der Banker zum Risiko für die gesamte Wirtschaft. Die Bundesregierung hätte ihren Rettungsschirm wohl doch nicht nur anbieten dürfen, sie hätte die Banken zu ihrem Glück zwingen müssen.

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Autor: Thomas Hauser