Nach der letzten Zugabe ist bekanntlich Schluss

Sabine Ehrentreich

Von Sabine Ehrentreich

Fr, 11. Januar 2019

Theater

Florian Schroeder & Volkmar Staub im Lörracher Burghof.

Und Tschüss: Zum letzten Mal begann das Kabarett-Jahr im Lörracher Burghof mit der vertrauten "Zugabe" des Duos Florian Schroeder und Volkmar Staub – beide in Lörrach aufgewachsen, beide seit langem in Berlin zu Hause. 15 Jahre lang gab es diese satirisch-politische Nachlese, ein Spürchen länger also, als Merkels Kanzlerschaft währt, wie die Kabarettisten anmerkten. Sie haben die sich dem Ende zuneigende Ära Merkel kabarettistisch begleitet und die Kanzlerin nicht geschont (und auch sonst niemanden). Eine Einspielung am Bühnenhintergrund zeigte die um 15 Jahre jüngeren Protagonisten. Tempus fugit, die Zeit flieht. Wäre nicht nur Angela Merkels Abgang, sondern aus gegebenem Anlass auch der von Bundestrainer Jogi Löw 2018 eingeleitet worden, es bliebe "eine ganze Generation als Vollwaise zurück". Schroeder sagte das, der besagten Jahrgängen angehört, während Staub rund um 1968 politisch sozialisiert wurde – ein Altersunterschied, den die beiden in früheren Programmen noch offensiver ausspielten.

Noch einmal waren nun alle Zutaten im Programm, an die sich das Publikum gewöhnt hat. Die Wortwechsel und Soli, die Songs (Staub) und Parodien (Schroeder), die sorgenvolle Ansprache des Häuptlings an die roten Brüder vom Stamme der Sozialdemokraten, das Kamingespräch mit Staub als Urs Maria van der Laber, der selbstverliebt Worthülsen drechselt, und Schroeder in der Rolle wechselnder Talkpartner – alles da. Noch einmal zerlegten die beiden ein Jahr mit den Mitteln von Scherz, Satire, Ironie und mehr oder weniger tiefer Bedeutung. Sie nahmen dafür die vertrauten Rollen ein. Florian Schroeder der jüngere, blitzschnelle, in Erscheinung und Analyse scharfkantigere; Volkmar Staub der barocke, der zumindest vordergründig gemütliche, der sich gern mal in Wortspielen verliert und dessen Spitzen manchmal bewusst harmloser daherkommen, als sie sind. So arbeiten sie sich durchs Jahr, beginnend mit jenem Ereignis, das die Sozialdemokratisierung der CDU vollendete: der Wahl, sic!, der neuen Vorsitzenden, die mit der alten unter anderem verbinde, dass beide "unter Diktatoren gereift" seien. Merkel unter Honecker. AKK, an deren zu Ende formuliertem Namen die beiden gezielt scheiterten, unter Lafontaine.

Pardon wurde nicht gegeben. Nicht für die Parteien von ganz rechts bis ganz links, nicht für Österreicher, Bayern und Sachsen, nicht für Trump und Brexit, schon gar nicht für Friedrich Merz, den "Moorbrand von Meppen in der Politik". Immer da, meist unsichtbar, ständig schwelend, nichts Gutes verheißend. Das eigene Soziotop, den Prenzlauer Berg in Berlin, überzog Florian Schroeder mit einer wunderbar grantigen Satire.

Entlang von gekonnten Zuspitzungen und gelegentlichen Untiefen, gelungenen (Lanz! Oettinger!) und nicht ganz so überzeugenden Parodien, Bemühtem und intelligent auf den Punkt Gebrachtem zogen die zwölf Monate des Jahres 2018 noch einmal am Publikum vorbei. Da ging es auch um mehr oder weniger geglückte Abgänge in Politik und Gesellschaft – Beispiel Horst Seehofer. Es reiche nicht zu gehen, man müsse es auch rechtzeitig tun, befanden die beiden Kabarettisten. Vielleicht haben sie sich das für ihre eigene Zusammenarbeit zu Herzen genommen. Doch sie gehen ja nicht ganz: Um jene zu trösten, für die die "Zugabe" zum Jahresbeginn gehörte, kündigten beide je eigene Nachfolgeprogramme an. Staub mit Musik, Schroeder ohne.

Termine: Florian Schroeder/Volkmar Staub, "Zugabe". 11. und 12. Januar, je um 19.30 Uhr im Paulussaal in Freiburg; 1. Februar, 20 Uhr, in der Stadthalle Waldshut.