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01. März 2011
Heimat ist mein altes Zimmer
Jugendliche aus Hinterzarten und Freiburg führen im Werkraum des Theaters das Musikprojekt "Schwarzwaldmädel reloaded" auf.
Ein Markenzeichen und Anliegen des Freiburger Theaters ist es, in seinem Theaterlabor immer wieder unterschiedliche Gruppen unter gesellschaftspolitisch spannenden Fragestellungen zusammenzubringen: Hier treffen Kinder auf junge Erwachsene, Krebskranke auf Gesunde, Roma auf Deutsche. So auch beim Musiktheaterprojekt "Schwarzwaldmädel reloaded", das im Rahmen von "Mehrklang" im Werkraum Premiere feierte. Auf der Suche nach der Heimat erarbeiteten elf Internatsschüler aus dem Birklehof-Gymnasium in Hinterzarten und acht Jugendliche aus der Freiburger Hebel-Werkrealschule unter der Leitung von Katharina Mohr eine Szenencollage mit Tanz und Livemusik (Leitung: Johannes Gaudet, Annette Rießner).
Die einen suchen im Internat Anregung, Gesellschaft oder Stabilität in ihrem Leben, die anderen haben ihre Wurzeln im Libanon, in der Türkei oder in Syrien und wurden durch die elterliche Migration mehr oder weniger unfreiwillig in eine andere Kultur geworfen. Dieser eklatante Unterschied bleibt leider unbearbeitet, vielmehr setzt man auf Gemeinsamkeit: der Schwarzwald mit all seinen Klischees und Eigentümlichkeiten als neuer Verortungspunkt.
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So wundert es nicht, dass es mit einem zünftig geträllerten "Oh Schwarzwald, oh Heimat" losgeht, während im Hintergrund Dias von Höfen, Bollenhüten und Kühen auf die rollbaren Bühnenelemente projiziert werden. Danach wird es persönlich: Kann man mehr als eine Heimat haben, fragt sich eine, die ihre Verwandten im Libanon besucht. Ist Heimat da, wo ich mich am wohlsten fühle, grübelt der Junge, dessen Eltern aus Angola stammen und von Bayern nach Freiburg gezogen sind. Heimat ist mein altes Zimmer, auch wenn ich fast nie drin wohne, postuliert die Internatsschülerin. Der biografische Einstieg macht neugierig, aber verwässert im Lauf des einstündigen Stückes immer mehr: Mäandert man doch beliebig zwischen Alltagserlebnissen, Sehnsüchten und Zukunftsträumen hin und her und verliert das Hauptthema – den persönlichen Heimatbegriff – mehr und mehr aus dem Blick.
Ohne die Leistung und das Engagement der jungen Akteure schmälern zu wollen, bleibt die Sache trotz schmissiger Choreografien, Bauer-sucht- Frau- Parodien und viel Musik doch ziemlich brav und oberflächlich. Vielleicht birgt das Thema Heimat zu wenig Brisanz? Sicher müsste es aber viel stärker und konträrer zugespitzt werden.
– Weitere Vorstellungen: 10., 18., und 19.März, jeweils 18 Uhr. 31.März, 19.30 Uhr. Karten: Tel. 0761/ 201 2853.
Autor: Marion Klötzer
