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28. Juni 2012
Kusiosum
Tierische Baustelle: Bachstelze baut im Bagger ein Nest
Der Bauleiter des Regenrückhaltebeckens in Fahrnau staunte nicht schlecht: Eine Vogelhochzeit auf der Großbaustelle.
FAHRNAU. Vogelhochzeit an der Großbaustelle: So etwas hat Dieter Berger, der Bauleiter des Rückhaltebeckens in Fahrnau, noch nicht erlebt. Schon seit einigen Tagen konnte er ein Bachstelzenpärchen beobachten, das ständig um einen 35 Tonnen-Schaufelbagger schwirrte und sich dann irgendwo auf dem Riesengefährt niederließ.
Das machte ihn natürlich neugierig. Er wollte unbedingt wissen, warum die kleinen Vögel der riesigen Baumaschine ständig einen Besuch abstatten. Also kletterte er zu einer Erkundungstour auf das Dach des Baggers und konnte zunächst nichts Außergewöhnliches entdecken. Weil er schon einmal oben war, warf er auch noch einen Blick in den Motorblock. Und bei dem, was er da sah, musste er sich erst einmal kräftig die Augen reiben. Da hatte sich doch tatsächlich das Bachstelzenpärchen zwischen den Schläuchen und Kabeln im Inneren des Motors sein Nest eingerichtet. Er hätte sogar schon mehrere Eier darin entdecken können, sagt Dieter Berger. Davon wollte sich selbstverständlich auch unser BZ-Mitarbeiter überzeugen. Als er bäuchlings mit seinem Kameraobjektiv den Motorblock inspizierte, blickte ihm plötzlich ein verwundertes Vogelaugenpaar entgegen.Werbung
Um Bachstelzenmama oder –papa beim Brüten nicht zu stören, schoss er schnell ein Bild und zog sich dann sofort wieder zurück. Der Bauführer erzählte jedoch, die Vögel ließen sich überhaupt nicht stören. Selbst bei laufendem Motor würden sie auf den Eiern sitzen bleiben. Und der Lärm und die hohen Temperaturen im Motorblock könnten ihnen nichts anhaben. Lediglich wenn der Bagger bewegt werden müsse, würden die Bachstelzen darüber flattern und mit kräftigen "Zitit"-Gezwitscher heftig protestieren.
Damit die Brut nicht gefährdet werde, wolle er die Nestanlage zwischendurch immer wieder einmal inspizieren, sagt Berger. Dies sei allerdings nicht die einzige Kuriosität an dieser Baustelle, erzählt er. So habe er direkt vor dem als Baubüro eingerichteten Container einen kleinen Teich als Biotop angelegt und daneben einen Baum, der keine Wurzeln mehr hatte, eingegraben.
Den hohlen Stamm mit zwei Löchern habe er als Totholz betrachtet. Wegen seiner zwei Einfluglöcher sei dieser aber von den verschiedensten Vögeln als Unterschlupf angenommen worden. So habe er über den Öffnungen sogar ein kleines Schutzdach installiert. Und nach einiger Zeit sei er von einer neuen Kuriosität überrascht worden. Obwohl der Baum ohne den geringsten Wurzelansatz doch eigentlich leblos sein müsste, seien aus dem Stamm Zweige getrieben, die auch bald mit Blättern übersät waren. Sogar eine kleine Apfelfrucht sei zwischen den Trieben gewachsen. Es komme ihm wie ein kleines Wunder vor, sagt der Bauleiter und fügt noch an: "Mit meiner Arbeit muss ich zwangsläufig Eingriffe in die Natur vornehmen. Aber ich versuche immer, einen Ausgleich zu schaffen, auch wenn er noch so gering erscheint."
Autor: Edgar Steinfelder





