Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

25. Januar 2014

Zeit für schrilles Großstadtflair

Zum ersten Mal trafen sich Sophie Passmann und Tobias Gralke im Theater zum Late-Night-Talk.

  1. - Foto: Bild honorarfrei

"Pow" steht auf dem Eintrittsstempel, "wow!" denkt man beim Blick auf Backsteinwände, Musicbox und Autoscooter vor Manhattan-Skyline (Ausstattung: Alexa Klett). Beeindruckt der Werkraum des Stadttheaters doch bei dieser ersten Freiburger Late-Night-Show mit fernsehkompatiblem Ambiente, während die Bierbar im Hintergrund für Wohnzimmergemütlichkeit sorgt (Realisation Michael Kaiser, Benedikt Grubel). Zugkraft haben auch die beiden Moderatoren und Poetry Slammer Sophie Passmann und Tobias Gralke: Das größtenteils junge Publikum strömt und ist bestgelaunt.

Es erwartet fast zwei Stunden spritzigen Talk mit Themen und Gästen rund um Freiburg. Zum Einstieg erst mal eine Zuschauerbefragung zwecks Klischeebestätigung: Wer studiert auf Grundschullehramt? Wer ist mit Fahrrad und Jack Wolfskin-Jacke da? Weniger als gedacht! Nach diesem Ausflug in die Heimattümelei wird’s Zeit für schrilles Großstadtflair – und das zaubert Freiburgs berühmte Drag Queen Betty BBQ in Kriegsbemalung und auf schwindelerregenden Highheels ins Scheinwerferlicht. Das Schweinchen für doofe Fragen füllt sich zwar in Windeseile, trotzdem erntet der einstige Münsterwurst-Brater mit seinem schnoddrigen Statement für mehr Glamour und Toleranz Spontanapplaus. Zumal Moderatorin Passmann schlagfertig und frech agiert, das Gespräch mit leichter Hand auch mal in kritische Homophobie-Gefilde führt: Dass "Hitzlsperger" ein neues Schimpfwort sei, hat Betty BBQ schon am eigenen Vollblutweibleib erfahren.

Werbung


Weiter geht’s nach einem trinkfreudigen Publikumsgast mit Songwriter Lukas Meister, der so poetisch wie kraus gedacht an der Gitarre sein neuestes Lied zum Besten gibt: Wie er sich angesichts einer Menschenmenge vor dem Colombi-Hotel in Revolutionsvisionen steigert, um dann nur vor dem Mannschaftsbus des FC Bayern zu stehen. Die Stimmung bleibt auch angesichts der zwei eingeladenen Verbindungsstudenten locker, ohne in offene Ressentiments abzudriften. Dabei kriegen die Bänderträger einen ganzen Vorurteilskatalog um die Ohren gehauen. Auch Theaterbariton Alejandro Lárraga Schleske schlägt sich nach einer Tannhäuser-Arie mit entwaffnendem Mister-Bean-Charme.

Überhaupt hat die Show ganz besonderen Charme, wo sie ein bisschen entgleitet: Wenn Betty Betty BBQ am liebsten pausenlos die Bühne entern würde, Alejandro bei seiner ellenlangen Opernnacherzählung gar nicht mehr zu bremsen ist oder der schmale Tobias Gralke nach all den Schnäpsen doch etwas verlangsamt wirkt. Spannende, sehr unterschiedliche Gäste, ein pfiffiges Moderatorenteam – der Versuchsballon hat prima abgehoben. Es wird wohl nicht die letzte Late-Night- Show gewesen sein.

Autor: Marion Klötzer